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Berlin: Der RBB sucht verzweifelt einen Erlöser – doch niemand will Schlesingers Job machen


Warum die Schlesinger-Nachfolge so schwierig zu finden ist

Von Antje Hildebrandt

26.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Patricia Schlesinger (Archivbild): Die finanziellen Bedingungen sind noch unklar.
Patricia Schlesinger (Archivbild): Den Job des Übergangs-Intendanten will offenbar keiner machen. (Quelle: Seeliger/imago-images-bilder)
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Der RBB sucht einen Interimsintendanten, aber keiner hat Lust, den Job zu machen. Die Anforderungen sind überdimensional. Gesucht wird ein "Erlöser".

Integer sollte er sein, der Neue, der in die frisch renovierte Chefetage des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) einziehen soll. Staatsfern und medienkompetent sowieso. Am besten eine Figur mit "Wow-Effekt".

Ein Erlöser. Nein, man hat sich nicht verhört. Erik Stohn, medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Brandenburg, hat den Begriff tatsächlich gesagt. Stohn ist Mitglied im Rundfunkrat und hat eine vierstündige Sondersitzung hinter sich. Er sagt, der Begriff sei mehrfach gefallen.

Wer will Steuermann auf der Titanic sein?

Die Erwartungen sind hoch an die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Patricia Schlesinger. Der Neue ist schließlich nur ein Interimsintendant, er soll die Geschäfte des Senders nur für maximal ein Jahr führen. Schon in wenigen Tagen soll er mit seiner Arbeit beginnen. Aber wer sollte sich das zumuten?

Der Job ist ungefähr so attraktiv wie Steuermann auf der Titanic, denn die alte Geschäftsführung ist noch immer im Amt. Direktoren, die Boni dafür kassiert haben, dass sie dort gespart haben, wo kaum noch etwas zu sparen ist. Bei den freien Mitarbeitern zum Beispiel.

Der Neue trifft auf eine Belegschaft, die zwischen Wut und Ohnmacht schwankt und jedes Vertrauen in die Geschäftsleitung verloren hat. Er trifft auf Hörer und Zuschauer, die sich betrogen fühlen, weil von ihren Rundfunkbeiträgen so einiges bezahlt worden ist, was den Rahmen gesprengt hat und nicht nach dem Vier-Augen-Prinzip bewilligt wurde. Luxus-Reisen der Intendantin und private Abendessen in Gourmet-Restaurants. Kurzum: Er muss die Trümmer beseitigen, die ihm seine fristlos entlassene Vorgängerin hinterlassen hat.

Die Freien dürfen bei der Auswahl mitreden

Die Weichen dafür hat der Rundfunkrat in einer Sondersitzung am Donnerstag gestellt. Das Amt muss nicht öffentlich ausgeschrieben werden, denn einen Interimsintendanten sieht der Rundfunkstaatsvertrag des RBB gar nicht vor. Für eine solche Lösung hatte sich der Verwaltungsrat, das zweite Kontrollgremium des RBB, schon am Montag ausgesprochen.

Der Rundfunkrat hat sich dafür grünes Licht von der Staatskanzlei Brandenburg geholt, die die die Rechtsaufsicht hat. Eine Findungskommission soll innerhalb weniger Tage geeignete Kandidaten finden. Ihr gehören nur vier Mitglieder an, die Vorsitzenden des Verwaltungsrats, des Rundfunkrats, des Personalrats und die Sprecherin der Vertretung der freien Mitarbeiter.

Antje Kapek spricht
"Irgendwas zwischen Heiner Geißer und Regine Hildebrandt, aber ohne Parteibuch": So stellt sich die Berliner Grünen-Abgeordnete Antje Kapek den Schlesinger-Nachfolger vor. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/Archiv/dpa-bilder)

Jeder Dritte der 3.500 Mitarbeitenden des RBB ist nicht fest angestellt. Damit hat der Sender der Forderung der Freien nachgegeben, bei der Auswahl des neuen Intendanten mitzureden. Bloß der Redaktionsausschuss, der die Interessen der Journalisten vertritt, gehört der Kommission nicht an. "Glücklich sind wir darüber nicht", sagt die Sprecherin des Ausschusses, Martina Schrey, gegenüber t-online.

Wer hat Lust, den Job zu machen?

Wie viele andere Kollegen hat sie das Vertrauen in die Geschäftsleitung verloren. Und sie fragt sich, was sich die meisten fragen: Wer hat eigentlich Lust, diesen Job zu machen? Namen von möglichen Kandidaten will sie noch keine gehört haben.

Auch Mitglieder des Rundfunkrates mauern, wenn man fragt, wem sie den Job als "Erlöser" denn zutrauten. Natürlich sei das ein Schleudersitz, sagt Ingo Senftleben, CDU-Landtagsabgeordneter aus Brandenburg. Trotzdem sei er sicher, dass die Kommission jemanden finde, der es als Lebensaufgabe verstehe, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verteidigen und Berlin und Brandenburg noch näherzubringen. Also, ihm falle da sofort jemand ein. Wer denn zum Beispiel? Senftleben wird einsilbig: "Wir sind hier doch nicht auf dem Flohmarkt", antwortet er.

Matthias Platzeck scheidet aus

Gesucht wird also die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau. "Irgendwas zwischen Heiner Geißler und Regine Hildebrandt, aber ohne Parteibuch und mit Medienerfahrung", so beschreibt die Berliner Grünen-Abgeordnete Antje Kapek das Profil. Politikferne sei wichtig. Man wolle den Gegnern des ÖR nicht noch eine Angriffsfläche bieten.

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Kommt aus dem Osten, scheidet aber wegen seines Parteibuches aus: Matthias Platzeck, ehemaliger Ministerpräsident von Brandenburg. (Quelle: M. Popow via www.imago-images.de)
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Matthias Platzeck (SPD) scheidet danach aus. Der Name des ehemaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg fiel zumindest hinter vorgehaltener Hand. Der "Tagesspiegel" hatte neben den ehemaligen Intendanten Peter Boudgoust (SWR) und Ulrich Wilhelm (BR) auch den ehemaligen Leiter des ARD-Hauptstadtstudios Ulrich Deppendorf und den ehemaligen Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde BStu, Roland Jahn, ins Spiel gebracht.

Es muss keine Frau sein

t-online hat alle vier angefragt. Boudgoust ließ über eine Sendersprecherin ausrichten, er wolle sich dazu nicht äußern. Ulrich Wilhelm antwortete, er sei gar nicht gefragt worden, stehe aber aus beruflichen Gründen nicht zur Verfügung. Deppendorf und Jahn meldeten sich gar nicht. Schlesinger zu beerben, ist eben eine problematische Angelegenheit.

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Verwendete Quellen
  • Interview mit Erik Stohn (SPD)
  • Interview mit Ingo Senftleben (CDU)
  • Interview mit Antje Kapek (Grüne)
  • Interview mit Martina Schrey
  • Tagesspiegel: "Wer soll den rbb retten?"
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Von Yannick von Eisenhart Rothe
CDUMatthias PlatzeckSPD

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