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Nebenklage: Georgier-Ermordung Signal an politische Gegner

Berlin  

Nebenklage: Georgier-Ermordung Signal an politische Gegner

07.12.2021, 21:40 Uhr | dpa

Nebenklage: Georgier-Ermordung Signal an politische Gegner. Kammergericht Berlin

Blick in einen Gerichtssaal im Kammergericht in Berlin-Schöneberg. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der Mord an einem Georgier 2019 mitten in Berlin ist aus Sicht der Nebenklage als "Signal an alle politischen Gegner Russlands" zu verstehen. "Es handelte sich um eine Hinrichtung zur Demonstration politischer Macht", sagte Rechtsanwältin Johanna Künne als Vertreterin sieben Angehöriger des Opfers am Mittwoch in ihrem Plädoyer im sogenannten Tiergartenmord-Prozess vor dem Berliner Kammergericht. Die Nebenklage schloss sich dem Antrag der Bundesanwaltschaft an und forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe für den angeklagten 56 Jahre alten Russen. Dieser habe im Auftrag Russlands gehandelt.

Beide beantragten zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt. Das Urteil könnte noch vor Weihnachten gesprochen werden. An diesem Dienstag (14.12.) sind zunächst die Plädoyers der Verteidigung des Angeklagten geplant, wie das Gericht mitteilte.

Auch die Nebenklage hat keinen Zweifel: Bei dem Angeklagten handelt es sich um den Mann, der am 23. August 2019 in der Parkanlage Kleiner Tiergarten den 40-Jährigen erschossen hat. Das Opfer, das seit Ende 2016 als Asylbewerber in Deutschland lebte, war von russischen Behörden als tschetschenischer Terrorist eingestuft worden.

In ihren Schlussvorträgen hoben die Nebenkläger-Vertreterinnen vor allem auf die Hintergründe der Tat ab: Das Opfer habe sich in seiner Heimat für den Schutz der Tschetschenen eingesetzt. Sie seien überzeugt, dass politisches Handeln und dessen Einstellung Motiv und Anlass gewesen seien für die Ermordung, sagte Rechtsanwältin Inga Schulz. Bereits 2015 sei er in der georgischen Hauptstadt Tiflis Ziel eines Anschlags gewesen, habe dieses aber verletzt überlebt.

Der Angeklagte habe im Auftrag des russischen Staates gehandelt. Dafür habe der frühere Oberst einer Spezialeinheit des russischen Geheimdienstes FSB eine Alias-Identität erhalten. Diese Legende werde von den russischen Behörden bis zum heutigen Tag aufrecht erhalten. Der Beschuldigte selbst hatte zu Beginn des Prozesses über seine Anwälte erklären lassen, er heiße Vadim S., sei 50 Jahre alt und Bauingenieur. Verbindungen zum Geheimdienst bestritt er.

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