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Schulen ├╝berfordert von Aufhebung der Pr├Ąsenzpflicht

Von t-online, mtt

Aktualisiert am 26.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Klassenzimmer (Symbolfoto): In Berlin m├╝ssen die Eltern aktuell selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken oder nicht.
Klassenzimmer (Symbolfoto): In Berlin m├╝ssen die Eltern aktuell selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken oder nicht. (Quelle: J├╝rgen Ritter/imago-images-bilder)
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Die Inzidenz der Zehn- bis 14-J├Ąhrigen klettert in Berlin auf ├╝ber 4.000. Der Senat reagiert mit einer Aussetzung der Pr├Ąsenzpflicht an Schulen ÔÇô und kassiert bei├čende Kritik.

Seit Dienstag k├Ânnen Berliner Eltern selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken oder nicht. Die Pr├Ąsenzpflicht ist aufgehoben, wie Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) am Montag ├╝berraschend mitteilte.

Viele Schulen hat die Aufhebung kalt erwischt. F├╝r sie geht es nun darum, den hybriden Unterricht von einem auf den anderen Tag zu organisieren. "Hier ist deshalb gerade die H├Âlle los", hei├čt es aus einer gro├čen Berliner Grundschule.

Aussetzung der Pr├Ąsenzpflicht: "Entsetzliche Dummheit"

Nur wenige Schulleitungen bleiben entspannt: "Wir m├╝ssen nicht allzu viel umstellen", verlautbart aus einer Gemeinschaftsschule mit Grund-, Mittel- und gymnasialer Oberstufe. Die n├Âtigen Hybrid-Konzepte seien l├Ąngst vorhanden ÔÇô und ohnehin w├╝rden einer ersten Einsch├Ątzung der Lage zufolge nur wenige Sch├╝ler die freiwillige Homeschooling-Option wahrnehmen.

Corona in Berlin: Die bundesweite Statistik des Robert-Koch-Instituts f├╝hren mittlerweile f├╝nf Berliner Bezirke an. .In Mitte kletterte die Inzidenz am Dienstag auf mehr als 3.000 ÔÇô das ist der h├Âchste Wert, den je ein Kreis in Deutschland meldete Und bei Kindern und Jugendlichen sind die Inzidenzen berlinweit mit Abstand am h├Âchsten: 3.910 bei den 5- bis 9-J├Ąhrigem, 4.152 bei den 10- bis 14-J├Ąhrigen, 2.825 bei den 15- bis 19-J├Ąhrigen. Das ist weit ├╝ber dem Berliner Durchschnitt aller Altersgruppen (1.593).

Richtig angefressen ist der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid. Er meint, die Aufhebung der Pr├Ąsenzpflicht sei eine "entsetzliche Dummheit".

Die Argumentation von Bildungssenatorin Busse macht ihn besonders w├╝tend. Die Senatorin bezog sich in ihrer Mitteilung vom Montag n├Ąmlich explizit auf die Berliner Amts├Ąrzte, die in der vergangenen Woche angek├╝ndigt hatten, k├╝nftig an Schulen f├╝r direkte Kontaktpersonen keine Quarant├Ąne mehr auszusprechen. Dies schaffe eine neue Situation, hatte Busse erkl├Ąrt, in der man besorgten Eltern entgegen kommen m├╝sse.

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Berliner Amtsarzt: Soziale Spaltung droht

Larscheid sagte dazu im RBB-Inforadio, noch am Freitag habe die Senatorin die Entscheidung der Amts├Ąrzte gutgehei├čen, statt automatischer Quarant├Ąne betroffene Kontakt-Kinder engmaschiger zu testen. Er sei erstaunt, dass diese Herangehensweise jetzt so interpretiert werde, "als w├╝rde etwas furchtbar Gef├Ąhrliches passieren".

Im Gegenteil: Man habe es den Eltern nur leichter machen wollen. Und nun sei es die Senatsbildungsverwaltung, die ein gef├Ąhrliches Vorgehen gew├Ąhlt habe: "Es wird allgemein bef├╝rchtet, dass diese Entscheidung dazu f├╝hrt, dass die soziale Spaltung zwischen den Kindern versch├Ąrft wird", sagte Larscheid der Nachrichtenagentur dpa.

Familienstadtrat von Mitte: Jetzt bleiben die falschen zu Hause

Larscheid sprach von einer "einsamen Entscheidung der Senatorin". Der Widerstand und die Wut im Hygiene-Beirat, in dem die Politik sich mit Bezirken, Amts- und Kinder├Ąrzten und der Wissenschaft ber├Ąt, sei "maximal".

Auch der Gesundheits- und Familienstadtrat des Berliner Bezirks Mitte ├╝bte scharfe Kritik. Christoph Keller (Linke) sagte am Dienstag, er bef├╝rchte, dass gerade die Kinder zu Hause blieben, die besser in der Schule aufgehoben seien, weil sie nur dort die n├Âtige Unterst├╝tzung h├Ątten. Der Pr├Ąsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, formulierte es ├Ąhnlich und prophezeite: "Die L├╝cken werden in diesem Zeitraum eher gr├Â├čer als kleiner werden."

Und Sebastian Sedlmayr von Unicef Deutschland schimpfte: "Mit der Entscheidung ├╝bertragen Politik und Verwaltung die Verantwortung, ob Kinder zur Schule gehen, vollst├Ąndig an die Eltern." Das Versprechen, Schulen zuletzt zu schlie├čen, drohe damit unterlaufen zu werden.

Eltern: Schulen sind mit gutem Hybrid-Unterricht ├╝berfordert

Und die Eltern? Die sehen die Sache ├╝berwiegend pragmatisch ÔÇô und berichten mit Grausen von den handfesten Problemen, die sie auf ihre Kinder zukommen sehen. Mehrfach wird unter anderem bei Twitter auf die ├ťberforderung der Schulen hingewiesen, gleichzeitig Pr├Ąsenz- und Distanzunterricht stattfinden zu lassen: Wenn die Lehrer in der Klasse unterrichten, k├Ânnten sie sich nicht um die Sch├╝ler vor den Bildschirmen zu Hause k├╝mmern. Und bei Streaming aus allen Klassenr├Ąumen gingen die Leitungen in die Knie.

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"Ich pers├Ânlich f├Ąnde Wechselunterricht perfekt", erkl├Ąrt eine Mutter t-online. "Kleine Klassen, weniger Kontakte, aber f├╝r die Kinder immerhin noch Kontakte."

Sie h├Ątte die Aussetzung der Pr├Ąsenzpflicht gerne genutzt, f├╝rchtet aber, dass ihr gerade aufs Gymnasium gewechselter Sohn den Anschluss verlieren k├Ânnte ÔÇô weil die Kinder im Distanzunterricht nicht gen├╝gend Unterst├╝tzung bek├Ąmen.

Ihr Fazit: "Wir sind froh, dass er vollst├Ąndig geimpft ist und erhoffen uns, dass er dadurch ausreichend gesch├╝tzt ist."

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Von Antje Hildebrandt
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