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Millionen-Coup im Grünen Gewölbe: Die kriminelle Vergangenheit des Remmo-Clans


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Die kriminelle Vergangenheit des Berliner Remmo-Clans

dpa, Von Andreas Rabenstein und Simona Block

Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Clan-Oberhaupt Issa Rammo (Archivbild): Den sechs angeklagten Familienmitgliedern wird schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vorgeworfen.
Clan-Oberhaupt Issa Rammo (Archivbild): Den sechs angeklagten Familienmitgliedern wird schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vorgeworfen. (Quelle: Olaf Wagner/imago-images-bilder)
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Als die Nachricht vom Diamanten-Coup aus dem Grünen Gewölbe Berlin erreichte, dachten viele Beobachter: So dreist gehen vor allem Mitglieder eines bestimmten Clans vor. Sechs von ihnen stehen nun vor Gericht.

Remmo, in der Hauptstadt ein berüchtigter Familienname. Die Berliner Großfamilie liegt schon seit Jahrzehnten im Clinch mit den Behörden. Mitglieder des Clans sind bekannt für spektakuläre Einbrüche. Aus dem Bodemuseum stahlen sie eine hundert Kilogramm schwere Goldmünze. Auch das Grüne Gewölbe in Dresden sollen sie überfallen haben.


Dresdner Juwelen-Diebstahl: Fotos der gestohlenen Schätze

Bruststern des polnischen Ordens des Weißen Adlers; er wurde zwischen 1746 und 1749 von Goldschmied Jean Jacques Pallard aus Brillanten, Rubinen, Gold und Silber geschaffen und ist 15,5 x 15,5 Zentimeter groß.
Eine weiterer Bruststern des Ordens des Weißen Adlers; er wurde zwischen 1782 und 1798 für Friedrich August III. geschaffen, den ersten König von Sachsen.
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Mehr als zwei Jahre nach dem Fischzug mit Beute in Millionenhöhe stehen an diesem Freitag sechs verdächtige Remmo-Clanmitglieder in Dresden vor Gericht. Verhandelt wird in einem besonders sicheren Spezialsaal. Festgenommen wurden die Angeklagten in der Hauptstadt.

Der Großeinsatz der sächsischen Polizei in Berlin im November 2020 war streng geheim. 1.600 Polizisten aus acht Bundesländern rückten tief in der Nacht in der Hauptstadt an, viele mit Maschinenpistolen bewaffnet, dazu kamen Spezialeinsatzkommandos (SEK). Um 6 Uhr morgens stürmte die Polizei Wohnungen und durchsuchte Cafés, Garagen und Autos. Das Ziel: Mitglieder der arabischstämmigen Großfamilie Remmo.

Drei junge Männer wurden verhaftet, weitere Verdächtige aus dem Clan später gefasst. Die insgesamt sechs Verdächtigen sind Brüder oder Cousins. Die Polizei geht davon aus, dass die sechs polizeibekannten Männer einen der spektakulärsten Coups der jüngsten Jahre begingen: den Einbruch in das Dresdner Museum Grünes Gewölbe und den Diebstahl von Diamantschmuck im Millionenwert. Besonders pikant: Zwei der Männer wurden bereits im Februar 2020 wegen des Diebstahls einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum verurteilt.

Einbruch ins Grüne Gewölbe: Prozess gegen sechs Verdächtige aus Berliner Clanmilieu beginnt

In Dresden drangen zwei Einbrecher am Morgen des 25. November 2019 in die Museumsräume im Residenzschloss ein. Die Täter hatten zuvor einen Stromverteilerkasten angezündet und dicke Gitter durchtrennt. Mit einer Axt zertrümmerten sie eine Vitrine und stahlen 21 Schmuckstücke mit mehr als 4.300 Diamanten.

Den ersten Fluchtwagen zündeten sie in einer Tiefgarage an. Mit einem zweiten Auto entkamen sie. Der Versicherungswert der Beute liegt bei 113 Millionen Euro, der Verkaufswert deutlich darunter, aber immer noch in Millionenhöhe.

Nach dem Raub: Polizisten nehmen vor der Schinkelwache im Zentrum Dresdens Spuren auf.
Nach dem Raub: Polizisten nehmen vor der Schinkelwache im Zentrum Dresdens Spuren auf. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-bilder)

Die Anklage lautet auf schweren Bandendiebstahl und besonders schwere Brandstiftung. Dutzende Zeugen sollen angehört werden. Die Clan-Mitglieder haben 14 Verteidiger aus halb Deutschland aufgeboten.

Anfragen an die Anwälte, ob die Angeklagten sich zu den Vorwürfen äußern wollen, wurden nicht beantwortet. Zudem ermittelt die Polizei gegen 40 weitere Verdächtige wegen Beihilfe, Hehlerei und Strafvereitelung. Dazu gehören Wachmänner aus dem Museum und mögliche Komplizen und Unterstützer in Berlin.

Islamwissenschaftler: "Die Großfamilie ist alles und der Rest ist nichts"

Schon kurz nach dem Einbruch richteten sich viele Blicke nach Berlin. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte: "Die Parallelen zum Überfall im KaDeWe und dem Einbruch ins Bode-Museum sind leicht erkennbar, dafür muss man nicht Kriminalist sein." Die Sonderkommission "Epaulette" des sächsischen LKA, benannt nach einem Beutestück, sicherte DNA-Spuren vom Tatort und aus Autos, die zu mehreren vorbestraften Mitgliedern des bekannten Clans führten.

Eine bei einem Einbruch beschädigte Vitrine im Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe (Archivbild): Am Freitag beginnt der Prozess gegen sechs Verdächtige aus dem Berliner Clanmilieu.
Eine bei einem Einbruch beschädigte Vitrine im Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe (Archivbild): Am Freitag beginnt der Prozess gegen sechs Verdächtige aus dem Berliner Clanmilieu. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-bilder)

Die Großfamilie Remmo ist nur einer von mehreren arabischstämmigen Clans, die vor allem in Berlin, Bremen und im Ruhrgebiet leben, allerdings ein sehr auffälliger. Mitglieder des arabischen Mhallami-Stamms wanderten im 20. Jahrhundert aus der Türkei in den Libanon aus. In den 80er-Jahren kamen sie nach Deutschland. Ohne Arbeitserlaubnis lebten viele Familien von Sozialhilfe. Durch Ehen innerhalb der Familie und hohe Geburtenzahlen vergrößerten sie sich schnell auf mehrere Hundert Angehörige.

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Staat und Gesetze werden nicht anerkannt. "Die Großfamilie ist alles und der Rest ist nichts", schrieb der Islamwissenschaftler Mathias Rohe. Für manche Mitglieder wurden Diebstahl und Drogenhandel zu Haupteinnahmequellen.

Mitglieder von Berliner Großfamilie wegen zahlreicher Verbrechen verurteilt

Die Justiz spricht von einer "hohen Anzahl" von Ermittlungsverfahren im Lauf der Jahre. Allein die Liste der bekannt gewordenen Verbrechen von Mitgliedern eines Clans ist lang:

  • 2014 brechen mehrere Täter in eine Sparkasse in Berlin-Mariendorf ein und stehlen Beute im Wert von mehr als neun Millionen Euro aus den Schließfächern. Ein Täter aus der Großfamilie Remmo wird verurteilt.
  • 2017 stehlen vier Männer die Goldmünze im Millionen-Wert aus dem Bode-Museum. Drei Täter werden verurteilt, zwei davon aus dem Remmo-Clan.
  • 2018 beschlagnahmt die Staatsanwaltschaft 77 Wohnungen und Häuser, die sie dem Remmo-Clan zuordnet. Darunter ist auch die Villa, in der ein Familienoberhaupt lebt. Ein Sohn, der von Hartz IV lebte, hatte sie gekauft. Das Geld dafür soll aus dem Sparkassen-Einbruch stammen.
  • 2019 stehlen zwei Einbrecher ein Kunstwerk in Form eines Goldnestes aus einer Schule. Verurteilt wird ein junger Mann aus der Familie Remmo.
  • 2020 bekriegen sich Clanmitglieder und Tschetschenen. Ein 44-Jähriger aus der Remmo-Familie wird verurteilt. Überführt wurde er durch eine elektronische Fußfessel, die er tragen musste.
  • 2021 überfallen fünf Männer einen Geldtransporter auf dem Ku'damm und erbeuten 650.000 Euro. Ein Mann aus dem Remmo-Clan, Bruder eines Angeklagten in Dresden, wird verurteilt.
  • Ebenfalls 2021 brechen mehrere Täter in eine Sparkasse bei Hamburg ein. Die Beute aus 600 Schließfächern laut Medien: elf Millionen Euro. In Berlin wird ein Mann aus dem Remmo-Clan verhaftet.

Täter und Beute bleiben häufig verschollen: schwierige Ermittlungen

Bei vielen dieser Taten fasste die Polizei nur einen Teil der Täter, andere wurden nie gefunden. Das Gleiche gilt für die Beute. Weitere Verbrechen, wie ein Einbruch in das Luxuskaufhaus KaDeWe im Jahr 2009, den die Polizei dem Clan-Milieu zuordnet, werden gar nicht aufgeklärt. Für den Überfall auf das KaDeWe 2014 wurden Mitglieder anderer Clans verurteilt, aber auch hier blieb die Beute verschollen.

Das Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe: Knapp 100 Schmuckstücke wurden entwendet.
Das Juwelenzimmer im Grünen Gewölbe: Knapp 100 Schmuckstücke wurden entwendet. (Quelle: imago-images-bilder)

Die Aufklärung vieler Taten ist höchst schwierig. Clan-Mitglieder verpfeifen sich nicht gegenseitig. Wer mit dem Staat kooperiert, gilt als Verräter und verliert seine Familie. Mit Bestechungen und Drohungen würden Zeugen zum Schweigen gebracht, sagen Staatsanwälte. Der Polizei gelinge es fast nie, verdeckte Ermittler einzuschleusen. Nur DNA-Spuren bringen die Polizei ab und zu weiter.

Polizei gibt Hoffnung nicht auf: Hohe Belohnungen ausgesetzt

Der Aussteiger Khalil O., ein früherer Drogenhändler, schrieb, nicht alle der vielen Hundert Clan-Mitglieder seien Verbrecher. Zwar gebe es in 80 Prozent der Großfamilien Leute, die mit Drogen, Einbrüchen oder Schutzgeld zu tun hätten. Aber auf 100 Familienmitglieder kämen zehn aktive Kriminelle und zehn weitere, die im Gefängnis säßen.

Die Polizei in Dresden betont, man gebe die Hoffnung nicht auf, die Diamanten zurückzubekommen. In Sachsen sind 500.000 Euro Belohnung ausgesetzt, in Berlin steht eine Million Euro von Kunstfreunden bereit.

Die Erfahrung der Polizei zeigt allerdings, dass es für die Täter das Wichtigste ist, Gold, Uhren oder Schmuck schnell zu Bargeld zu machen. Dafür gibt es zahlreiche Kanäle, die in den Libanon, die Türkei oder nach Osteuropa führen. Die früheren Taten zeigen deutlich: Die Beute bleibt in der Regel verschwunden.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Jannik Läkamp
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