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Diskussionsrunde nach BRN-Aus: So geht es mit der Bunte Republik Neustadt weiter


Diskussionsrunde nach BRN-Aus: So geht es mit der 'Bunte Republik Neustadt' weiter

Von Beate Erler

Aktualisiert am 24.01.2023Lesedauer: 3 Min.
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Wie steht es um die Zukunft der "Bunten Republik Neustadt"? Im BRN-Büro befürchten viele, dass Max Aschenbach als Veranstalter an der Umsetzung und der Kommunikation mit der Stadtverwaltung scheitern könnte. (Quelle: Sven Ellger)

Nach Absage der "Bunten Republik Neustadt" haben viele in Dresden Ideen zur Rettung des Stadtfests. Doch was davon ist umsetzbar? Ein Besuch im BRN-Büro.

Am Donnerstagabend ist die ehemalige Kneipe des Stadtteilhauses auf der Neustädter Prießnitzstraße voll. Nur einer fehlt: Der Dresdner Stadtrat und Vorsitzende der Stairepartei "Die Partei", Max Aschenbach. Am Tag zuvor hatte er angekündigt, dass seine Partei als Gesamtveranstalter für die "Bunte Republik Neustadt" (BRN) spontan einspringt. Ebenso spontan wirkt sein Erscheinen zur Diskussion im Stadtteilhaus. Mit gut einer halben Stunde Verspätung und einem großen Loch im Pullover taucht er dann doch noch auf.

Besucher der ersten BRN im Jahr 1990 vor einem besetzten Haus in der Böhmischen Gasse.
Besucher der ersten BRN im Jahr 1990 vor einem besetzten Haus in der Böhmischen Gasse. (Quelle: Ulrich Hässler/imago images)

"Bunte Republik Neustadt" im Wandel

Von 1990 bis 2019 wurde die BRN als Stadtteilfest der Äußeren Neustadt organisiert: Nach Veranstalterangaben hat sich das Fest von einer "politischen Republik gegen Spekulation, Mietwucher, Zerstörung und Vertreibung der Bewohner zum Nachbarschafts-, Kunst- und Kulturfest" entwickelt.

Als die Stadt Dresden nach drei Jahren pandemiebedingter Pause dem größten Stadtfest der Neustadt auch für diesen Sommer eine Absage erteilte, seien alle überrascht gewesen, sagen die Anwesenden. Deshalb ist die Runde so groß wie lange nicht in den letzten Jahren. Sogar viele neue Gesichter sind dabei, sagt Ulla Wacker, die das BRN-Büro auf der Alaunstraße leitet.

Stadt wird kapitulieren

Die Stadt begründet ihre Absage damit, dass die Neustädter Akteure der BRN nicht als Gesamtveranstalter auftreten und die Organisation des Festes nicht übernehmen wollen. Die allgemeine Ordnung und Sicherheit sei ungeklärt. "Die Stadt ist als Platzhalter seit 2002 eingesprungen, und jetzt will sie nicht mehr", sagt Ulla Wacker. Doch für ein Straßenfest mit 50.000 bis 100.000 Besuchern braucht es ein Konzept für Sicherheit, Müll und Toiletten, sind sich die Anwesenden aus Vereinen wie dem Scheune e.V., Gastronomen und Anwohnern einig.

Für "Die Partei" ist das alles kein Problem. "Wir konfrontieren die Stadt mit der Realität", sagt Max Aschenbach, "am Ende wird sie kapitulieren." Er erinnert an die Anfänge der BRN, die von den Neustädtern organisiert wurde und hauptsächlich in den Höfen, Hinterhöfen und Baulücken, die es heute nicht mehr gibt, stattfand. Inzwischen ist das Fest auf die Straße gerückt und vor allem zu kommerziell, findet er. "Kein Kommerz bedeutet auch, dass weniger Menschen kommen werden und die BRN ausgedünnt wird."

Sicherheitskonzept braucht es nicht

Die Idee, wieder an die rebellischen Anfänge anzuknüpfen, finden viele in der Runde charmant. Lange habe es kein richtiges Engagement mehr gegeben, einige Anwohner würden die Neustadt am BRN-Wochenende sogar verlassen, vielen sei es zu voll, zu laut, zu dreckig. Aber so richtig ernst nehmen können sie den Vertreter der Satirepartei nicht. "Die haben schon viele Aktionen wie diese gestartet, und am Ende gab es dann einen Kasten Bier und Musik aus dem Rekorder", sagt Olaf Hornuf vom Scheune e.V. Das habe mit der BRN aber nichts zu tun. Die meisten glauben, dass er an der Umsetzung und der Kommunikation mit der Stadtverwaltung scheitern wird.

Wieder andere fragen sich, wie man die BRN ohne Verkauf von Getränken und Essen finanzieren soll. So zum Beispiel die Truppe hinter der großen Bühne im Alaunpark. "Der Platz, die Bühne, die Musiker kosten Geld, und wie sollen wir das bezahlen, wenn wir kein Bier mehr verkaufen sollen?" Am meisten Gegenwind gibt es für Max Aschenbach beim Thema Sicherheitskonzept. "Ihr immer mit eurer Sicherheit", sagt er und lacht. Wenn es nach ihm ginge, bräuchte es auch das nicht.

Einzelaktionen in Planung

Dabei hat eine Sicherheitsanalyse im Jahr 2015 herausgearbeitet, dass während der BRN bis zu sieben Personen auf einem Quadratmeter zusammenkommen. Das Straßenfest wurde sogar als "lebensgefährlich" eingestuft. Irgendjemand in der Stadtverwaltung setzt da eine Unterschrift drunter – und ohne Sicherheitskonzept wird das nicht passieren, sind sich alle anderen einig.

Deshalb arbeiten die Akteure der BRN gerade an einem Plan B, denn die geplanten Einzelveranstaltungen hat die Stadt nur am eigentlichen BRN-Wochenende vom 16. bis 18. Juni untersagt. "Wir haben die Möglichkeit, kleine Straßenzugfeste in diesem Jahr zu veranstalten, die aber keine BRN im Namen tragen sollen", sagt Ulla Wacker. Kleine Gruppen aus Freiwilligen haben sich schon für die Sebnitzer- und Alaunstraße, Lutherplatz und Böhmische Straße und für den Straßenabschnitt am "Habibi Shisha Café" gefunden.

Kurz bevor Max Aschenbach die Runde im Stadtteilhaus verlässt, verspricht er noch, den Antrag als Veranstalter für die BRN bei der Stadt einzureichen. Die Leiterin des BRN-Büros sagt danach: "Jeder kann für sich entscheiden, wie er das wertet und einen Erfolg einschätzt."

Verwendete Quellen
  • Reporterin vor Ort
  • Webseite der 'Bunten Republik Neustadt'
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