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Streit zwischen Einheimischen und Parkverwaltung: "Nationalpark ist gescheitert"


"Das Modell Nationalpark ist gescheitert"


02.02.2023Lesedauer: 3 Min.
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Der Konflikt zwischen den Einheimischen und der Nationalparkverwaltung schwelt schon lange. Im vergangenen August gründete sich dann die Bürgerinitiative.Vergrößern des Bildes
Der Konflikt zwischen den Einheimischen und der Nationalparkverwaltung schwelt schon lange. Im vergangenen August gründete sich dann die Bürgerinitiative. (Quelle: Montage: (Imago/Naturpark Sächsische Schweiz))

Nach dem verheerenden Waldbrand in der Sächsischen Schweiz gründete sich eine Bürgerinitiative. Sie kritisieren die unterlassene Waldpflege.

Für Hanka Owsian kamen die Brände im Sommer vorigen Jahres nicht überraschend. "Wenn ich drei Minuten von mir zu Hause in den Wald gehe, gehe ich in einen toten Wald", sagt Owsian t-online und meint damit die abgestorbenen Fichten, die seit Jahren im Wald stehen. Die Brände waren der letzte Anlass, die Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz in Hohnstein zu gründen.

Die Ursache für die hohen Bestände an toten Fichten sieht die Kulturwissenschaftlerin im Status Nationalpark. Gegen den Borkenkäferbefall wird nicht vorgegangen und der Baumbestand bleibt stehen, weil ein Nationalpark eine vom Menschen unberührte Natur verlangt.

Der Konflikt zwischen den Einheimischen und der Nationalparkverwaltung schwelt schon lange. Viele wollen, aus unterschiedlichen Gründen, die Natur nicht länger sich selbst überlassen. Im vergangenen August gründete sich die Bürgerinitiative, die aus dem Nationalpark einen Naturpark machen will.

Strenge Regeln gleich Naturschutz?

Am Montag gab es nun ein erstes Treffen zwischen der Bürgerinitiative und der Nationalparkverwaltung in Bad Schandau. Diese ist die Fachbehörde für den Naturschutz im Nationalpark, den es seit 1990 gibt. "Die Nationalparkverwaltung spricht sich grundsätzlich für das Prinzip 'Natur, Natur sein lassen' aus", sagt Hanka Owsian nach dem Treffen, "wir fordern hingegen einen Naturschutz mit dem Menschen und nicht ohne ihn."

Den Unterstützern der Bürgerinitiative gehe es ebenso um den Naturschutz, aber auch um die Frage, wie er gestaltet wird, sagt sie. "Die Frage ist, inwieweit strenge Regeln allein einen effizienten Naturschutz garantieren." Die Befürworter des Naturparks sind davon überzeugt, dass durch Maßnahmen wie bewirtschaftete Bergwiesen oder einen aktiven Waldumbau bessere Ergebnisse hinsichtlich der Biodiversität möglich wären.

Das Elbsandsteingebirge ist per Rechtsverordnung durch das Landschaftsschutzgebiet und den Nationalpark Sächsische Schweiz geschützt. Die naturnäheren Bereiche des Nationalparks, mit Fels- und Waldbereichen, machen ein Viertel der Sächsischen Schweiz aus. Die Nationalparkverwaltung sieht ihre Aufgabe darin, Wildnis zu vermitteln. Nur 0,49 Prozent der Landfläche in Sachsen sind Nationalparks. "Nur hier können Menschen erleben, was natürliche Entwicklung bedeuten kann, wie natürliche Prozesse künstliche Monokulturen korrigieren und wieder zu natürlicher Vielfalt führen", sagt Hanspeter Mayr, Pressesprecher der Nationalparkverwaltung.

Nationalpark-Status als Brandbeschleuniger?

Für die Bürgerinitiative ist das Modell Nationalpark gescheitert, da es die gestaltende Mitwirkung des Menschen außer Acht lässt. Die Petition für die Schaffung eines Naturparks hat aktuell 7.325 Unterstützer. Sie fordert die Änderung der Schutzgebietskategorie, damit in der Sächsischen Schweiz wieder Alltags- und Freizeitwerte für Bewohner und Besucher geschaffen werden, heißt es unter anderem in der Petition.

Die Nationalparkverwaltung ist die zuständige Forstbehörde und ist im Nationalpark gestaltend tätig, entgegnet Hanspeter Mayr. Sie unterhält das 400 Kilometer lange Wanderwegenetz, die 80 Steiganlagen mit einer Länge von 23 Kilometern und weitere Zeugnisse der historischen Kulturlandschaft wie die Felsenburg Neurathen.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs am Montag war für die Bürgerinitiative aber der Brandschutz für die Orte und Häuser in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark. Unterlassene Waldpflege und Totholzbestände mit massiver Brandgefahr sind Probleme, die durch den Status Nationalpark entstanden sind, meinen sie. Mittlerweile sind 15 bis 20 Mitglieder im Organisationsteam. Weitere 50 bis 60 Menschen unterstützen das Anliegen Naturpark, darunter der Bürgermeister von Hohnstein, Daniel Brade.

Über den Status entscheiden wird aber die sächsische Landespolitik und dort gibt es für eine Umwandlung aktuell keine Mehrheit. "Ein Status als Naturpark steht nicht zur Debatte", heißt es aus dem Sächsischen Energie-, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium. Die Nationalparkverwaltung kann die Argumente zum Brandschutz aber nachvollziehen, sagt Hanspeter Mayr.

Ein Gutachten der Technischen Universität Dresden zum Brand im Nationalpark wurde am Dienstag dieser Woche vorgelegt. Es hat zusammenfassend ergeben, dass das Totholz nicht zu einer verstärkten Ausbreitung des Brandes beigetragen hat. Für die Sprecherin der Bürgerinitiative war das Fazit des Gutachtens erwartbar. "Überraschend ist zudem der Zeitpunkt der öffentlichen Präsentation des Gutachtens einen Tag nach dem Auftaktgespräch zwischen der Bürgerinitiative und der Nationalparkverwaltung", sagt Hanka Owsian. Sie und ihre Unterstützer wollen sich in den nächsten Tagen ausführlich damit beschäftigen.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Gespräch mit Hanka Owsian
  • Anfrage an die Nationalparkverwaltung
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