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Weihnachtsmarkt Essen: So groß ist hier die Angst vor Anschlägen


Angstgefühle auf dem Weihnachtsmarkt


Aktualisiert am 04.12.2023Lesedauer: 3 Min.
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Eine Polizeistreife auf dem Weihnachtsmarkt in Essens Innenstadt (Archivbild): Die Stimmung bei den Besuchern ist gemischt. (Quelle: Jochen Tack/imago images)

Nach vereitelten Anschlägen in Deutschland ist die Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt in Essen gemischt. t-online hat sich bei Besuchern und Budenbetreibern umgehört.

Es duftet nach Quarkmuzen und Bratwurst. Ein paar Schneeflocken rieseln herab und "Jingle Bells" tönt zwischen den Ständen. Trotzdem beschäftigen viele Besucher auf dem Essener Weihnachtsmarkt diese Bilder: Berliner Breitscheidplatz 2016, als ein islamistischer Attentäter mit einem Lkw auf den Weihnachtsmarkt raste. Zwölf Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt.

Die Bilder kommen jetzt wieder hoch, weil Sicherheitskräfte in den vergangenen Wochen offenbar Anschläge verhindert haben. Ein 15-jähriger Deutsch-Afghane soll zuletzt etwa gemeinsam mit einem 16-Jährigen mit russischer Staatsbürgerschaft einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Leverkusen geplant haben.

Laut Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf wollten sie einen Kleintransporter zur Explosion bringen und sich danach einem Ableger des IS anschließen. Zudem soll ein 20-jähriger Iraker, der bald abgeschoben werden sollte, einen Anschlag in der Weihnachtszeit geplant haben. Festnahmen gab es in NRW, Brandenburg und Niedersachsen.

Haldenwang: "Gefahr so hoch wie lange nicht mehr"

Das haben auch die Menschen auf dem Weihnachtsmarkt in Essen mitbekommen. Auch die Worte des Verfassungsschutzpräsidenten Thomas Haldenwang haben viele gehört. "Die Gefahr ist so real und so hoch wie schon lange nicht mehr", hatte er gesagt. Angesichts des Krieges im Nahen Osten habe sich auch in Deutschland die Gefahr islamistischer Anschläge erhöht.

Auch Mieke F. (33) und Sam F. (36) sprechen darüber, als sie auf dem Essener Weihnachtsmarkt einen Glühwein trinken. "Uns sind sofort die Betonklötze am Eingangsbereich aufgefallen", sagen sie und deuten in Richtung Hauptstraße. Über den Eingang hier, unweit des Hauptbahnhofs, strömen die Massen auf den Weihnachtsmarkt. Auch an anderen Stellen sind die sogenannten "Terrorsperren" aufgebaut. Seit dem Jahr 2019 auch in Form von Beton-Tannen – zwei Meter hoch, knapp drei Tonnen schwer.

Gemischtes Stimmungsbild

"Angst habe ich aber nicht", sagt Mieke. "Ich will das einfach nicht." Auch Maria W. sagt: "Ich lasse das nicht an mich heran." Mehr Sicherheitspersonal in gelben Warnwesten, mehr Ordnungsamt, mehr Polizei – all das sei ihr aufgefallen. "Das reicht für mich aber auch. Taschenkontrollen fände ich zum Beispiel überflüssig", sagt sie.

So sehen es auch Yolanda und Savanna Bossle, die auf dem Weihnachtsmarkt Backfisch verkaufen. "Ich will nicht das Gefühl haben, dass es einen Grund gibt, sich Sorgen zu machen", sagt Savanna Bossle. In den WhatsApp-Gruppen der Standbetreiber sei die Sicherheitslage aber schon ein Thema. "Wir fühlen uns trotzdem sicher", sagen sie.

Essenerin: "Ja, ich habe Angst"

Anders sieht das Sally Böhmer. "Ich gebe zu: Ja, ich habe Angst", sagt sie. Als Raucherin mache sie auch spät abends noch außerhalb ihres Crêpes-Standes Pausen und fühle sich zunehmend unsicher. "Ich habe auch Angst vor Junkies und Einbrüchen", sagt Böhmer. Bei einer Pro-Palästina-Demonstration in der Innenstadt habe sie sich zudem gesorgt, dass die Lage eskalieren könnte. "Das hat sich in den vergangenen Jahren verändert und war früher nicht so."

Vanessa M. sagt: "Ich versuche, es nicht so nah an mich heranzulassen." Angst habe sie keine, Gedanken mache sie sich aber schon. "Wir haben mit unserem Wurststand einen guten Standort – mitten drin, nicht an den Ein- und Ausgängen. Hier rast keiner so schnell rein", berichtet sie. In den Jahren nach dem Attentat von Anis Amri in Berlin seien die Diskussionen auf dem Weihnachtsmarkt verstärkter gewesen. "Derzeit regen sich die Menschen eher über die steigenden Preise auf", erzählt sie.

"Optimismus nicht nehmen lassen"

Die Besucher Gerlinde und Michael Hofmann sagen: "Ein Flugzeug kann auch abstürzen. Trotzdem steigen Menschen täglich ein. Wir dürfen uns unseren Optimismus nicht nehmen lassen." Sie würden den Weihnachtsmarkt dennoch lieber vormittags besuchen – "weil wir uns ein bisschen Sorgen vor Taschendiebstahl machen", sagt Gerlinde Hofmann.

Auch bei Jessica Ritter, die einen Glühweinstand betreibt, sind es nicht in erster Linie islamistische Terroristen, die ihr Sorge bereiten. "Wir haben eher Probleme mit Vandalismus. Hier wurde schon die Jalousie aufgehebelt", berichtet sie.

Dieter Berndt, der gebrannte Mandeln verkauft, sagt: "Eine innere Unruhe hat derzeit wohl jeder in Deutschland." Die Betonklötze würden ein Stück Sicherheit vermitteln, seien aber keine 100-prozentige Sicherheit. "Die Attentäter könnten schließlich auch ferngesteuerte Autos in die Menge schicken oder eine Drohne über den Kennedyplatz fliegen lassen", sagt er.

Andrea D. und Thorsten M. sagen ebenfalls recht nüchtern: "Ganz verhindern kann man solche Anschläge am Ende sowieso nicht." Wenn man mit Angst auf den Weihnachtsmarkt gehe, nehme man sich selbst etwas. Wie viele Menschen aus Furcht zu Hause geblieben seien, könne man schwer einschätzen. "Aber wenn ich mich fürchte, haben die Terroristen schon erreicht, was sie wollen. Deshalb komme ich", sagt Andrea D.

Verwendete Quellen
  • Reporterin vor Ort
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