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HomeRegionalFrankfurt am Main

Armut in Hessen | Ranking: Hier geht es den Einwohnern am schlechtesten


Regionen im Vergleich
Hier geht es den Hessen am schlechtesten

Von t-online, mtt

02.04.2024Lesedauer: 3 Min.
Die Skyline von Frankfurt am Main (Archivbild): Innerhalb Hessens unterscheiden sich die Armutsquoten der Regionen.Vergrößern des BildesDie Skyline von Frankfurt am Main (Archivbild): Innerhalb Hessens unterscheiden sich die Armutsquoten der Regionen. (Quelle: Silas Stein/imago-images-bilder)
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Viele können sich keinen Urlaub leisten, manche nicht einmal angemessen heizen. In Hessen unterscheiden sich die Armutsquoten je nach Region.

Einigen Menschen in Hessen geht es extrem gut: Rund 2.200 Einkommensmillionäre haben dem Fiskus zuletzt zusammen fünf Milliarden Euro zu versteuerndes Einkommen angezeigt, allein 500 von ihnen leben in Frankfurt am Main.

Ihnen stehen Hunderttausende Habenichtse gegenüber: Aktuellen Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zufolge sind 17,8 Prozent der 6,4 Millionen Einwohner Hessens von Armut betroffen. Das ist mehr als jeder sechste Hesse. Die Zahlen offenbaren auch: Obwohl die Armutsquote gesunken ist, liegt sie immer noch leicht über dem Bundesschnitt von 16,8 Prozent.

In der Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands werden innerhalb Hessens noch einmal einzelne Raumordnungsregionen unterschieden. Die Zahlen im Einzelnen:

  • Osthessen: 17,1 Prozent Armutsquote
  • Mittelhessen: 17,9 Prozent Armutsquote
  • Rhein-Main (mit Frankfurt): 17,5 Prozent Armutsquote
  • Starkenburg (mit Darmstadt): 17,6 Prozent Armutsquote
  • Nordhessen: 19,0 Prozent Armutsquote

Ganz so stark wie in manchen anderen Bundesländern ist die Spreizung innerhalb Hessens damit nicht. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen reicht die Skala von 15,1 Prozent Armutsquote in der Region Arnsberg bis 23,2 Prozent in Emscher-Lippe.

Arm trotz Arbeit: Millionen Erwerbstätige unter den Betroffenen

Brisant an der allgemeinen Armuts-Entwicklung in Deutschland ist unter anderem, dass im gesamten Bundesgebiet zwar sowohl die Arbeitslosenquote als auch die "Bürgergeld"-Quote tendenziell sinken, dies aber nicht auf die Armutsquote durchschlägt. Obwohl es mehr Erwerbstätige gibt und weniger Menschen Grundsicherung für Arbeitsuchende (früher Hartz IV, heute Bürgergeld) erhalten, gibt es bundesweit rund 14,2 Millionen von Armut betroffene Menschen.

Das heißt: Arbeit schützt in Deutschland nicht vor Armut. "Mehr als ein Viertel der einkommensarmen Menschen ist erwerbstätig, ein weiteres knappes Viertel ist in Rente und mehr als ein Fünftel sind Kinder", hält der Armutsbericht 2024 dazu fest. Besonders häufig von Armut betroffen sind in Deutschland Alleinerziehende (43,2 Prozent Armutsquote), Personen mit geringer formeller Bildung (39,0 Prozent Armutsquote), Paare mit drei oder mehr Kindern (32,1 Prozent Armutsquote) und Menschen mit Migrationshintergrund (28,1 Prozent Armutsquote).

"Eine gleichere Gesellschaft wäre erheblich resilienter"

Der Paritätische Wohlfahrtsverband ruft die Politik zum Handeln auf. Unter anderem fordert der Verband eine Anhebung des Mindestlohns auf 15 Euro, eine einkommens- und bedarfsorientierte Kindergrundsicherung, eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung mit armutsfester Mindestrente und eine konsequente Mietpreisdämpfungspolitik. Das Bürgergeld reiche auch nach der Anhebung zu Jahresbeginn nicht aus, um den Mindestbedarf zu decken.

Es sei das hohe Maß an Ungleichheit, das Deutschland so anfällig für Krisen mache. Wenn fast die Hälfte der Einwohnerschaft keine nennenswerten Geldreserven habe und jeder fünfte Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor tätig sei, würden steigende Lebenshaltungskosten schnell zum armutspolitischen Problem von besonderer Brisanz: "Eine gleichere Gesellschaft ohne oder mit deutlich weniger Armut wäre erheblich resilienter."

Wann gelte ich als arm?

Die im Armutsbericht 2024 veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2022. Es sind die derzeit aktuellsten Daten, die verfügbar sind. Am höchsten ist die Armutsquote demnach in Bremen, am niedrigsten in Bayern.

Wer als "arm" gilt, ist laut Mikrozensus nach Haushaltstypen und verfügbarem Nettoeinkommen gestaffelt. Jede Person, die mit ihrem verfügbaren Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt, wird als einkommensarm eingestuft. Ein Single-Haushalt ohne Kinder erreicht die Armutsschwelle demnach bei weniger als 1.186 Euro verfügbarem Einkommen im Monat. Eine Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren gilt als arm, wenn sie weniger als 1.542 Euro monatlich zur Verfügung hat, und ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren, wenn das Haushaltsnettoeinkommen unter 2.490 Euro liegt. Zum Haushaltsnettoeinkommen zählen auch sämtliche Transferleistungen wie etwa Wohngeld, Kindergeld oder Kinderzuschlag.

22,2 Prozent: Kein Geld für eine Woche Urlaub

Weil sich die Zahlen auf Medianeinkommen in Deutschland beziehen, ist von relativer Armut die Rede. Alle Haushalte werden nach ihrem Einkommen der Reihe nach sortiert, wobei das Einkommen des Haushalts in der Mitte den Medianwert darstellt: 50 Prozent der Haushalte haben ein höheres Einkommen, 50 Prozent ein niedrigeres.

Andere Untersuchungen, als die des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zeigen, dass relative Armut in Deutschland mit tatsächlichem Mangel einhergeht. 22,2 Prozent der Menschen können sich keinen einwöchigen Jahresurlaub leisten, 5,9 Prozent sind nicht in der Lage, ihre Rechnungen für Miete, Hypotheken oder Versorgungsleistungen zu bezahlen, und 6,7 Prozent können ihre Wohnung nicht angemessen warm halten.

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