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Grunewald in Berlin: Erinnerung an Hannover Explosions-Unglück


Was die Feuerwehr durch eine Explosion in Hannover gelernt hat

  • Patrick Schiller ist t-online Regio Redakteur in Hannover.
Von Patrick Schiller

Aktualisiert am 05.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Zwölf Menschen, Bedienstete der Bundesbahn und Feuerwehrleute, kamen bei der Explosion 1969 ums Leben, 40 Menschen wurden verletzt.
Zwölf Menschen, Bedienstete der Bundesbahn und Feuerwehrleute, kamen bei der Explosion 1969 ums Leben, 40 Menschen wurden verletzt. (Quelle: Wolfgang Weihs/dpa)
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Im Berliner Grunewald steht ein Sprengplatz in Flammen. Das weckt Erinnerungen: 1969 explodierte in Hannover ein in Brand geratener Munitionswagen.

Eine unbeabsichtigte Explosion auf einem Sprengplatz hat eine Lagerstätte für Fundmunition der Polizei Berlin und auch den Grunewald in Brand gesteckt. Die schwierige Lage vor Ort beschreibt Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein gegenüber t-online: "Trümmerteile sind durch die Luft geflogen, es herrschte höchste Lebensgefahr für unsere Einsatzkräfte", so Kirstein. "Sie mussten sich zurückziehen."

Lars Winkelsdorf, Waffensachverständiger und Journalist zu t-online: "Dür Hubschrauber, die das Gebiet überfliegen, wird es durch erneute Explosionen sehr gefährlich." In Videos sind immer wieder kleinere und größere Explosionen zu hören – die Gefahr, dass weitere Explosionen ausgelöst werden, ist permanent akut. Heute wissen die Einsatzkräfte um die Gefahren, die von derartigen Einsatzorten ausgehen.

Bei einem Einsatz in Hannover kamen am 23. Juni 1969 mehrere Feuerwehrleute ums Leben, als sie einen in Brand geratenen Güterwaggon löschen wollten. Die Feuerwehrleute wollten gerade mit den Löscharbeiten beginnen, als eine gewaltige Explosion die Stadt erschütterte.

Löscharbeiten an der Unglücksstelle (Archivbild): 1969 explodierte auf dem Güterbahnhof in Hannover-Linden ein brennender, mit Munition beladener Güterwaggon.
Löscharbeiten an der Unglücksstelle (Archivbild): 1969 explodierte auf dem Güterbahnhof in Hannover-Linden ein brennender, mit Munition beladener Güterwaggon. (Quelle: dpa)
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Gegen 8:05 Uhr explodierte der Güterwagen – gerade in dem Moment, als die Einsatzkräfte am Ort des Geschehens eintrafen. Der Waggon war voll beladen mit Munition für die Bundeswehr: 16 Panzergranaten verwandeln den Güterbahnhof Hannover-Linden in ein Inferno. Bis heute gilt es als schwerstes Zugunglück in Hannover seit Kriegsende.

Explosionsspuren weithin sichtbar

Damals kamen acht Feuerwehrleute und vier Mitarbeiter der Deutschen Bundesbahn ums Leben, vierzig weitere Personen wurden verletzt. Hätte das Unglück verhindert werden können? Die Feuerwehr erhielt damals nur die Information "Güterwaggon in Flammen", als sie zum Brand auf dem Güterbahnhof Linden ausrückte. Niemand wies die Männer darauf hin, dass extrem gefährliches Material im Spiel war. Die Regeln für den Transport gefährlicher Stoffe auf Schienen wurden seither verschärft – gefährliche Güter müssen deutlich ausgewiesen sein. Doch Munition darf weiterhin per Zug befördert werden.

Sprengstoffexperten des Bundeskriminalamtes am 23.06.1969 bei der Spurensicherung.
Sprengstoffexperten des Bundeskriminalamtes am 23. Juni 1969 bei der Spurensicherung. (Quelle: dpa)

Auch im Umfeld des Bahnhofs, vor allem in den Stadtteilen Linden und Ricklingen waren die Spuren sichtbar: Autos in der Nähe der Unglücksstelle wurden durch die Wucht der Explosion zerstört, zahlreiche Fensterscheiben sprangen.

26-Jähriger verhindert Schlimmeres

Schon vor Ankunft des Güterzugs hatten Streckenposten einen Funkenflug und Rauch an einem der Wagen gemeldet. Der 26-jährige Rangierarbeiter Dieter Liedtke soll noch einen Warnzettel mit dem Hinweis auf explosive Stoffe an dem qualmenden Waggon entdeckt haben. Geistesgegenwärtig habe er diesen vom Rest des Zuges abgekoppelt und dem Lokführer zugerufen, den Rest des Zuges in Bewegung zu setzen. Mit einem Feuerlöscher rannte er danach zurück und versuchte, das Schlimmste zu verhindern – jedoch zu spät. Auch Liedtke kam bei der Explosion ums Leben.

Abordnungen aller deutschen Feuerwehren erweisen am Rand des Trauerzuges am 26.06.1969 ihren toten Kameraden die letzte Ehre.
Abordnungen aller deutscher Feuerwehren erweisen am Rand des Trauerzuges am 26.06.1969 ihren toten Kameraden die letzte Ehre. (Quelle: Wulf Pfeiffer/dpa)

Bei der Trauerfeier wenige Tage später wurden die Särge der Toten vor dem Rathaus in Hannover aufgebahrt. Bundesverkehrsminister Georg Leber, der niedersächsische Ministerpräsident Georg Diederichs und Staatssekretär Eduard Adorno kondolierten den Hinterbliebenen während der Trauerfeier. Beim Trauerzug kamen die Abordnungen vieler deutscher Feuerwehren zusammen und erweisen am Rand des Trauerzuges ihren toten Kameraden die letzte Ehre.

Die Unfalluntersuchung kam beim Vorfall in Hannover-Linden nie zu einem eindeutigen Ergebnis. Dadurch wurden auch Gerüchte über mögliche Sabotage laut. Am wahrscheinlichsten gilt bis heute eine nicht gelöste, heißgelaufene Bremse, die den Waggon in Brand gesetzt hat.

Um sich in gefährlichen Situationen zu schützen, tragen heutige Feuerwehrleute neben moderner, feuerfester Schutzausrüstung auch besondere Stiefel. Die sind mit einer antistatischen Sohle beschichtet sind. Das soll davor schützen, dass Munition durch einen falschen Schritt explodiert. "Das ist absolute Präzisionsarbeit", schätzt Winkelsdorf die Lage am Sprengplatz im Grunewald ein. Und damit bleibt es trotz aller Spezialtechnik für die Feuerwehrkräfte weiter lebensgefährlich.

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Verwendete Quellen
  • ndr.de: "Bahnhof Linden vor 50 Jahren: Bilder wie im Krieg"
  • neuepresse.de: "Explosion in Linden vor 50 Jahren: Feuerwehr und Bahn gedenken Unglück"
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