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"Irrwege": Naidoo ├╝berrascht mit Entschuldigungsvideo

Von dpa
20.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Xavier Naidoo
Der damalige Juror Xavier Naidoo sitzt beim Finale der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar 2019" (DSDS) auf der B├╝hne. (Quelle: Henning Kaiser/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Er trat mit sogenannten Reichsb├╝rgern auf, verbreitete Theorien der QAnon-Bewegung, judenfeindliche S├Ątze und polarisierende ├äu├čerungen zur Corona-Pandemie: Der umstrittene S├Ąnger Xavier Naidoo hat sich in einem Video nach Jahren von Verschw├Ârungserz├Ąhlungen distanziert. Der 50-J├Ąhrige sagte, er habe sich verrannt. Ausl├Âser f├╝r den Sinneswandel sei der Krieg in der Ukraine. Seine Frau stamme aus dem Land und er habe Kontakte und Erfahrungen dort gesammelt.

"Ich stehe f├╝r Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar. Und ich verurteile diese aufs Sch├Ąrfste", sagte der aus Mannheim stammende Popstar in dem etwas mehr als dreimin├╝tigen Video, das am Dienstagabend ver├Âffentlicht wurde.

"Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen ge├Âffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage", sagte Naidoo in dem Clip mit dem Titel "#OneLove". Er sei von Verschw├Ârungserz├Ąhlungen "geblendet" gewesen, habe diese nicht genug hinterfragt und sich "zum Teil instrumentalisieren" lassen. "Das habe ich leider jetzt erst erkannt. Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue", sagte der Musiker. Er habe sich in einer "Blase" befunden.

Naidoo fiel seit vielen Jahren mit ├äu├čerungen auf, die antisemitische Chiffren oder "Reichsb├╝rger"-Gedankengut enthalten. Musikalisch arbeitete Naidoo auch schon mit dem S├Ąnger der bei Rechtsextremen beliebten Hooligan-Band Kategorie C zusammen. In einem Interview behauptete Naidoo, "die Juden" h├Ątten die Welt "im Griff".

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F├╝r Aufsehen sorgte auch ein Video, in dem er Thesen der QAnon-Verschw├Ârungsideologie verbreitet, nach der angeblich in satanischen Ritualen Kindern Blut abgezapft werde. Angesichts der Corona-Pandemie sang er ├╝ber die Impfung: "Ich mach da nicht mit, es kann gar nicht sein. Euer Gift kommt niemals in unsere K├Ârper rein." Er behauptete zudem, die Erde sei nicht rund und drehe sich nicht.

Gegen Kritik, er stehe rechtsextremen Verschw├Ârungserz├Ąhlungen nahe, wehrte sich Naidoo ├Âfter. Im Dezember 2021 urteilte das Verfassungsgericht in Karlsruhe aber, dass eine Vortragsrednerin ihn als Antisemiten bezeichnen durfte.

Naidoo begr├╝ndete seinen Umschwung nun mit dem Krieg in der Ukraine. "Die Welt scheint wie auf den Kopf gestellt und ich habe mich gefragt, wie es so weit kommen konnte". Er habe viel mit Betroffenen gesprochen - und sich kritischen Fragen zu ├äu├čerungen von sich stellen m├╝ssen, wof├╝r er sei dankbar sei. "Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe." Ihm sei bewusst geworden, dass er Familie, Freunde und Fans mit "verst├Ârenden ├äu├čerungen irritiert und provoziert habe". Er wolle sich daf├╝r entschuldigen.

Bekannt geworden ist der Souls├Ąnger in den sp├Ąten 90er Jahren. Mit dem Song "Sie sieht mich nicht" zum Film "Asterix und Obelix gegen Caesar" landete er einen Hit. Zahlreiche seiner Alben erreichten Platz eins der Charts. Auch mit der Gruppe S├Âhne Mannheims gelangen ihm Erfolge. Naidoo gewann viele Preise, darunter mehrere Echos.

W├Ąhrend der Fu├čballweltmeisterschaft 2006 spielte die deutsche Nationalmannschaft zur Erbauung vor den Spielen sein Lied "Dieser Weg" in der Kabine. Als Coach in der Castingshow "The Voice of Germany" (ProSieben und Sat.1) und in der Vox-Sendung "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" war Naidoo auch regelm├Ą├čig im Fernsehen zu sehen und ein TV-Star geworden.

Doch zunehmend kam es zu Kontroversen um den S├Ąnger. Am Tag der Deutschen Einheit 2014 sprach er in Berlin bei einer Demonstration von "Reichsb├╝rgern". Sogenannte Reichsb├╝rger erkennen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland nicht an und lehnen daher auch ihre Repr├Ąsentanten und die geltende Rechtsordnung ab. Naidoo betonte sp├Ąter, dass er mit den "Reichsb├╝rgern" nichts zu tun habe.

F├╝r das Jahr 2016 wollte der NDR den S├Ąnger als deutschen Kandidaten f├╝r den Eurovision Song Contest (ESC) setzen, ruderte aber schon nach kurzer Zeit im Herbst 2015 nach Protesten zur├╝ck. "Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns ├╝berrascht", sagte der damalige ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. "Wir haben das falsch eingesch├Ątzt." Und weiter: "Die laufenden Diskussionen k├Ânnten dem ESC ernsthaft schaden."

2020 nahm RTL Naidoo aus der Jury der Sendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Es war ein Video aufgetaucht, in dem zu sehen ist, wie er ein rassistisches Lied singt. Bei Facebook schrieb Naidoo, seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. Seine Erkl├Ąrungen reichten RTL jedoch nicht.

Auch als Reaktion auf das neue Video war das Echo jetzt in den sozialen Medien gespalten. Vielen reichten die Ausf├╝hrungen nicht.

Der Politikwissenschaftler Josef Holnburger schrieb zum Beispiel bei Twitter: "Wenn er sich jetzt tats├Ąchlich distanzieren will, braucht es mehr als ein vages Distanzieren von unbenannten Gruppen und Sichtweisen." Es brauche m├Âglicherweise juristische Konfrontation und Aufarbeitung, meinte Holnburger, einer der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Centers f├╝r Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), das in sozialen Medien unter anderem Radikalisierungstendenzen und die Verbreitung von Verschw├Ârungserz├Ąhlungen beobachtet. "Der von ihm verbreitete Antisemitismus ist nicht mit einem Videostatement weg."

Der Publizist Max Czollek twitterte: "Am Ende ist es mir egal, ob #XavierNaidoo durch Geldmangel, ├Âffentlichen Druck oder echte Einsicht zur Erkenntnis gekommen ist, dass sein menschenverachtendes Verschw├Ârungszeug Unsinn ist. Die Szene hat ihre prominenteste Stimme verloren. Und das ist ein Grund zum Feiern."

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