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"Kölle Schalom": Bewegende Karnevalsrede zum 11.11. in Köln


Jüdischer Karnevalsverein in Köln
"Kölle Schalom" im historischen Rathaus

Von dpa, t-online, nfr

13.11.2023Lesedauer: 2 Min.
Aaron KnappsteinVergrößern des BildesAaron Knappstein, Präsident des jüdischen Karnevalsvereins "Kölsche Kippa Köpp", im Hansesaal des Rathauses in Köln. (Quelle: Henning Kaiser/dpa/dpa)
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Im Historischen Rathaus ertönte am 11.11. der Ruf "Kölle Schalom". Aaron Knappstein, Präsident des einzigen jüdischen Karnevalsvereins in Deutschland, hielt eine bewegende Rede.

"Kölle Alaaf! Kölle Alaaf! Kölle Schalom!" Am11.11. erklang im Hansasaal des Historischen Rathauses ein eher ungewöhnlicher Ruf. Zur Sessionseröffnung am Samstag waren die Spitzen des Karnevals zusammengekommen. Das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau, die Vorsitzenden der einzelnen Vereine sowie der Präsident des Festkomitees. Schließlich übergab Oberbürgermeisterin Henriette Reker das Wort an Aaron Knappstein, dem Präsidenten der "Kölsche Kippa Köpp", dem einzigen jüdischen Karnevalsvereins in Deutschland.

"Sind in Not": Bewegende Rede von Aaron Knappstein

Dieser hielt eine kurze Rede: "Wir Kippa Köpp und wir Jüdinnen und Juden in dieser Stadt, wir sind in Not", sagte Knappstein und ging auf die Zunahme antisemitischer Vorfälle in Köln ein. "Sie müssen sich mal eine Sekunde vorstellen: Da steht jemand vor Ihnen und sagt Ihnen, Sie gehören nicht mehr nach Köln, Sie sind kein Kölner, keine Kölnerin mehr. Beim ersten Mal lächeln Sie vielleicht noch darüber hinweg, aber wenn Sie dann merken, das sind zwei oder drei und der Vierte oder Fünfte sagt nichts dazu, dann ist das extremst schwierig."

Die "Kölschen Kippa Köpp" wurden 2017 gegründet. Ein wichtiger Beweggrund dafür war, dass es zur Zeit der Weimarer Republik einen sehr aktiven jüdischen Karnevalsverein in Köln gegeben hat: den "Kleinen Kölner Klub" (KKK). Er war so etabliert, dass ihn jedes Jahr das Dreigestirn beehrte. Das alles änderte sich 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die beiden KKK-Gründer Willi und Max Salomon emigrierten nach Palästina und in die USA, andere Mitglieder wurden später deportiert und ermordet. Heute zählen die "Kölsche Kippa Köpp" inzwischen 156 Mitglieder.

Reker: "Es ist in Ordnung, Karneval zu feiern"

Trotz schwieriger Zeiten sagte Henriette Reker am Samstag im Historischen Rathaus: "Es ist in Ordnung, Karneval zu feiern." Sie mahnte aber zugleich: "Das heißt nicht, dass wir nicht an diejenigen denken, die von Krieg und Gewalt betroffen sind." Später statte Reker der Kölner Synagoge einen demonstrativen Besuch ab. "Die Synagoge war heute am Schabbat nicht so gut besucht, wie sie es sonst ist, weil da doch Ängste bestanden", sagte sie im Anschluss. "Es bedrückt mich schon sehr, nicht wirklich beistehen zu können, sondern nur mit kleinen Möglichkeiten zeigen zu können, dass die herzliche Anteilnahme groß ist." Wie t-online berichtet hat, soll auf der Zülpicher Straße, ganz in der Nähe der Synagoge, ein Feiernder den Hitlergruß gezeigt haben. Die Kölner Polizei ermittelt.

Persönliche Anekdote im Historischen Rathaus

Im Historischen Rathaus erzählte Aaron Knappstein noch eine sehr persönliche Geschichte: "Ich habe meine allererste Erfahrung mit Antisemitismus in einem Karnevalsverein gemacht", gesteht er. Ganz verzweifelt sei er damals nach Hause gekommen und habe sich an seinen "Bapp" gewandt, seinen Papa, wie es auf Kölsch heißt. Der habe erst einmal geschwiegen. Was dann geschehen sei, sei für ihn mit das Prägendste in seiner ganzen Jugend gewesen, sagt Knappstein. Sein Vater habe ihn angesehen und dann angefangen, leise zu singen. Ein altes Kölner Lied von Willy Millowitsch, leicht abgewandelt: "Du bes ene kölsche Jung, wat willste maache? Du bes ene kölsche Jung..."

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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