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Kölner US-Amerikaner: Das Hoffen auf eine langweilige Präsidentschaft

Neuer Präsident  

Was US-Amerikaner in Deutschland von Biden halten

Von Daniel Rottlaender

20.01.2021, 16:33 Uhr
Kölner US-Amerikaner: Das Hoffen auf eine langweilige Präsidentschaft. Joe und Jill Biden kommen auf einem Luftwaffenstützpunkt bei Washington an: US-Amerikaner in Deutschland verbinden mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Hoffnungen, aber auch Sorgen. (Quelle: AP/dpa/Evan Vucci)

Joe und Jill Biden kommen auf einem Luftwaffenstützpunkt bei Washington an: US-Amerikaner in Deutschland verbinden mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Hoffnungen, aber auch Sorgen. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

Joe Biden wird als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. t-online hat mit im Rheinland lebenden US-Amerikanern gesprochen – über ihre Erwartungen, Hoffnungen und Ängste.

Ausschreitungen am und im Kapitol, Verschwörungstheorien und Angst vor weiteren Aufständen im Rahmen von Joe Bidens Vereidigung am heutigen Mittwoch – die Vereinigten Staaten von Amerika machen ihrem Namen aktuell wenig Ehre. Viele Amerikaner machen sich Sorgen um ihre Zukunft, manche sogar um die demokratische Grundordnung.

So wie der in Köln lebende James Henderson: "Die Ausschreitungen haben uns gezeigt, wie fragil unsere Demokratie sein kann", sagt der 32-Jährige.

Vergleich zwischen Querdenkern und Kapitol-Ausschreitungen

Seit über zehn Jahren lebt der ursprünglich aus Minnesota kommende Henderson in Deutschland. Er sieht auch in Deutschland und Westeuropa die Gefahr für solche Entwicklungen. Demnach seien die Querdenker-Ausschreitungen am Reichstag ein erster Schritt in diese Richtung gewesen: "Sollten sich diese Gruppen über die nächsten Jahre weiter radikalisieren, ist eine ähnliche Entwicklung möglich."

Geoffry Wharton: Für den 71-Jährigen ist Deutschland schon seit den 80er-Jahren sein Zuhause. (Quelle: privat)Geoffry Wharton: Für den 71-Jährigen ist Deutschland schon seit den 80er-Jahren sein Zuhause. (Quelle: privat)

Einen anderen Vergleich zieht der 71-jährige Geoffry Wharton: "Trump hat das gesamte demokratische System in Frage gestellt," sagt der ehemalige Konzertmeister des Kölner Gürzenich Orchesters, der seit 1980 in Deutschland wohnt. "Die Attacken, die er mit verursacht hat, rufen bei mir Erinnerungen an das Deutschland der frühen 30er-Jahre hervor."

Der 34-jährige Logan Woods kommt gebürtig aus Wisconsin und lebt seit 2010 in Deutschland. Er betont, dass es in den USA mittlerweile eine Gruppe gibt, die politische Macht will, aber nicht (mehr) die nötigen demokratischen Mehrheiten dafür findet: "Das sind radikale Konservative, die erstmals merken, im aktuellen System an Macht zu verlieren."

Seine größte Angst? Dass moderate Konservative, wie auch er sie im Familien- und Freundeskreis hat, diesen Weg mitgehen, um politische Mandate zu erstreiten. "Es wäre gefährlich, wenn der Zweck die Mittel heiligt."

Normalisierung unter Biden nicht garantiert

Vier Jahre Trump haben eine neue, lautere Form der Politik salonfähig gemacht. Auch deshalb hoffen Henderson, Wharton und Woods auf eine "langweiligere" Präsidentschaft: "Die Nachrichten sollen nicht mehr das emotionale Highlight des Tages sein."

Eine Normalisierung unter einem Präsidenten Biden sei jedoch nicht garantiert. Besonders die aggressive Rhetorik der Trump-Administration könnte die amerikanische Politik noch über Jahre prägen. "Besonders rechte Republikaner werden versuchen, Trumps Rhetorik ab und an zu kopieren", vermutet Wharton. "Der linke Flügel der Demokraten könnte sich dem dann anpassen."

Biden wird Entscheidungen Trumps widerrufen

Politisch, da sind sich alle einig, wird Biden versuchen, weitreichende Entscheidungen der Trump-Administration zu widerrufen. "Biden wird sich wieder für mehr Klimaschutz-Regularien, gesetzliche Krankenversicherungen, eine andere Einwanderungspolitik und bessere Beziehungen mit unseren Partnern einsetzen."

James Henderson: Er lebt schon seit zehn Jahren in Deutschland. (Quelle: privat)James Henderson: Er lebt schon seit zehn Jahren in Deutschland. (Quelle: privat)

Ob das mit einer doch sehr knappen Mehrheit im Senat möglich sein wird? "Trump hat dafür gesorgt, dass es für Biden schwer wird", sagt Wharton. Demnach sei das Gesundheitssystem durch die Corona-Pandemie auf Jahre geschädigt, auch Klimaschutz-Regularien sind durch Trumps großzügigen Umgang mit Abbauerlaubnissen für Öl und Kohle schwer umzusetzen.

Logan Woods betont jedoch, dass einige der wichtigsten Veränderungen in der Öffentlichkeit möglicherweise gar nicht wahrgenommen werden: "Wichtige Regierungsämter werden wieder mit tatsächlichen Experten besetzt. Das wird unser System zumindest in den Hinterzimmern stabilisieren."

"Trump wird Biden sabotieren, wo er nur kann"

In einer Sache sind sich alle einig: Dass Donald Trump sich ins Privatleben zurückziehen wird, glaubt niemand. "Ich verfolge Trump seit den 70ern," sagt Geoffry Wharton. "Er und seine Verbündeten werden versuchen, die Biden-Administration zu sabotieren, wo sie nur können." Henderson glaubt, dass Trump dafür Sperrungen in sozialen Medien umgehen wird: "Ich gehe davon aus, dass er sein eigenes rechtes Medienunternehmen gründen wird, um kulturell und politisch relevant zu bleiben."

Logan Woods geht noch einen Schritt weiter: "Ich glaube, dass Trump sich seinen Anhängern gegenüber als der eigentlich legitime Präsident inszenieren wird." Laut Woods könnte Trump seine treuesten Anhänger damit weiter radikalisieren: "Das könnte so weit gehen, dass diese sämtliche Handlungen Bidens als rechtswidrig ansehen und entsprechend handeln."

James Henderson hat jedoch eine Hoffnung: "Die breite Zustimmung, auch unter moderaten Republikanern, wird er ohne politisches Mandat wahrscheinlich verlieren."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Interviews

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