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Köln: "Woelki ist entlastet – aber nicht reingewaschen" | Kommentar


Woelki ist entlastet – aber nicht reingewaschen

Von Stefan Rahmann

Aktualisiert am 18.03.2021Lesedauer: 2 Min.
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Kardinal Rainer Maria Woelki fasst sich an die Stirn: Der Erzbischof von Köln wurde im Gutachten entlastet.
Kardinal Rainer Maria Woelki fasst sich an die Stirn: Der Erzbischof von Köln wurde im Gutachten entlastet. (Quelle: Ina Fassbender/AFP Pool/dpa-bilder)
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Erzbischof Rainer Maria Woelki ist entlastet, das System Meisner hat ein Ende gefunden. Doch ein Ende der Probleme in der Katholischen Kirche bedeutet das noch nicht.

Der große Showdown blieb aus am Donnerstag – und Erzbischof Rainer Maria Woelki der Weg aufs "Schafott" erspart, wie es Gutachter Gercke sagte. Abgerechnet hingegen wurde mit dem System Meisner. Es ist unerträglich, dass der Vorgänger von Woelki eine Akte mit Missbrauchsvorwürfen gegen Priester "Brüder im Nebel" benannt hat.

Im Nebel, aber eben immer noch Brüder. Er habe von Missbrauch "nichts geahnt", hatte Meisner bis zum Schluss beteuert. Woelki ging heute auf Distanz: "Nichts geahnt gilt ab heute nicht mehr." Meisner wird im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen ein Drittel aller erfassten Pflichtverletzungen vorgeworfen. Sichtlich angefasst, aber auch erleichtert, gab der Kardinal, ehedem Geheimsekretär unter Meisner, ein erstes Statement nach der Übergabe des Gutachtens ab. Er ist nicht belastet.

Aber die Sache mit Pfarrer O. bleibt an Woelki haften. Er hat die Missbrauchsvorwürfe gegen seinen schwer erkrankten Priesterfreund nicht nach Rom gemeldet. Dass O. laut den Gutachtern nicht verhandlungsfähig gewesen sein soll, ändert daran nichts.

Überrascht hat, dass Woelki in seiner ersten Stellungnahme sofort personelle Konsequenzen gezogen hat. Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, Generalvikar unter Meisner, wurde ebenso von seinen Aufgaben entbunden wie Günter Assenmacher, oberster Kirchenrichter im Erzbistum. Beide waren elementare Bestandteile des Systems Meisner und werden im Gutachten konkret mit Pflichtverletzungen belastet.

Bitterer Beigeschmack bleibt

Woelki hat seinen Worten Taten folgen lassen. Gut so. Der emeritierte Generalvikar Norbert Feldhoff bekleidet keine Ämter mehr. Über den Hamburger Dr. Stefan Heße, unter Meisner Personalchef und Generalvikar im Erzbistum, hat Woelki nicht zu befinden.

Strukturelle Veränderungen empfehlen die Gutachter. Es klingt unglaublich, aber sie müssen nach ihren Untersuchungen tatsächlich "Aktenwahrheit" in der Bistumsverwaltung anmahnen. Überhaupt bleibt ja der bittere Beigeschmack, dass die Gutachter nur auf Grundlage der Akten entscheiden konnten, die noch da sind. Und nur bei einem knappen Zehntel aller Aktenvorgänge, die geprüft wurden, konnte man Pflichtverletzungen persönlich zuordnen.

Wie es jetzt im Erzbistum weiter geht, wird man sehen. Etliche Pfarrer und Gemeinden haben sich in den vergangenen Monaten von Woelki wegen seines Umgangs mit dem Gutachten der Münchener Kanzlei distanziert. Es wird schwer fallen, gegenseitig wieder Vertrauen zu fassen. Aber bei allen Zweifeln, die nicht ausgeräumt sind, bei allen Irrungen und Fehlern: Woelki hat geliefert, was er versprochen hat. Spät – zu spät. Aber immerhin.

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