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Besuch beim Impfbus: "Wollen niemanden ungeimpft wegschicken"

Von Christopher Dröge

Aktualisiert am 05.05.2021Lesedauer: 4 Min.
"Wenn wir es machen können, wie wir Ärzte es richtig finden": in Köln-Chorweiler startete am Montag eine sogenannte "Schwerpunktimpfung". (Quelle: Reuters)
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Seit Montag werden in Köln-Chorweiler Bewohner gegen das Coronavirus geimpft. Der Ansturm auf den mobilen Impfbus ist groß – dabei stand zunächst offen, ob sich überhaupt jemand impfen lässt. Ein Ortsbesuch.

Köln setzt nun in sozialen Brennpunkten mobile Impfteams ein. Diesen Montag startete das Impfteam in Chorweiler. Mit dem Andrang beim Auftakt hatten viele dennoch nicht gerechnet. "Heute Morgen haben wir noch überlegt, ob überhaupt jemand kommt", sagt Jürgen Zastrow, Leiter der Kreisstelle Köln der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO).

Die Sorge hat sich nicht bestätigt: Bereits eine Stunde, nachdem der Impfbus auf dem zentral gelegenen Liverpooler Platz im Stadtteil Chorweiler Halt gemacht hatte, reichte die Schlange der Impfwilligen einmal um den Platz herum.

Menschen stehen für eine Impfung an: Köln hat in Chorweiler mit Impfungen in sozialen Brennpunkten begonnen.
Menschen stehen für eine Impfung an: Köln hat in Chorweiler mit Impfungen in sozialen Brennpunkten begonnen. (Quelle: Oliver Berg/dpa-bilder)

Bilder vom Start der Impfaktion und dem Andrang sehen Sie im Video oben oder hier.

Zwei Ärzte und das medizinische Personal hatten alle Hände voll zu tun, die Menschen zu versorgen. Gespritzt wird mit dem Impfstoff von Moderna. Für den reibungslosen Ablauf sorgte die Feuerwehr, die auch ein Zelt für die Voruntersuchungen vor dem Impfbus aufgebaut hatte.

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"Impfstoff haben wir ohne Ende"

Der Vorlauf der Sonderimpfaktion war kurz: Alarmiert von den hohen Inzidenzwerten in sozial schwachen Stadtteilen wie Chorweiler, Mülheim oder Kalk hatte die Stadt Köln erst in der vergangenen Woche angekündigt, eine außerordentliche Impfkampagne in den Brennpunkt-Vierteln mit dem Einsatz mobiler Impfteams durchzuführen.

Ende der Woche gab auch das Land Nordrhein-Westfalen grünes Licht, noch am Wochenende wurde ein Sonderkontingent Impfstoff bereitgestellt. "Das Konzept haben wir in der vergangenen Woche erstellt und am Donnerstag dem Ministerium vorgelegt. Die haben noch am Freitag zugestimmt", so Zastrow.

Impfbus im Stadtteil Chorweiler: Die Stadt Köln hat begonnen, Menschen in Stadtteilen mit besonders hoher Inzidenz zu impfen.
Impfbus im Stadtteil Chorweiler: Die Stadt Köln hat begonnen, Menschen in Stadtteilen mit besonders hoher Inzidenz zu impfen. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)

Zastrow, der als Leitender Impfarzt auch die Arbeit des Kölner Impfzentrums mitorganisiert, ist ebenfalls vor Ort. Er spricht mit Medienvertretern und klärt Anwohner über die Aktion auf.

Noch am Montagmorgen hieß es, 300 Impfdosen stünden zur Verfügung. Tatsächlich sind es 750 geworden. "Impfstoff haben wir ohne Ende", sagt Zastrow. "Zur Not schaffen wir neuen aus dem Impfzentrum heran. Unser Ehrgeiz ist es, heute niemanden ungeimpft wieder wegschicken zu müssen." Am Dienstag geht die Impfaktion weiter. "Wir sind bis Donnerstag jeden Tag von zehn bis 18 Uhr hier."

Um am Impfbus geimpft zu werden, müssen die Menschen keine Voraussetzungen erfüllen. Sie benötigen nur einen Nachweis, dass sie im Bezirk Chorweiler gemeldet sind, und einen Personalausweis. Wer seinen Impfpass nicht findet, bekommt eine Bescheinigung und kann die Impfung nachträglich vom Hausarzt eintragen lassen.

Zwei Frauen, die in den Hochhäusern um den Pariser Platz herum wohnen, haben am Wochenende aus den Medien vom Impfbus erfahren. "Die Aktion ist super", findet die eine der beiden. "Wir haben uns lange gefragt, ob wir überhaupt eine Aussicht haben, geimpft zu werden, oder ob die Herdenimmunität schon vorher erreicht sein würde", sagt sie. "Die Regeln ändern sich ja gefühlt auch jeden Tag."

Eine weitere Frau hat sich ganz spontan entschieden, zum Impfen zu kommen. Erst um 14 Uhr hat sie im WhatsApp-Chat der Klasse ihres Sohnes von der Aktion gelesen und sich sofort auf den Weg gemacht. "Das Angebot ist ja nun unschlagbar", lächelt sie.

Sie selbst wohnt in Fühlingen, einem gutbürgerlichen Stadtteil des Bezirks, in dem die Inzidenz deutlich niedriger liegt. Während die Inzidenz in Chorweiler über 500 stieg, lag sie in Fühlingen zeitweise bei null. "Aber auch in Fühlingen sind einige gestorben, schon während der ersten Welle, auch Bekannte von mir", sagt die Frau. "Man hat gesehen, wie schnell es gehen kann, da wird man vorsichtig."

"Die Leute kommen von überall"

Norbert Schott, als Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Chorweiler in der örtlichen Politik aktiv, begutachtet die lange Reihe der Wartenden etwas kritisch. "Die Leute kommen natürlich von überall aus dem Bezirk, auch aus den Vierteln, in denen die Zahlen längst nicht so hoch sind", sagt er. "Ich hoffe, wir erreichen genug der Menschen hier im Zentrum Chorweilers, um die es uns geht."

Dennoch ist er erleichtert, dass die Aktion so schnell zustande gekommen ist: Erst gut zwei Wochen zuvor hatte die Bezirksvertretung Chorweiler aufgrund der hohen Inzidenzwerte in einem Antrag gefordert, für den Bezirk ein eigenes Impfzentrum oder andere Impfmöglichkeiten zu schaffen. "Man hat die Brennpunkte einfach lange unterschätzt", so Schott.

Eine Frau auf dem Weg in den Impfbus: Bei der Sonderimpfaktion kommen mehrere Hundert Impfdosen pro Tag zum Einsatz.
Eine Frau auf dem Weg in den Impfbus: Bei der Sonderimpfaktion kommen mehrere Hundert Impfdosen pro Tag zum Einsatz. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)

Bis zum Wochenende habe man sich vorgenommen, 500 Impfungen am Tag durchzuführen, so Zastrow. "Trotzdem ist so eine Aktion wie diese nur ein Notstopfen", meint er. Mehr erhofft er sich vom Einsatz der Hausärzte. "Die sind in jedem Stadtteil tätig und können noch ganz andere Zahlen liefern."

Drei Stunden warten für den Pieks

Die Impfwilligen müssen in Chorweiler Geduld mitbringen: Gut drei Stunden haben zwei junge Männer Anfang 20 gewartet, bis sie an die Reihe kamen. Die Impfung selbst ging dann ganz schnell. "Das war sehr strukturiert und unkompliziert", lobt der eine.

Nun sitzen sie auf einer Bank neben dem Impfbus mit der Bescheinigung in der Hand, auf der bereits ihr Zweittermin vermerkt ist: In genau sechs Wochen sollen sie um die gleiche Zeit wiederkommen. Wie sie sich nun fühlen, nach der so unverhofften Impfung? "Noch ist alles gut", meint der andere grinsend. "Aber von den Nebenwirkungen haben wir auch schon gehört, bin gespannt, wie der Abend wird."

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