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Köln/NRW: Schwuler katholischer Pfarrer segnet jetzt andere Homosexuelle

Katholische Kirche  

Schwuler Pfarrer: "Wir wollen ein anderes Kirchenbild leben"

Von Lena Kappei

10.05.2021, 16:36 Uhr
Köln/NRW: Schwuler katholischer Pfarrer segnet jetzt andere Homosexuelle. Pfarrer Bernd Mönkebüscher: Der Mit-Initiator von "Liebe gewinnt" freut sich über den großen Zuspruch. (Quelle: wiewollenwirlieben.de)

Pfarrer Bernd Mönkebüscher: Der Mitinitiator von "Liebe gewinnt" freut sich über den großen Zuspruch. (Quelle: wiewollenwirlieben.de)

Er ist der erste katholische Pfarrer in Deutschland, der sich als homosexuell geoutet hat. Nun will Bernd Mönkebüscher andere Homosexuelle segnen – ein Regelbruch. Doch als Protest sieht er das nicht.

Bernd Mönkebüscher ist Mitinitiator der Aktion "Liebe gewinnt" und der erste offen schwul lebende Pfarrer Deutschlands. Der 54-Jährige wird den Segnungsgottesdienst am 10. Mai um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Agnes in Hamm abhalten. "Es geht uns nicht darum, gegen Rom zu protestieren. So formulierte es die Bischofskonferenz", sagt Mönkebüscher. "Wir wollen ein anderes Kirchenbild leben. Wir wollen zeigen, was sonst teilweise noch im Halbverborgenen geschieht."

Die Anfragen der Paare, sich bei diesem Gottesdienst segnen zu lassen, waren zahlreich. Daher kam auch die Idee, die Veranstaltung online live für alle Interessierten zu streamen. "Die Aktion soll deutlich machen, dass wir uns mit den Menschen verbunden fühlen", sagt der Pfarrer.

"Sich da so zu verschließen, verletzt Menschen"

"Andererseits kann ich es auch verstehen, wenn ein homosexuelles Paar sagt: Was hilft uns das, wenn einige Pastoren oder Gemeinden es gut meinen, aber die Kirche sagt nach wie vor Nein. Das Dilemma sehe ich." Man rede hier über einen Segen, noch nicht einmal über Trauung. "Das Fass macht ja keiner auf. Sich da so zu verschließen, verletzt Menschen. Und nimmt sie auch nicht ernst", findet Mönkebüscher.

Vom Segnungsgottesdienst wird es am Montag auch einen Livestream auf YouTube geben.

Nach seinem Verständnis sei Gott der Segnende. Für jeden Menschen sei es eine Herausforderung, sich mit seinen Veranlagungen so anzunehmen, wie er oder sie ist. Gerade für Homosexuelle sei das nach wie vor schwierig. Nicht umsonst sei die Suizidrate unter homosexuellen Jugendlichen immer noch bedeutend höher als bei heterosexuellen.

Zum Hintergrund: Im März hatte die Glaubenskongregation des Vatikans klargestellt, dass es "nicht erlaubt" sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, da solche Verbindungen "nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden" könnten. Im deutschsprachigen Raum protestierten zahlreiche katholische Verbände und über 280 Theologieprofessoren dagegen.

"Es geht nicht darum, ob Segnungsfeiern stattfinden, sondern wie"

"Wenn da auch noch die Kirche Nein sagt und von 'Sünde' spricht, macht es das noch schlimmer. Das ist auch moraltheologisch nicht mehr begründbar. Es geht nicht darum, ob Segnungsfeiern stattfinden, sondern wie. Das stellt kaum einer mehr infrage. 95 Prozent aller Theologinnen und Theologen sind da einer Meinung."

Nach seinem eigenen Outing im Februar 2019 habe er viele positive Rückmeldungen erhalten. "Menschen auch außerhalb von Hamm haben sich in seelsorglichen Dingen an mich gewendet und Vertrauen gefunden." Nähe schaffe eben Nähe. "Wenn man sich selbst öffnet, fördert es das Vertrauen anderer. Es baut Brücken."

Die Gottesdienste sind als Zeichen der ausgestreckten Hand für die Menschen zu verstehen, die sich verletzt fühlen. "Bischof Bätzing sagt, das Thema wird im synodalen Weg besprochen. Aber ich finde, das allein ist zu wenig. Es müssen Taten folgen", so Mönkebüscher. "Es gibt Bischöfe, die sagen: 'Wir brauchen eine Veränderung der Sexualmoral.' Es dauert aber alles viel zu lange. Viele Menschen verstehen das langsame Tempo nicht. So verliert man Vertrauen und Menschen, gerade in der schnelllebigen Zeit heute."

Was die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und das Verhalten des Kardinals Rainer Maria Woelki in Köln angeht, zeigt sich Mönkebüscher enttäuscht. "Ich habe den Eindruck, dass immer nur so viel zugegeben wird, wie gar nicht mehr anders geht. Wenn man etwas schwarz auf weiß nachweisen kann, dann wird es zugegeben. Ansonsten nicht. Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen erlebe ich als sehr zäh", so der Pfarrer.

"Es tut weh, zu sehen, wie viel da kaputtgeht"

Die vielen Kirchenaustritte seien ja zum großen Teil darauf zurückzuführen. "Ich werde manchmal wirklich sauer, wenn ich sehe, dass die Reißleine nicht gezogen wird. Ich finde es schade, dass es immer nur um juristische Verantwortung geht, und nicht auch um moralische an der Stelle.

Es tut einfach weh, sehen zu müssen, wie viel da kaputt und verloren geht. Ich weiß nicht, wie man das wieder heilen kann." In Woelkis Haut möchte er nicht stecken, sagt Mönkebüscher. Alles weitere könne er zwar nicht beurteilen, da die Einblicke fehlten. "Aber die Folgen sind massiv."

Verwendete Quellen:
  • Eigenes Interview
  • Mit Material der dpa

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