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Hochwasser in Köln-Dünnwald: Wie konnte der Mutzbach so stark anschwellen?


Sorgte übergelaufenes Becken für Flut in Köln-Dünnwald?

Von Tobias Christ

27.07.2021Lesedauer: 3 Min.
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Ein Schild am Rückhaltebecken an der Diepeschrather Mühle warnt vor Überflutungen: In Dünnwald hat das Unwetter erhebliche Schäden angerichtet.Vergrößern des Bildes
Ein Schild am Rückhaltebecken an der Diepeschrather Mühle warnt vor Überflutungen: In Dünnwald hat das Unwetter erhebliche Schäden angerichtet. (Quelle: Tobias Christ)

Das Hochwasser vor knapp zwei Wochen hat eine Siedlung in Dünnwald hart getroffen. Doch woher kamen die Fluten? Möglicherweise war ein Rückhaltebecken in Bergisch Gladbach an der Katastrophe beteiligt.

Zahlreiche Häuser standen unter Wasser, Keller wurden überflutet, Mobiliar und Öltanks zerstört: Der Starkregen vom 14. Juli hat im Bereich der Straße Im Leuchterbruch im Kölner Stadtteil Dünnwald besonders schwere Schäden verursacht. Der für Dünnwald zuständige Mülheimer Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs (SPD) fordert nun eine rasche Aufarbeitung des Hochwasser-Ereignisses: "Die Stadtentwässerungsbetriebe müssen zügig klären, wo das Wasser herkam und wie man so etwas in Zukunft verhindern kann."

Christoph Jouy, einer der Geschädigten, ist sich sicher: "Der Mutzbach allein kann nicht der Verursacher der Überflutung sein." Ein Großteil der Wassermassen stammte seinen Beobachtungen zufolge aus einem Rückhaltebecken an der Diepeschrather Mühle. "Wenn man durch den Wald geht, kann man den Weg, den das Wasser genommen hat, nachverfolgen", sagt der 58-Jährige. Die Blätter dort seien noch immer bräunlich verfärbt, außerdem seien Bäume umgeknickt.

Der Mutzbach, der an dem Rückhaltebecken entlangfließt, bis er etwa zwei Kilometer weiter die Siedlung Im Leuchterbruch passiert, sei wahrscheinlich durch das Wasser aus dem Becken stark angeschwollen und schließlich durch das Wildgehege in Richtung der Häuser gerauscht. Anders sei die Wucht der Flut, die nicht nur aus Richtung des Mutzbachs gekommen sei, nicht zu erklären: "Man kann von Glück reden, dass da keine Person ums Leben gekommen ist."

Hochwasser in Dünnwald: Genaue Ursache noch unklar

Das Rückhaltebecken auf Bergisch Gladbacher Gebiet hat ein Fassungsvermögen von 250.000 Kubikmetern und gehört zum rechtsrheinischen Kölner Randkanal, eine zwölf Kilometer lange, unterirdische Röhre in Richtung Rhein, die in den 1970er- und 1980er-Jahren gebaut wurde, um bei Hochwasser mehrere rechtsrheinische Bachläufe zu entlasten und Überflutungen zu verhindern.

Dass die künstliche Senke am 14. Juli überlief und – entgegen ihrer Bestimmung – zur Überschwemmung der Dünnwalder Wohnsiedlung beitrug, ist laut Henning Werker jedoch bisher nicht erwiesen. "Ob das Becken in den Mutzbach übergelaufen ist und dadurch die Situation verschärft hat, wissen wir nicht", sagt der Bereichsleiter bei den Stadtentwässerungsbetrieben und Geschäftsführer des Zweckverbands rechtsrheinischer Kölner Randkanal.

Mit Fotos belegt sei bisher nur, dass das Becken am 14. Juli gegen 19 Uhr zwar sehr gut gefüllt war. Übergelaufen sei es zu diesem Zeitpunkt aber nicht. "Ob es dann übergelaufen ist oder nicht – keine Ahnung."

Flut in Köln: Mutzbach trat aus künstlichem Lauf

Der Mutzbach sei Mittwochabend schon ohne Wasser aus dem Rückhaltebecken "rammelvoll" gewesen, so Henning Werker. Auch auf Straßen und Wiesen habe das Wasser gestanden. Oberhalb des Dünnwalder Waldbads trat der Mutzbach nach Angaben von Markus Bouwman, Leiter der Kölner Forstverwaltung, dann aus seinem künstlichen Lauf, ergoss sich in den Wald und floss durch den Wildpark in Richtung Wohnsiedlung, wo das Wasser sich vor allem in den Sackgassen nördlich der Straße Im Leuchterbruch sammelte. Auch das Dünnwalder Waldbad wurde überspült.

Ob das Bergisch Gladbacher Rückhaltebecken hauptverantwortlich für all die Schäden ist, wird nun geprüft: "In den nächsten Wochen versuchen wir, das Ereignis zu rekonstruieren. Durch Beobachtungen und Messauswertungen", so Henning Werker. Auch Daten des Wupperverbands als Betreiber des Mutzbachs und Aussagen der Anwohner würden ausgewertet. Danach werde entschieden, wie und ob die Dünnwalder in Zukunft besser geschützt werden können. Für Norbert Fuchs steht fest: "Es muss dafür gesorgt werden, dass dies nicht mehr passiert."

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Norbert Fuchs
  • Telefonat mit Henning Werker
  • Telefonat mit Christoph Jouy
  • Eigene Beobachtungen
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