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Prozess in Köln: Juristin soll nach Mordanleitung auf Google gesucht haben

Schwiegervater vergiftet?  

Frau soll auf Google nach Mordanleitung gesucht haben

20.08.2021, 08:09 Uhr
Prozess in Köln: Juristin soll nach Mordanleitung auf Google gesucht haben. Ein Schild vor der Staatsanwaltschaft in Köln (Archivbild): Vor dem Landgericht ist eine Juristin angeklagt, die ihren Schwiegervater versucht haben soll zu töten. (Quelle: imago images/Steinach)

Ein Schild vor der Staatsanwaltschaft in Köln (Archivbild): Vor dem Landgericht ist eine Juristin angeklagt, die ihren Schwiegervater versucht haben soll zu töten. (Quelle: Steinach/imago images)

In Köln steht eine Frau vor Gericht, die versucht haben soll, ihren Schwiegervater zu töten. Auf die Spur gekommen war ihr die Polizei wegen möglicherweise verräterischer Google-Suchanfragen.

Mordversuch in feinsten Kreisen: Weil sie zum Thema "Mord mit Medikamenten" gegoogelt haben soll, verdächtigt die Kölner Staatsanwaltschaft eine Immobilienkauffrau, dass sie versucht habe, ihren Schwiegervater mit Insulin umzubringen. In einer ersten Aussage gab sie an, nicht gezielt gesucht zu haben, sondern nur den Vorschlägen gefolgt zu sein, die die Suchmaschine ihr machte. Die Frau aus Müngersdorf, die mit einem Arzt liiert und Diabetikerin ist, steht derzeit vor dem Landgericht Köln wegen versuchten Totschlags.

Dort referierte sie in einer stundenlangen Auslassung über die umfangreiche Vorgeschichte des mutmaßlichen Tattages, angefangen mit dem Kennenlernen des Sohnes des Opfers, ihrem Mann. Kennengelernt habe sie ihn 2013 bei einer Karnevalsveranstaltung.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 41-Jährigen vor, dass sie am 5. Juli 2020 versucht habe, ihren Schwiegervater mit Insulin zu töten. Sie stützt die Anklage unter anderem auf die Auswertung von Handydaten der Diabetikerin: Dabei sollen Suchen aufgefallen sein, die sich thematisch mit dem Töten durch Insulin befassen. Vertreten ist die Angeklagte durch die Strafverteidiger Dr. Frank Seebode und Dr. Jürgen Graf, die am Tag des Prozessauftaktes bereits erklärt hatten, dass die Tatvorwürfe bestritten würden. Die Frau sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Angeklagte beschreibt schwieriges Verhältnis zu Schwiegervater

Vor Gericht beschreibt die Angeklagte, dass der Schwiegervater eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt habe. Sie betonte: Da auch das Opfer Arzt ist, habe er sich insbesondere um alle Krankheitsfälle in der Familie sehr gekümmert. Außerdem war ihr Mann als Arzt in derselben Praxis wie das Opfer beschäftigt. Die Angeklagte skizzierte ihren Schwiegervater jedoch auch als einen Mann, der hart sein konnte und schnell darin war, Menschen die Schuld am eigenen Schicksal zuzuweisen.

Zudem habe sie geglaubt, dass ihr Schwiegervater an Depressionen gelitten habe. Ebenso sei sein Interesse an Sterbehilfe ihr auffällig erschienen.

Schwiegervater lag bewusstlos auf Sofa

Am Morgen nach dem mutmaßlichem Mordversuch fand die Haushaltshilfe den Senior in seinem Junkersdorfer Haus auf dem Sofa vor – lebend, aber bewusstlos. Der Mann hatte einen irreversiblen Hirnschaden. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass die Angeklagte diesen Zustand durch Medikamente herbeigeführt haben könnte.

Erstmals geriet, nach dem fünfstündigen Vortrag, die Stimme der Angeklagten ins Stocken, als sie von dem diesem Abend des 5. Juli berichtete. Aufgrund ihrer persönlichen Erkrankung habe sie zum Stichwort Insulin gegoogelt.

Um Worte ringend, immer wieder mit kurzen Pausen in den Sätzen, erklärte sie: "Ich habe immer weiter gegoogelt. Dann kommen ja so Vorschläge von Google. Zum Beispiel: 'Andere suchten auch...'. Da sind solche Schlagworte dabei, auch zum Beispiel: 'Mord durch Medikamente'. In dem Artikel ging es aber gar nicht um Mord durch Medikamente, sondern um Fälle, wo Corona auf gut Glück behandelt wurde", erinnerte sie sich. 

Weiter sagte sie: "Ich kann mein Google-Verhalten nicht rechtfertigen, ich kann Ihnen nur sagen, wie es ist." Der Vorsitzende entschied: "Wir werden uns damit am nächsten Verhandlungstag befassen." Am Freitag folgt der dritte von insgesamt 29 angesetzten Verhandlungstagen. Das Urteil ist für den 26. November anberaumt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen und Eindrücke vor Ort

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