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Vandalismus an Schulen Dauerproblem: Schulgemeinde gefragt

Von dpa
23.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Vandalismus an Schulen in Hessen
Ulrich Mayer, Rektor der Kopernikusschule Freigericht, steht in der Schule. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Bildarchiv/dpa-bilder)
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Vandalismus in Schulen ist ein langjĂ€hriges Dauerproblem, das sich nur schwer verhindern lĂ€sst. Auch wĂ€hrend der Corona-Pandemie ist es in den vergangenen beiden Jahren immer wieder zu SachbeschĂ€digungen an SchulgebĂ€uden gekommen. Aus Sicht des Landeselternbeirates von Hessen (LEBH) sollte in solchen FĂ€llen die gesamte Schulgemeinde ĂŒber mögliche Lösungswege beraten. Es sei wichtig, dass sowohl SchĂŒler und Eltern als auch die Lehrer Verantwortung ĂŒbernĂ€hmen, um auf Verbesserungen hinzuwirken, sagte der LEBH-Vorsitzende Volkmar Heitmann der Deutschen Presse-Agentur auch mit Blick auf Vandalismus-VorfĂ€lle in Schultoiletten wie kĂŒrzlich in der Kopernikusschule in Freigericht (Main-Kinzig-Kreis). "Ich kann nur empfehlen, dass man sich zusammensetzt."

An der Schule hatte Rektor Ulrich Mayer Konsequenzen gezogen, nachdem es wiederholt Probleme mit verschmutzten und verstopften Toiletten gegeben hatte und zuletzt auch eine Klopapierrolle angezĂŒndet worden war. Hintergrund seien "Challenges" in sozialen Netzwerken gewesen nach dem Motto "Wie ruiniert man am besten eine Schultoilette", sagte Mayer. Passend dazu hĂ€tten die Verursacher dann noch die Adresse ihrer Accounts mit dickem Filzstift an den ToilettenwĂ€nden hinterlassen, offensichtlich um sich mit ihren Taten im Netz zu brĂŒsten. "Das Motiv ist einfach und unsĂ€glich: Langeweile", sagte Mayer.

Toilettenpapier ist jetzt an der Schule nicht mehr frei verfĂŒgbar, die SchĂŒler sollen es sich von zu Hause mitbringen - "damit es nicht mehr als Vandalismus-Instrument dient", so der Rektor. Das hat er auch den Eltern in einem Schreiben mitgeteilt, was teils auch auf UnverstĂ€ndnis gestoßen sei. Mayer macht aber deutlich, dass es ihm nicht darum geht, Toilettenpapier zu sparen oder willkĂŒrlich wegzunehmen. Wer seine Ration mal daheim vergisst, finde nach wie vor eine begrenzte Menge in den Toiletten vor. Der Rektor selbst hat in den ersten Tagen vor den Toiletten Papier ausgegeben - "um ein Zeichen zu setzen", wie er sagte.

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LEBH-Vorsitzender Heitmann findet die Reaktion des Rektors zwar erst einmal nachvollziehbar, doch sei es vor allem fĂŒr andere und unbeteiligte SchĂŒler schon eine demĂŒtigende Situation, wenn sie in der Schule extra nach Toilettenpapier fragen mĂŒssten. Probleme mit verschmutzten oder beschĂ€digten Schultoiletten gebe es immer wieder. "Wenn wir in eine Schule reinkommen wissen wir: Je besser die Toiletten, desto besser ist das ganze Schulklima. Und es ist besonders schlimm, wenn sich keiner dafĂŒr verantwortlich fĂŒhlt." Da es sich um öffentliche Toiletten handele, mĂŒssten sie auch entsprechend beaufsichtigt und betreut und dies entweder vom SchultrĂ€ger oder mit einem Obolus der Eltern bezahlt werden. "Einfach sich selbst ĂŒberlassen - das wĂŒrde man ja auch mit einer öffentlichen Toilette nicht machen", sagte Heitmann.

Aber auch außerhalb der Öffnungszeiten werden Schulen immer wieder zur Zielscheibe von Zerstörungswut. So in BĂŒdingen im Wetteraukreis, wo Unbekannte im vergangenen November in einer Schule wĂŒteten und mehrere tausend Euro Schaden anrichteten. Dort wurden unter anderem RolllĂ€den von Containern gerissen, die als KlassenrĂ€ume fungieren, eine doppelt verglaste EingangstĂŒr zerstört und mehrere Fenster eingeschlagen. Auch MĂŒllberge auf Schulhöfen, Graffiti-Schmierereien, EinbrĂŒche und demolierte Möbel werden immer wieder gemeldet, wie ein Sprecher des PolizeiprĂ€sidiums Mittelhessen sagt. Zwar liege keine zahlenmĂ€ĂŸige Auswertung vor, doch hat die Corona-Pandemie aus seiner Sicht nicht fĂŒr einen spĂŒrbaren RĂŒckgang der Taten gesorgt.

Hinter dem Vandalismus, der an allen Schulformen vorkomme, dĂŒrften vielfach Jugendliche oder junge Erwachsene stecken, die sich auf dem GelĂ€nde treffen, dort teils auch Alkohol konsumieren und sich dann austoben, vermutet der Polizeisprecher. Falls die VorfĂ€lle angezeigt werden und sich die TĂ€ter ermitteln lassen, mĂŒssen sie mit Verfahren wegen SachbeschĂ€digung rechnen. Auch Hausfriedensbruch komme in Frage und gegebenenfalls auch Einbruchsdiebstahl. "Das ist dann kein Dummer-Jungen-Streich mehr, sondern kann gegebenenfalls auch zu einer GefĂ€ngnisstrafe fĂŒhren", sagte der Polizeisprecher.

Auch in anderen hessischen Regionen werden immer wieder solche Taten registriert - so etwa in Fulda, wo ein SchulgebĂ€ude letzten Herbst mit schwarzer Farbe beschmiert und bei einem weiteren Glasscheiben und der Außenputz mit einm Gegenstand beschossen wurden - Schadensbilanz alleine bei diesen beiden VorfĂ€llen: zusammen rund 7000 Euro.

Der Main-Kinzig-Kreis wiederum sprach von "EinzelphÀnomenen", ein Trend sei nicht erkennbar. Die Kosten zur Beseitigung von Vandalismus-SchÀden an Schulen im vergangenen Jahr bezifferte ein Sprecher auf rund 26.000 Euro. "Diese Summe bewegt sich im Bereich des langjÀhrigen Durchschnitts."

In den Schulen im Odenwaldkreis hat der Vandalismus nach Angaben einer Sprecherin zugenommen. Es gebe Verschmutzungen der Toiletten, Graffiti, zerbrochene Flaschen und SchĂ€den im Außenbereich. Um solche Machenschaften zu unterbinden seien SchulgelĂ€nde eingezĂ€unt worden. An Schwerpunkten kĂ€men VideoĂŒberwachung und Alarmanlagen zum Einsatz. Auf den Toiletten seien zum Teil Einzelblattspender aufgehĂ€ngt worden, um ein Verstopfen zu erschweren. Einmal im Jahr gebe es einen Wettbewerb. SchĂŒlerinnen und SchĂŒler seien aufgerufen, einen Teil des GebĂ€udes kreativ zu gestalten. Ein Hintergrund: ErfahrungsgemĂ€ĂŸ seien Bereiche, die von den SchĂŒlern selbst gestaltet werden, wenig bis gar nicht von Vandalismus betroffen. Aktuell pausiere dies aber auf Grund der Pandemie. An Schulen, die außerhalb des Unterrichts vermehrt von Vandalismus betroffen gewesen seien, seien Sicherheitsdienste mit Kontrollen beauftragt worden.

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