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VW navigiert auf Sicht durch Krisen: Preise könnten steigen

Von dpa
12.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Volkswagen
Das Logo des Automobilherstellers Volkswagen ist am VW-Tower in Hannover zu sehen. (Quelle: Moritz Frankenberg/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Autos könnten noch teurer werden, die Versorgung mit knappen Teilen dĂŒrfte sich aber selbst bei einem lĂ€ngeren Krieg in der Ukraine etwas entspannen. Diese Erwartungen der VW-Spitze an den Jahresverlauf wurden auf der Hauptversammlung am Donnerstag klar.

Insgesamt bleibt die Lage fĂŒr das grĂ¶ĂŸte deutsche Unternehmen jedoch riskant, wie VorstĂ€nde und Aufseher bei dem aus Berlin ĂŒbertragenen Online-AktionĂ€rstreffen betonten. Neben kritischen Fragen etwa zur Klimastrategie und Kontrolle interner Regeln, zum Rohstoffeinkauf und zur Beachtung von Menschenrechten ging es auch um den Blick voraus.

Die mit dem Ukraine-Konflikt verbundene Gefahr von noch teurerer Energie, grĂ¶ĂŸeren Zerstörungen und gekappten Lieferketten drohen die Kosten ebenso fĂŒr Endkunden zu erhöhen. VertriebsvorstĂ€ndin Hildegard Wortmann sagte dazu: "Wir haben Preismaßnahmen in unterschiedlichen MĂ€rkten gestartet." Auf die Frage, ob die Volkswagen-Gruppe ihre gestiegenen Beschaffungskosten ab einem gewissen Niveau womöglich nicht mehr weitergeben könnte, meinte sie: "Es ist derzeit nicht auszuschließen, dass weitere Preisschritte nötig werden."

In Deutschland seien die Lieferzeiten zudem gerade oft sehr lang. Ähnlich Ă€ußerte sich Finanzchef Arno Antlitz. Er wies darauf hin, dass es nötig sei, "eine wettbewerbsfĂ€hige Rendite zu bekommen".

Wegen der Probleme in der Chipversorgung verknappte sich die Menge der auslieferbaren Neufahrzeuge schon vor Kriegsbeginn Ende Februar. Viele Verbraucher wichen auf Gebrauchtwagen aus - was auf diesem Markt ebenfalls PreisschĂŒbe auslöste. Das Oberklasse-GeschĂ€ft lĂ€uft unterdessen auch im VW-Konzern gut, Halbleiterreserven leitete die FĂŒhrung 2021 ĂŒber weite Strecken ĂŒberdies hĂ€ufig in E-Autos um.

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Im Fall ukrainischer Zulieferer geht es in erster Linie um fehlende KabelbĂ€ume. "Wir gehen davon aus, dass sich die Versorgungssituation auch bei einem lĂ€nger anhaltenden Krieg normalisieren wird", sagte Konzernchef Herbert Diess. Doch die bisher gegen Russland verhĂ€ngten wirtschaftlichen Strafmaßnahmen zeigten noch nicht die geplante Wirkung: "Die Hoffnung, den Krieg mit harten Sanktionen schnell zu beenden, hat sich nicht erfĂŒllt." Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sieht eine Zeitenwende nach einer langen Zeit der AnnĂ€herung.

Diess warnte unabhĂ€ngig davon vor einer dauerhaften Abschottung der Russischen Föderation oder anderer LĂ€nder: "Der frĂŒhzeitige Abgesang auf das Modell "Wandel durch Handel" greift zu kurz. Blockbildung kann nicht unsere Antwort sein." Zu den KabelbĂ€umen, derentwegen mehrere VW-Werke nach Corona gleich in den nĂ€chsten Leerlauf fielen, meinte er: "Die ProduktionsausfĂ€lle in Europa konnten wir weitgehend ausgleichen." Volkswagen erweiterte dafĂŒr unter anderem die Fertigung in SĂŒdamerika und China - das ist aber keine Langfrist-Lösung.

Kritiker werfen VW immer wieder vor, zu lange an Verbrennungsmotoren festzuhalten und trotz hoher Investitionen in neue E-Modelle und emissionsĂ€rmere Fabriken bisher nicht genug fĂŒr die CO2-Reduktion zu tun. Diess verwies auf die gute Nachfrage nach Elektrofahrzeugen - und die "Klimakatastrophe" lasse sich nur global lösen. Aktivisten von Greenpeace demonstrierten vor dem Sendestudio. Sie wollten damit auch auf einen Prozess einstimmen, den ein Landwirt und eine KlimaschĂŒtzerin demnĂ€chst am Landgericht Detmold gegen VW fĂŒhren.

Das Angebot an vollelektrischen Autos und die UmrĂŒstung weiterer Standorte wie Emden, Hannover oder Chattanooga (USA) will VW weiter ausbauen. Das verlaufe "nach Plan", sagte Diess. Die Wagen könnten bald vergleichbar profitabel sein wie Verbrenner. Mehrere AktionĂ€re forderten aber, nach Kompaktmodellen, SUVs und Limousinen rascher auch kleinere Modelle wie einen ID.1 oder ID.2 anzugehen. Letzterer soll Polo-GrĂ¶ĂŸe haben und wird schon fĂŒr Europa entwickelt.

Sorgen macht der Autobranche die Situation in China, wo neue Corona-Lockdowns Metropolen wie Shanghai und den Schiffsverkehr treffen - mit erheblichen Folgen fĂŒr den Welthandel. Der bisherige VW-Kernmarken-Chef Ralf BrandstĂ€tter, der im Sommer als Vorstand fĂŒr den Gesamtkonzern in die Volksrepublik wechselt, hĂ€lt die SchwĂ€che der Wolfsburger dort inzwischen fĂŒr ĂŒberwunden. Zum Beispiel hatten Kunden bestimmte Software-Features vermisst. Er betonte: "Wir sind weiter MarktfĂŒhrer dort." Im Jahresverlauf werde man auch den ProduktionsrĂŒckstand in China voraussichtlich aufholen können.

Ganz los ließ die Anteilseigner auch diesmal das Erbe der Dieselkrise nicht. Irritationen gab es bei einigen nach wie vor darĂŒber, dass mit Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und weiteren Ex-Managern 2021 ein interner, teils als intransparent empfundener Vergleich ĂŒber Schadenersatz geschlossen wurde. Die Gesamtkosten von "Dieselgate" liegen seit dem Bekanntwerden des Skandals im September 2015 jetzt bei ĂŒber 33 Milliarden Euro. Ein Sonderausschuss des Aufsichtsrats wurde Ende 2021 aufgelöst. Nach Angaben von Rechtsvorstand Manfred Döss gibt es weltweit rund 60 000 einzelne Diesel-Zivilverfahren.

Die stimmberechtigten StammaktionĂ€re nahmen letztlich sĂ€mtliche Punkte auf der Tagesordnung an - beispielsweise zu den GehĂ€ltern der Top-FĂŒhrungskrĂ€fte oder zur Dividende fĂŒr die Stammpapiere (7,50 Euro) und Vorzugspapiere (7,56 Euro). Mit großer Mehrheit beschlossen wurde zudem eine Personalie im Aufsichtsrat: Das Golf-Emirat Katar entsendet als drittwichtigster Eigner der VW-Gruppe den Chef seines Staatsfonds (QIA), Mansur bin Ibrahim Al-Mahmud, in das Gremium. Die Arbeitnehmer hatten bereits im April drei neue Vertreter benannt. Jens Rothe, Betriebsratschef der sĂ€chsischen VW-Standorte, sitzt jetzt als erster ostdeutscher Vertreter mit einem betrieblichen Mandat im PrĂ€sidium der Kontrolleure.

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