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Burgfrieden nach Sieg: Red-Bull-Zoff schwelt weiter


Formel 1
Burgfrieden nach Sieg: Red-Bull-Zoff schwelt weiter

Von dpa
Aktualisiert am 10.03.2024Lesedauer: 3 Min.
Max VerstappenVergrĂ¶ĂŸern des BildesDer Krach im Formel-1-Weltmeisterteam Red Bull ist in Saudi-Arabien eskaliert. Trotzdem gewinnt Max Verstappen einfach weiter. (Quelle: Darko Bandic/AP/dpa/dpa-bilder)
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Das beste Formel-1-Team wirkt zerrissener denn je. Nur Max Verstappens Siege halten die Fraktionen im explosiven Red-Bull-Machtkampf notdĂŒrftig zusammen.

Immerhin fĂŒr das nĂ€chste Siegerfoto mit Alles-Gewinner Max Verstappen machte der lodernde Red-Bull-Hauskrach kurz Pause. Als wĂ€re der Machtkampf im besten Formel-1-Team nicht gerade vor aller Augen eskaliert, verwickelte der Weltmeister die Gegenspieler Christian Horner und Helmut Marko nach seinem Erfolg in Saudi-Arabien in eine lockere Plauderei.

Doch ob der Burgfrieden aus der Nacht von Dschidda lange hĂ€lt, ist ungewiss. Reicht das Machtgerangel bei Red Bull doch weit ĂŒber Teamchef Horner, Berater Marko und den Rennstall hinaus.

Vor allem die Triumphfahrten von Verstappen wirken derzeit noch als Kitt fĂŒr das zunehmend fragile Gebilde. "Ich habe immer gesagt, dass es am wichtigsten ist, dass wir als Team zusammenarbeiten und alle den Frieden bewahren. Darauf können wir uns alle einigen. Hoffentlich ist das von jetzt an komplett der Fall", sagte der NiederlĂ€nder nach seinem saisonĂŒbergreifend neunten Grand-Prix-Sieg in Serie, dem 100. Podestplatz seiner Überflieger-Karriere.

Verstappen-Vertrauter Marko darf vorerst bleiben

Der 26-JĂ€hrige zeigte sich erleichtert, dass wohl auch dank seiner Intervention die Ablösung seines Vertrauten Marko vorerst vom Tisch ist. Der Österreicher hatte kurz vor dem Rennen das Ergebnis eines Krisentreffens mit Red-Bull-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Oliver Mintzlaff verkĂŒndet: "Ich mache weiter, ja."

Verstappen hatte zuvor ziemlich unverhohlen mit Ärger gedroht, sollte Marko trotz eines bis Ende 2026 laufenden Vertrags gehen mĂŒssen. "Ohne ihn im Team, glaube ich, wird es ein Problem geben, auch fĂŒr mich selbst", sagte der Triple-Champion, der einst von Marko in die Formel 1 befördert worden war.

Der ganze Wirbel entzĂŒndete sich am weiter brodelnden Skandal um Rennleiter Horner, der schon seit lĂ€ngerem als Widersacher Markos gilt. Eine Mitarbeiterin hatte dem Briten unangemessenes Verhalten vorgeworfen. Nach einer internen Untersuchung war die Beschwerde abgewiesen worden. Danach wurden jedoch anonyme Mails mit pikanten Details an Journalisten und Formel-1-Offizielle versendet, die den 50-JĂ€hrigen erneut unter Druck brachten.

Dass der 80 Jahre alte Marko als Quelle des Datenlecks verdĂ€chtigt worden sein soll, wies dieser als absurd zurĂŒck. "Das ist kompletter Schwachsinn. Ich bin heilfroh, wenn ich mein Handy halbwegs bedienen kann", sagte der frĂŒhere Formel-1-Pilot.

Verstappen-Vater legt gegen Teamchef nach

Die in Dschidda unablĂ€ssig vorgetragene Forderung von Horner nach einem Schlussstrich in der AffĂ€re blieb vergebens. "Ich denke, dafĂŒr ist es nun ein bisschen zu spĂ€t. Wenn es das ist, was er will, fein. Aber ich denke nicht, dass das möglich ist", ĂŒbermittelte Verstappens Vater Jos via "Daily Mail" und legte Horner erneut einen RĂŒcktritt nahe: "Ich habe bereits gesagt, dass es Probleme gibt, wenn er bleibt."

Horner aber wird weiter gestĂŒtzt von den thailĂ€ndischen MehrheitseigentĂŒmern von Red Bull, die sich Berichten zufolge im Ringen mit der österreichischen Seite des GetrĂ€nke-Konzerns um die Erben des gestorbenen MitgrĂŒnders Dietrich Mateschitz befinden. FĂŒr den Sonntag hatten beide Parteien sich angeblich in Dubai fĂŒr weitere GesprĂ€che ĂŒber die verfahrene Situation verabredet.

Als wĂ€re das alles nicht schon kompliziert genug, forderten auch Red Bulls Motorenpartner Honda und der Autobauer Ford, der ab 2026 ins Team einsteigen will, AufklĂ€rung ĂŒber die VorgĂ€nge um Horner und den Umgang mit dem Skandal. Transparenz aber war noch nie die StĂ€rke des Red-Bull-Konzerns und seiner Ableger im Spitzensport. "Wir haben nicht vor, vor der ganzen Welt unsere internen Personalthemen auszubreiten", ließ im Fahrerlager von Dschidda der deutsche GeschĂ€ftsfĂŒhrer Mintzlaff wissen, der einst auch Vorstandschef beim Fußball-Bundesligisten RB Leipzig war.

Weiter Spekulationen um Verstappen-Wechsel

FĂŒr die GerĂŒchtekĂŒche Formel 1 wirkt das eher wie ein Brandbeschleuniger. Dass Verstappen und Design-Superhirn Adrian Newey der Querelen und Intrigen ĂŒberdrĂŒssig werden und den BranchenfĂŒhrer verlassen könnten, wird weiter munter spekuliert. "Es gibt kein Team, das nicht HandstĂ€nde machen wĂŒrde, um ihn im Auto zu haben", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ĂŒber Verstappen, dessen Vertrag bei Red Bull noch bis Ende 2028 lĂ€uft. Newey soll indes intensiv von Ferrari umworben werden.

"Ich sehe keinen Grund, warum irgendwer dieses Team verlassen sollte", konterte Teamchef Horner. Der ĂŒberwĂ€ltigende Erfolg der vergangenen Jahre sei dafĂŒr das beste Argument, glaubt er. Verstappen hat 19 der vergangenen 20 Grand Prix gewonnen und dĂŒrfte auf dem Weg zum vierten Titel in Serie nicht aufzuhalten sein. Adjutant Sergio PĂ©rez sicherte in Saudi-Arabien vor Ferrari-Pilot Charles Leclerc den zweiten Doppelerfolg fĂŒr Red Bull im zweiten Saisonlauf.

"Als Team bewegen wir uns auf einem außerordentlich hohen Standard. Und wir erwarten, dass sich das fortsetzt", sagte Horner. Wer jedoch nicht mehr seine Rolle spielen und gehen wolle, den werde Red Bull nicht zum Bleiben zwingen, setzte der Brite hinzu. Und stellte klar: "Wir sind ein Team - und keine einzige Person ist grĂ¶ĂŸer als das Team."

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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