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Derbysieg: HSV wehrt St. Paulis Machtanspruch ab

Von dpa
22.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Die Spieler des HSV feiern nach dem Schlusspfiff den Sieg gegen den FC St.
Die Spieler des HSV feiern nach dem Schlusspfiff den Sieg gegen den FC St. Pauli. (Quelle: Christian Charisius/dpa./dpa)
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Hamburg (dpa) - Die Entscheidung um die Vormachtstellung im Hamburger Fu├čball ist vertagt. Der Hamburger SV als historische Nummer eins war zwischenzeitlich im Niedergang begriffen und drohte vom Stadtteilverein FC St. Pauli vom Thron gejagt zu werden.

Das 2:1 (0:1) im Volksparkstadion hat diese Entwicklung zwar noch nicht umgekehrt, wohl aber gestoppt. Der HSV ist bis auf drei Punkte dran am FC St. Pauli. Noch wichtiger: Im Aufstiegsrennen zur Bundesliga hat die Truppe von Trainer Tim Walter wieder gute Karten.

"Wir haben 'ne Kiste Bier in der Kabine", beschrieb Walter den bescheidenen Party-Rahmen, um dann mitzuteilen: "Meine Jungs trinken ja nicht so viel." Also nahm er seinen Trainerstab in die Pflicht: "Da trinken wir eins mehr." Jubel erf├╝llte aber auch ohne Alkohol die HSV-Kabine.

St.-Pauli-Coach gratuliert dem Stadtrivalen

Da wollte sich St.-Pauli-Trainer Timo Schultz nicht lumpen lassen. "Nachdem wir in den letzten Spielen h├Ąufiger erfolgreich sein und die Stadtmeisterschaft f├╝r uns in Anspruch nehmen durften, m├╝ssen wir heute auch mal dem Gegner gratulieren zum verdienten Sieg", sagte er. Sein Team selbst ist nun seit vier Zweitliga-Spielen ohne Erfolg.

F├╝nf Derbys (vier Niederlagen) war dem HSV zuvor kein Erfolg gegen den Stadtrivalen gelungen. Gedem├╝tigt vom Nachbarclub und beschimpft von den eigenen Fans bekamen die Profis Magie und Brisanz der Stadtduelle zu sp├╝ren. Da mutet der lang ersehnte Sieg wie eine Erl├Âsung an.

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Vor allem f├╝r die Fans, die zwar nur in handverlesener Abordnung von 2000 Zuschauern ins Volksparkstadion durften, f├╝r die aber ein Sieg im Stadtderby wichtiger als der Aufstieg ist. Was auch f├╝r die gewaltige Diskrepanz in der Interessenslage zwischen Fangemeinde und F├╝hrungsetage eines Fu├čball-Wirtschaftsunternehmens steht.

HSV-Trainer an der Seitenlinie unter Strom

Bei aller Freude im Umfeld gab sich Walter erstaunlich gelassen, ganz im Gegensatz zu seinem Starkstrom-Coaching am Spielfeldrand. F├╝r eine neuerliche Verbalattacke an der Linie erhielt er bereits seine zweite Gelbe Karte in dieser Saison. Nach der vierten wird er f├╝r ein Spiel gesperrt. "Vielleicht hat der Schiedsrichter recht, wenn ich lautstark bin. Aber ich denke, dass ich immer respektvoll bin, respektvoll allen gegen├╝ber", sagte Walter.

Eine halbe Stunde nach Spielende war der Puls des 46-J├Ąhrigen jedoch wieder im gr├╝nen Bereich. "Mehr als drei Punkte gibt es heute auch nicht", meinte er und stutzte den Derbysieg auf Normalma├č. "Wir haben nur ein Spiel gewonnen. Wir freuen uns ├╝ber drei Punkte. Aber wir wissen auch, wo wir herkommen und woran wir weiter arbeiten m├╝ssen."

Rundum zufrieden konnte Walter n├Ąmlich nicht sein. In der ersten halben Stunde h├Ątte seine Elf deutlich in F├╝hrung gehen m├╝ssen. Aber wie so h├Ąufig herrschte vor des Gegners Kasten Fahrl├Ąssigkeit. Wie es geht, demonstrierte der FC St. Pauli: eine Chance, ein Tor - nat├╝rlich durch Torj├Ąger Guido Burgstaller. Erst Kapit├Ąn Sebastian Schonlau und Linksau├čen Bakery Jatta drehten nach der Pause die Partie.

"Wir haben eine brutale Bereitschaft", versicherte Walter und nannte als Basistugenden: "Mutig im Ballbesitz und extrem aggressiv gegen den Ball." Diese Offensivpower, diese erzwungene Dominanz lie├č den Rivalen nicht wie gewohnt in seine Abl├Ąufe kommen. "Man hat den Jungs angemerkt, dass sie bei sich bleiben", beschrieb Walter das Besinnen auf die eigenen F├Ąhigkeiten, den eigenen Plan, v├Âllig unabh├Ąngig vom Gegner und dessen Qualit├Ąten. Weil es ihm so wichtig ist, fasste er die Marschroute f├╝r die n├Ąchsten Monate geradezu beschw├Ârend zusammen: "Das Entscheidende ist, dass wir bei uns bleiben."

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