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Magath kommt die Magie abhanden: Hertha vor Abstiegsfinale

Von dpa
Aktualisiert am 20.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Hertha-Trainer Felix Magath (r) steht mit den Berlinern vor dem Abstieg.
Hertha-Trainer Felix Magath (r) steht mit den Berlinern vor dem Abstieg. (Quelle: Andreas Gora/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - An Felix Magath war nichts mehr magisch. Mit geb├╝ckter Haltung sa├č der einst gef├╝rchtete Schleifer auf dem Podium.

Sein mythenhaft beschworener Retter-Nimbus hat jetzt ein konkretes Verfallsdatum: Montag, 23. Mai am sp├Ąten Abend, ausgerechnet in seinem geliebten Hamburger Volksparkstadion. Die Erkl├Ąrungsversuche, wie das scheinbar Unvermeidbare - der siebte Bundesliga-Abstieg von Hertha BSC und der erste f├╝r Magath selbst - noch verhindert werden k├Ânnen, wirkten nur noch routiniert.

Neben Magath sa├č HSV-Trainer Tim Walter und sah mit massivem Rauschebart und dem f├╝r einen 46-J├Ąhrigen zu jugendlichen Basecap aus wie ein urbaner Waldschrat, der die Geheimformel f├╝r das Ende der Zweitliga-Leiden des Hamburger SV l├Ąngst gefunden hat.

Die Berliner hoffen

"Wir gehen von unserem Spielstil nicht ab. Wir gehen unseren Weg so weiter. Wir wollen solche Spiele haben. Darum war es heute sch├Ân, aber am Montag wird es genauso sch├Ân", sagte Walter nach dem 1:0 im Relegationshinspiel im Berliner Olympiastadion. Gl├╝ckliche Spieler und euphorisierte Fans feierten da schon so, als sei die Bundesliga-R├╝ckkehr nach vier Jahren bereits geschafft. Vor einem Jahr ging auch Holstein Kiel mit einem 1:0-Sieg ins R├╝ckspiel gegen den 1. FC K├Âln und erlebte daheim dann ein 1:5-Debakel gegen das FC-Team von Retter Friedhelm Funkel.

Und die Hertha? Im Stechschritt marschierte Magath mit dem von ihm nach Berlin beorderten Fitness-General Werner Leuthard am Freitagfr├╝h auf den Trainingsplatz. Energisch redete er auf die im Kreis postierten Spieler ein, ruderte mit den Armen. War da der K├Ąmpfergeist in Magath wieder erwacht? "Es ist noch nicht vorbei. Es gibt noch ein Spiel", hatte Verteidiger Marc Oliver Kempf die Resthoffnung ausgedr├╝ckt.

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Der sonst so pr├Ązise und verbal messerscharfe Magath hatte nach der Niederlage gegen seinen Herzensclub herumlaviert, den Auftritt relativiert und Pech beklagt. "Ich habe gesehen, dass das Spiel ausgeglichen war. Eine Aktion, in der der Gegner zum Tor gekommen ist, hat uns geschockt, hat uns getroffen", sagte Magath. "Der HSV war die gl├╝cklichere Mannschaft", meinte der 68-J├Ąhrige.

Hertha ohne Anf├╝hrer

Die Wahrheit war: Der HSV war die mutigere und selbstbewusstere Mannschaft, sie machte den Eindruck, dass sie unbedingt aufsteigen will und wurde durch die Gl├╝cks-Flanke von Ludovit Reis mit dem Siegtor belohnt. Die Hertha spielte wie die ganze Saison schon: bem├╝ht, mehr nicht. Und ohne einen Anf├╝hrer, der das Team mitrei├čt.

Magath hat in Berlin in den vergangenen Wochen ein gef├Ąhrliches Spiel betrieben und muss nun feststellen, dass er sich wohl verzockt hat. Als ganz Berlin wieder an die Rettung glaubte, setzte er auf einen merkw├╝rdig anmutenden Zweckpessimismus. Zu viel schonungslose Realit├Ąt verwunderte und ver├Ąrgerte die Fans und verwirrte die ohnehin unter chronischer Orientierungslosigkeit leidende Mannschaft m├Âglicherweise entscheidend.

Magath wollte wohl vorbauen, weil er durch seine gro├če Erfahrung wusste, dass es noch schiefgehen kann. Es schien, als wolle der 68-J├Ąhrige den Abstiegsmakel herbeireden, damit dieser im schlimmsten Fall nicht an ihm selbst, dem Allwissenden, haften bleibt, sondern an der von ihm klein geredeten Mannschaft. Und dann ging tats├Ąchlich alles schief.

Nur Stark in der Kurve

Was bleibt, sind erstmal nur Ausreden. Das Fehlen des gelbgesperrten K├Ąmpfers Santiago Ascacibar sei fatal gewesen. Der Ersatz f├╝r den Argentinier war nicht ad├Ąquat. "Sie k├Ânnen Spieler nicht backen, die Spieler sind, wie sie sind", sagte Magath. Das passte zu der Distanz, die er in zwei Berliner Monaten zu seinen Akteuren gehalten hat.

Dass die meisten Hertha-Spieler nach dem Spiel nicht zu den treuen Fans in die Ostkurve gingen, "wundert mich ein bisschen", sagte Magath. Er selbst verschwand nach dem Schlusspfiff wie immer als Erster in den Katakomben.

Die Spieler betrieben am Freitag Schadensbegrenzung und bedankten sich bei den Fans f├╝r die starke Unterst├╝tzung. Es sei keine bewusste Entscheidung des Teams gewesen, sich nicht von allen Anh├Ąngern zu verabschieden. "Wir waren wie alle Hertha-Fans nach dem Spiel einfach sehr entt├Ąuscht von uns selbst", hie├č es in einer Botschaft von Kapit├Ąn Dedryck Boyata.

Die k├╝rzlich in Berlin aufgeflammte "Ihr"-und-"wir"-Debatte, die zu einem von Magath als marginal bezeichneten Disput mit F├╝hrungsfigur Kevin-Prince Boateng gef├╝hrt hat, ist ein weiteres Indiz daf├╝r, dass der unnahbare Routinier sein Team im entscheidenden Moment vielleicht nicht mehr maximal motivieren kann. Der f├╝r das Binnenklima in der Kabine imminent wichtige Boateng stand seit der Kontroverse jedenfalls nicht mehr in der Startelf.

Einen R├╝ckstand aufzuholen, geh├Ârte auch nicht zu den St├Ąrken der Berliner in dieser Saison. Magath beantwortete die Frage nach dem nun n├Âtigen Offensivspiel mit sp├Âttischem Unterton, diese feine Ironie beherrscht er schon immer. "Wir haben ja heute schon mal angefangen zu ├╝ben. Jetzt haben wir noch drei Tage Zeit weiter zu ├╝ben", sagte er. Mit viel Kommunikation will er die Weichen zum Wunder stellen. "Die Mannschaft braucht immer die Hilfe des Trainers. Man braucht jetzt kein Training, jetzt ist angesagt zu reden, um am Montag gut drauf zu sein", sagte Magath.

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