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Fußball in Corona-Zeiten: Fan-Rückkehr mit Hindernissen - "Das Stadionerlebnis fehlt"

Fußball in Corona-Zeiten  

Fan-Rückkehr mit Hindernissen - "Das Stadionerlebnis fehlt"

14.10.2020, 10:49 Uhr | dpa

Fußball in Corona-Zeiten: Fan-Rückkehr mit Hindernissen - "Das Stadionerlebnis fehlt". Bei Leverkusen gegen Stuttgart kamen weniger Zuschauer als erlaubt ins Stadion.

Bei Leverkusen gegen Stuttgart kamen weniger Zuschauer als erlaubt ins Stadion. Foto: Tom Weller/dpa. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Etliche Plätze blieben leer. Zwar dürfen seit gut einem Monat wieder Fans in die Stadien und Hallen, bis zum jüngsten Anstieg der Corona-Zahlen sogar bis zu 20 Prozent der Gesamtkapazität.

Dennoch blieb der große und von den Clubs erhoffte Ansturm auf die Tickets weitestgehend aus. Die Fans, so scheint es, wollen die Wettbewerbe derzeit gar nicht hautnah erleben. Die Entscheidung, das eigene Team live anzufeuern, oder eben nicht, könnte den Fans zudem bald wieder abgenommen werden. Es drohen weitere Geisterspiele.

Der Fan-Forscher Gunter Pilz führt die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und die fehlende Atmosphäre im Stadion als Gründe an. "Distanz zu wahren, ist gerade für Ultras wenig attraktiv. Dicht gedrängt zu stehen, zusammen zu jubeln und sich zu umarmen - das Stadionerlebnis fehlt", sagt der Soziologe der Deutschen Presse-Agentur. Ein weiteres Problem sei die Verlosung der Tickets: "Es ist fast unmöglich, als Gruppe ins Stadion zu gehen."

Zumal derzeit die Chance noch geringer wird. Fußball-Bundesligist FSV Mainz 05 kündigte am Dienstagabend an, dass gegen Bayer Leverkusen am Samstag statt 6800 nur 250 Zuschauer ins Stadion dürfen. Zu hoch sind die Corona-Zahlen. Weitere Clubs dürfen folgen. In München durften beispielsweise diese Saison noch gar keine Fans ins Stadion. Die flächendeckende Rückkehr der Geisterspiele ist längst nicht mehr ausgeschlossen. Also Chance vertan?

Für die meisten Anhänger scheint das kein Problem zu sein. Die "normale Fankultur", etwa die Choreographien der Ultraszene, spiele bei den Spielen mit limitierter Zuschauerzahl und fester Platzvergabe keine Rolle, sagt Jost Peter vom Fan-Bündnis "Unsere Kurve". Bei vielen Fans sei der Vorstoß der Vereine und der DFL, "möglichst schnell wieder Publikum zuzulassen", nicht gut angekommen. "Es gibt viele Fans, die sagen: Warum muss der Fußball weiterhin laufen? Warum steht nicht die Bekämpfung der Pandemie an erster Stelle?", sagt Peter.

Clubs und DFL wiesen immer wieder darauf hin, dass es bei der Fan-Rückkehr auch um die Existenzsicherung der Vereine und den Erhalt von Arbeitsplätzen gehe. Das Risiko einer Ansteckung in den Stadien ist nach jetziger Erkenntnislage aufgrund der strengen Auflagen und der Spiele an der frischen Luft wohl eher gering. Anders sieht es da in den Hallen aus. Der Handball, Basketball und auch das Eishockey sowie Volleyball sind allerdings noch viel mehr von Zuschauereinnahmen abhängig als der Fußball.

Dieser wird auch weitere Spiele ohne Fußball überstehen, sagt Fan-Forscher Pilz. "Ich bin fest überzeugt davon, dass Fanbegeisterung und Leidenschaft dafür zu ausgeprägt sind." So hätten sich etwa mehrere Hundert Fans von Hannover 96 beim Derby gegen den niedersächsischen Rivalen Eintracht Braunschweig Anfang des Monats zum Feiern vor dem Stadion versammelt, allerdings auch ohne auf die Corona-Vorschriften zu achten. In der HDI Arena selbst blieben derweil von den 9800 erlaubten Plätzen 2500 frei. "Das Stadion bietet vielen Fans zurzeit nicht das Erlebnis, das sie suchen."

Auch beim Heimspiel des VfB Stuttgart gegen Bayer 04 Leverkusen blieben viele Plätze leer. Statt der erlaubten 12.000 kamen nur 9500 Zuschauer ins Stadion. "Wir sind froh, dass überhaupt welche da sind und sie uns helfen und für eine positive Stimmung sorgen", sagte Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat nach dem Spiel. Angesichts der strengen Auflagen und Einschränkungen bei der Anreise und im Stadion hätten sich die Stuttgarter über jeden einzelnen Fan sehr gefreut, betonte VfB-Pressesprecher Tobias Herwerth.

Für den Fan-Forscher Harald Lange gehen die Ursachen für das Wegbleiben der Fans bei den Fußballspielen tiefer: "Erst waren es nur die Ultras, inzwischen kritisieren aber auch die ganz normalen Zuschauer die Ausrichtung und Steuerung durch den DFL und die DFB." Immer mehr Fans nähmen eine Fehlentwicklung wahr. Der Profi-Fußball zeige sich immer mehr als reines Geschäftsmodell, in dem es statt um den Sport nur um Einnahmen ginge. Die Corona-Krise mache das Dilemma noch sichtbarer. "Die Geisterspiele haben gezeigt, dass die Lenker der Profifußballszene vor allem Geld einkassieren wollen", betont der Professor für Sportwissenschaft an der Universität Würzburg.

Am Dienstag tagte erstmals die DFL-Taskforce zur Zukunft des Profifußballs. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet. "In der Corona-Zeit wäre eigentlich zu erwarten, dass es ein großes Bedürfnis nach guter Unterhaltung wie dem Fußball gibt", sagt Lange. Stattdessen gingen auch die Einschaltquoten zurück. "Die Fans wenden sich ab von dem Spektakel."

Für die Vereine sei das Wegbleiben der Zuschauer Forscher Pilz zufolge "katastrophal". Die Fußballer nähmen die Atmosphäre um sich herum im Stadion wahr, selbst wenn nur wenige Fans zu den Spielen kommen. "Da aber nur Heimfans zugelassen werden, bekommt die geladene Mannschaft keine Unterstützung der eigenen Zuschauer." Pilz sieht darin eine doppelte Benachteiligung für die betroffenen Teams. Die Vereine könnten dem Fan-Forscher zufolge nicht viel tun. "Ich glaube, es gibt keine Zauberformel, die jetzt wieder mehr Menschen ins Stadion lockt. Letztendlich entscheiden die Fans."

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