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Die Nationalmannschaft hat nur einen Anführer – und das ist nicht Toni Kroos

PRO & KONTRAZukunft des DFB-Teams  

"Die Nationalelf hat nur einen Anführer – und das ist nicht Kroos"

Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

23.11.2020, 19:55 Uhr
Die Nationalmannschaft hat nur einen Anführer – und das ist nicht Toni Kroos. Toni Kroos: Der Mittelfeldstratege war bei WM 2018 dabei und soll nun mit der Nationalmannschaft eine erfolgreiche EM 2021 spielen. (Quelle: imago images/t-online)

Toni Kroos: Der Mittelfeldstratege war bei der WM 2018 dabei und soll nun mit der Nationalmannschaft eine erfolgreiche EM 2021 spielen. (Quelle: t-online/imago images)

Das Debakel von Sevilla hat gezeigt, was aktuell eines der Probleme der deutschen Nationalmannschaft ist. Dem Team fehlt es an Führungsstärke auf dem Feld. Doch woran liegt das?

Gegen die historische 0:6-Pleite am vergangenen Dienstag in Spanien hat sich kein einziger deutscher Feldspieler erkennbar gewehrt. Auch die Erfahrenen um Toni Kroos tauchten ab. Und ausgerechnet Bastian Schweinsteiger eröffnete noch an diesem Abend die Chef-Debatte.

Wer ist hier der Boss? Das fragte sich auch der entsetzte WM-Anführer von 2014. "Haben wir einen Spieler wie Sergio Ramos in den eigenen Reihen, der der Anführer ist?", sagte ARD-Experte Schweinsteiger zur Halbzeit, als sich das Debakel schon abzeichnete: "Wer macht das jetzt für die deutsche Nationalmannschaft? Wer geht da voran?"

"Toni Kroos, Anführer – nicht zu sehen! Hinten keiner, der die Mannschaft organisiert hat! Vorne keiner, der Kommandos gegeben hat!", fügte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei Sky hinzu. Die fehlende Organisation und Kommunikation sei "tödlich" gewesen, gab auch Bundestrainer Joachim Löw im Anschluss an die Partie zu.

Klar ist: Ohne den aktuell verletzt ausfallenden Bayern-Profi Joshua Kimmich fehlt es der Nationalmannschaft trotz einiger erfahrener Akteure an klaren Anweisungen auf dem Feld. Was zur Frage führt:

Ist Kroos der richtige Anführer der Nationalmannschaft für die EM 2021?

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Pro

Ja, aber wir müssen bei der EM auf ein Führungs-Trio setzen

Die Kritik an den angeblich mangelnden Führungsfähigkeiten von Toni Kroos ist nicht gerecht. Und wenn die deutsche Abwehrreihe wie im Spanien-Spiel herumläuft wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen, kann auch ein lautstarker Weltklassespieler wie er nichts ausrichten. Das eigentliche DFB-Problem ist der krasse Qualitätsunterschied zwischen Defensive und Offensive. Aber gut, zurück zum Führungsstil vom Weltmeister und deutschen Champions-League-Rekordsieger:


Kroos ist keiner, der über den Platz brüllt oder die Kollegen am Trikot packt. Das ist nicht sein Stil. Er ist einer, der seine Mitspieler durch seine Klasse auf dem Feld beruhigen kann und das Tempo im Aufbau bestimmt. Auch das ist Führungsqualität, die man dringend braucht.

Denken Sie doch nur mal an Zidane zurück. Hat er Mitspieler zusammengestaucht und schreiend Anweisungen gegeben? Nein. Und trotzdem war er der entscheidende Taktgeber in all seinen Mannschaften. So ist Kroos auch. Doch dafür braucht er die richtigen Mitspieler an seiner Seite.


Klar ist: Bei der EM kann die Führung nur im Verbund klappen. Ein Trio wird dabei ausschlaggebend sein. Kroos hilft mit seiner Ruhe am Ball, Goretzka mit körperlicher Präsenz und Kimmich mit wichtigen und lautstarken Anweisungen. Nur so kann das DFB-Team – vielleicht – erfolgreich sein.


Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Kontra

Nein, die Nationalelf hat nur einen Anführer – und das ist nicht Kroos

Toni Kroos hat viermal die Champions League und insgesamt 25 Titel gewonnen, 101 Länderspiele absolviert und ist seit Jahren Taktgeber bei Real Madrid. Und dennoch muss auch einer der größten deutschen Fußballer sich permanent neu beweisen.


Das aktuelle Real Madrid ist nicht mehr das von 2016 bis 2018, die DFB-Elf ist nicht mehr die von 2014. Das liegt auch an Kroos. In der spanischen Liga ist er in dieser Saison noch ohne Torbeteiligung. Im Nationalteam schwimmt er nur noch mit oder geht mit unter – wie beim 0:6 gegen Spanien. Kroos' Aussagen zuletzt? Andere seien eben gerade besser als Real Madrid, bei der Nationalelf gebe es nach dem 0:6 einiges zu tun. Biss und Titelhunger strahlt er nicht aus.


Klar: Kroos ist kein emotionaler Leader. Das war er nie und wird es nie sein. Damit ist er aber auch kein Anführer für die EM. Ebenso wie Neuer, der als Torwart zu weit weg ist. Oder Hummels, Boateng und Müller, die gar nicht dabei sind und selbst bei einem Comeback zu lange weg waren – und nicht das hundertprozentige Vertrauen genießen würden.


Für die EM gibt es nur einen Anführer: Joshua Kimmich, der gegen Spanien verletzt fehlte. Er muss nach seiner Rückkehr mit allen Kompetenzen ausgestattet werden.

Wer hat recht? 

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online.de) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.

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