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"Verschiebt die EM – sonst ist es zu spĂ€t"

Von Berti Vogts

Aktualisiert am 15.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Leeres Stadion beim Spiel des DFB gegen die Ukraine im November 2020: t-online-Kolumnist Berti Vogts stellt nun sogar die Austragung der EM im Sommer in Frage.
Leeres Stadion beim Spiel des DFB gegen die Ukraine im November 2020: t-online-Kolumnist Berti Vogts stellt nun sogar die Austragung der EM im Sommer in Frage. (Quelle: Karina Hessland/imago-images-bilder)
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Trotz der Corona-Krise und anhaltend hoher Infektionszahlen soll die Fußball-EM im Sommer stattfinden – in zwölf LĂ€ndern. t-online-Kolumnist Berti Vogts regt das auf – er richtet einen eindringlichen Appell an die Verantwortlichen.

Ich bin genervt.


Nationalmannschaft: Das Jahreszeugnis der DFB-Spieler

t-online hat alle Nationalspieler, die mindestens vier der acht LĂ€nderspiele im Jahr 2020 absolvierten, unter die Lupe genommen und sie in einem großen Jahresabschlusszeugnis bewertet. Die Noten der Spieler ergaben sich aus den Durchschnittswerten aller benoteten Spiele. Es wurden nur ganze Noten verteilt. Die Reihenfolge entstand aus der grĂ¶ĂŸten Anzahl an Spielen (RĂŒdiger, sieben) bis zu der geringsten.
Antonio RĂŒdiger (sieben Spiele): Absolvierte im Jahr 2020 die meisten Partien aller Nationalspieler. Bei Chelsea ins Hintertreffen geraten, wollte RĂŒdiger im SpĂ€tsommer noch den Klub wechseln, was nicht mehr klappte. Die fehlende Spielpraxis merkte man dem Ex-Stuttgarter auch im Nationaldress an. Einem ordentlichen Spiel in der Ukraine standen viele unglĂŒckliche Auftritte gegenĂŒber. Könnte im Winter den Verein wechseln, um wieder regelmĂ€ĂŸig zum Einsatz zu kommen. Note 4
+19

Seit knapp einem Jahr sprechen wir fast ausschließlich ĂŒber die Corona-Pandemie: Wie viele Menschen sind gestern gestorben? Wie steht es heute um die Auslastung der Krankenhaus-Intensivbetten? Diese Fragen stellen wir uns schon morgens, und gehen spĂ€ter am Abend mit ihnen wieder zu Bett.

Denn die Lage ist ernst.

Und gerade deshalb kann ich nur mit dem Kopf schĂŒtteln, wenn ich an den kommenden Sommer denke. Denn dann soll die Fußball-EM ausgetragen werden – in zwölf verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern. Völliger Irrsinn.

Es macht mich fassungslos, dass man von der Uefa, die das Turnier ausrichtet, aktuell nichts hört. Deshalb appelliere ich als ehemaliger Bundestrainer nun selbst an den Verband:

Verschiebt die EM. Reagiert jetzt. Sonst ist es zu spÀt.

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Die Handball-EM ist aktuell ein Desaster

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: FĂŒr mich als Fußballfan ist die EM eines der schönsten und spannendsten Sportereignisse der Welt. Aber gerade deshalb mĂŒssen wir es noch mal verschieben.

Uefa-PrÀsident Aleksander Ceferin (r.) mit DFB-Vize Rainer Koch im Juni 2019: Aktuell hÀlt der Verband an seinen EM-PlÀnen fest.
Uefa-PrĂ€sident Aleksander Ceferin (r.) mit DFB-Vize Rainer Koch im Juni 2019: Aktuell hĂ€lt der Verband an seinen EM-PlĂ€nen fest. (Quelle: Jan HĂŒbner/imago-images-bilder)

Das Turnier lebt von Zuschauern auf den RĂ€ngen und den besten Spielern, die sich auf dem Feld miteinander messen. Doch beides wird – wenn die EM im Juni starten sollte – wahrscheinlich ausfallen.

Denn die meisten Menschen sind dann noch nicht geimpft. Was zur Folge hĂ€tte, dass nur wenige Fans in die Arenen dĂŒrften, wenn ĂŒberhaupt. Doch das ist zu wenig. Die Stadien mĂŒssen zu mindestens 50 Prozent ausgelastet sein, um eine Stimmung, die einer Fußball-EM angemessen ist, zu garantieren. Sonst kann man es gleich lassen.

Schauen Sie doch nur mal nach Ägypten. Dort lĂ€uft aktuell, wĂ€hrend die Pandemie wĂŒtet, die Handball-WM. Das ist ein Desaster. Die deutschen Topspieler haben abgesagt, weil sie Angst vor dem Virus haben – was ich gut nachvollziehen kann –, und die Partien finden vor leeren RĂ€ngen statt.

Man sollte auch ĂŒber den Austragungsort sprechen

Eine Fußball-EM ohne Zuschauer und Topspieler?

Das wĂ€re eine Katastrophe. Stellen Sie sich das doch nur einmal vor: Eine-EM-Partie zwischen Deutschland und Frankreich vor leeren RĂ€ngen und ohne Weltklassespieler wie Toni Kroos und Kylian MbappĂ©. Das darf es nicht geben. Und das wĂŒrde auch keiner im TV sehen wollen.

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Doch genau das droht uns, wenn wir die EM in diesem Sommer ausspielen.

Mein Vorschlag lautet: Verschiebt das Turnier auf den Zeitraum ab Mitte Dezember. Bis dahin sind hoffentlich genug Menschen geimpft, um wieder mehr Fans in die Stadien zu lassen. Und abgesehen davon sollte man nicht nur ĂŒber den Zeitpunkt, sondern auch den Ort sprechen.

Der EM-Modus ist aktuell undenkbar

Das Turnier sollte nicht in zwölf, sondern in nur einem Land stattfinden. Am besten in einer Nation, welche die Corona-Lage dann gut unter Kontrolle hat.

Das europaweite Turnier hingegen sollten wir in einigen Jahren nachholen. FĂŒr 2021 ist dieser Modus undenkbar. Ich sage: Lieber eine spĂ€tere EM in einem Land mit guter Stimmung und gesunden Menschen, als ein Turnier in wenigen Monaten auf dem gesamten Kontinent, welches vielleicht Kranke und Tote zur Folge hĂ€tte.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund.

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