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Schiedsrichter Zwayer denkt ĂŒbers Aufhören nach

Von dpa
Aktualisiert am 23.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Schiedsrichter Felix Zwayer (r) lÀsst seine Zukunft offen.
Schiedsrichter Felix Zwayer (r) lÀsst seine Zukunft offen. (Quelle: Bernd Thissen/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Spitzenschiedsrichter Felix Zwayer denkt ĂŒber ein Karriereende nach - einen Weg aus seinem Dilemma zeigt ihm im deutschen Fußball derzeit auch niemand auf.

Der 40 Jahre alte Berliner, der von seiner Rolle im Wett- und Manipulationsskandal um Robert Hoyzer eingeholt worden ist, hat sich tief getroffen von Anfeindungen erstmals öffentlich geĂ€ußert. Ob er nochmal in einem großen Stadion pfeifen wird, erscheint danach fraglich. "So einen Abschied, das hat kein Mensch verdient", sagte DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich.

"Ich habe vor mir einen Raum, der hat zwei TĂŒren. Der eine Weg fĂŒhrt mich zurĂŒck auf den Fußballplatz, und der andere Weg fĂŒhrt mich in ein ganz tolles, erfĂŒlltes Privatleben ohne diese Öffentlichkeit, ohne diesen Druck, ohne diesen Stress", sagte Zwayer in einem Interview bei Sky. "Ich erarbeite mir gerade den Weg. Ich werde völlig frei von zeitlichem Druck, von inhaltlichem Druck, von finanziellem Druck entscheiden können. DarĂŒber bin ich sehr froh."

Zwayer berichtet auch von Morddrohung

In dem Beitrag der Serie "Meine Geschichte" erzĂ€hlt Zwayer in leisen Worten von Beleidigungen in den sozialen Netzwerken und von einer Morddrohung, ĂŒber die ihn die Polizei benachrichtigt hat. "Ich bin belastet. Mental und psychisch", sagte der Immobilienkaufmann und Vater zweier kleiner Töchter, der derzeit Urlaub von der Schiedsrichter-TĂ€tigkeit genommen hat. Die Situation sei "schwer auszuhalten, ganz schwer auszuhalten".

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Zwayer spricht ausfĂŒhrlich ĂŒber die Geschichte, die ihn seit vielen Jahren begleitet und zuletzt fĂŒr eine Eskalation sorgte. Der Referee, der einst mit seinen Aussagen den Skandal um Hoyzer mit aufklĂ€rte, soll von dem spĂ€ter zu einer Haftstrafe verurteilten Protagonisten 300 Euro angenommen haben. Manipulation wurde ihm nicht nachgewiesen. Das DFB-Sportgericht sperrte ihn fĂŒr ein halbes Jahr, machte das Urteil aber merkwĂŒrdigerweise - kurz vor der WM 2006 im eigenen Land - nicht öffentlich.

Skandal um Hoyzer macht Zwayer zu schaffen

Zwayer bestreitet bis heute, Geld von Hoyzer genommen zu haben, wehrte sich aber damals auch nicht gegen das Urteil, weil er wieder pfeifen durfte. Und weil es ihm bis heute "aussichtslos erscheint, diesen Vorwurf wirklich ausrÀumen zu können".

In der Fußballszene war das alles sehr wohl bekannt und auch ab und zu thematisiert worden, auch international: Zwayer ist schließlich UEFA-Referee, FIFA-Referee und war bei der WM 2018 in Russland Video-Assistent. "Wer einmal Geld angenommen und Hoyzers Manipulation ein halbes Jahr verschwiegen hat, sollte keinen Profifußball pfeifen", kritisierte sein Unparteiischen-Kollege Manuel GrĂ€fe, bei dem Zwayer zu Karrierebeginn als Assistent an der Linie stand, vergangenen Juli in einem Interview des "Zeitmagazin".

Neue Eskalation bei BVB-Spiel

Erneut eskaliert war das Ganze nach dem Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern MĂŒnchen (2:3) Anfang Dezember vergangenen Jahres. BVB-Mittelfeldspieler Jude Bellingham attackierte Zwayer verbal: "Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal ein Spiel verschoben hat, das grĂ¶ĂŸte Spiel. Was soll man da erwarten?"

Der 18 Jahre alte Profi, der Zwayer damit indirekt Bestechlichkeit vorwarf, wurde deshalb mit einer Geldstrafe von 40.000 Euro belegt. "Ich möchte gerne insbesondere mit Jude Bellingham mich austauschen zu diesem Thema", sagte Zwayer nun und erneuerte damit sein GesprĂ€chsangebot. Dortmunds GeschĂ€ftsfĂŒhrer Hans-Joachim Watzke kĂŒndigte bei Sky an, Zwayer anzurufen. "Jetzt, wo das offensichtlich bei ihm auch ein bisschen tiefere Wirkung gezeigt hat, denke ich, dass wir mal direkt zum Hörer greifen. Es muss alles passen. Aber ich habe kein Problem, den ersten Schritt zu gehen."

Streitthema im Verband

Die Causa Zwayer ist aber lĂ€ngst viel mehr als ein Streit zwischen Borussia Dortmund und dem Referee - sondern auch eine Belastung fĂŒr den Verband. DFB-Schiedsrichter-Boss Fröhlich hofft, dass der Spielleiter vom SC Charlottenburg ein Comeback gibt. "Wir wĂŒnschen uns und wĂŒrden uns freuen, wenn Felix Zwayer uns und dem Fußball als Schiedsrichter erhalten bleibt", wird der 64-JĂ€hrige auf der Website des DFB zitiert. Fröhlich stellte aber auch klar: "Wir unterstĂŒtzen ihn nach besten KrĂ€ften, unabhĂ€ngig davon, ob er sich fĂŒr die Fortsetzung seiner Karriere als Schiedsrichter oder dagegen entscheidet."

Zwayer pausiert, "weil ich mich aktuell der Verantwortung, ein Bundesligaspiel zu leiten, nicht stellen kann". Fröhlich hatte zuletzt auch geĂ€ußert, man mĂŒsste "diese Geschichte rund um die Robert-Hoyzer-AffĂ€re irgendwann mal aufklĂ€ren". Doch das wird juristisch nicht möglich sein. "Der Fall ist rechtskrĂ€ftig abgeschlossen und es gibt keinen Grund, das Verfahren wieder aufzurollen", sagte der heutige DFB-Sportgerichts-Vorsitzende Hans E. Lorenz der Deutschen Presse-Agentur.

Mit öffentlichen Äußerungen ĂŒber die Zukunft Zwayers halten sich die meisten Beteiligten zurĂŒck. "Tief berĂŒhrt" hĂ€tten ihn die Aussagen seines Kollegen, sagte Top-Referee Deniz Aytekin bei Sky. "Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht, ob ich da noch die Freude hĂ€tte, weiter zu pfeifen", fĂŒgte der 43-JĂ€hrige hinzu. So mancher in der Branche sieht in GrĂ€fes Kritik einen Rachefeldzug, weil Zwayer auf der Karriereleiter irgendwann an ihm vorbei geklettert ist

Die anderen sagen, dass der Fußball so schnelllebig ist, dass Zwayer wieder zurĂŒck in ein Bundesliga-Stadion kann, wenn etwas Gras ĂŒber die Sache gewachsen ist. Einig sind sich alle, dass Zwayers internationaler Status massiv gelitten habe: FIFA-Schiedsrichter-Boss Pierluigi Collina, der ehemalige Topreferee aus Italien, ist ĂŒber alles informiert - und hat keine Lust, VorfĂ€lle wie mit Bellingham bei großen Fußballspielen zu erleben.

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