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Frohms: Der Nummer 1 ist MĂ€nnerfußball ziemlich schnuppe

Von dpa
Aktualisiert am 02.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Nummer 1 beim SC Freiburg und beim DFB: Merle Frohms.
Nummer 1 beim SC Freiburg und beim DFB: Merle Frohms. (Quelle: Patrick Seeger/dpa./dpa)
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Freiburg (dpa) - Der Arbeitsplatz von Deutschlands Nummer 1 liegt an einer mehrspurigen Ausfallstraße, gegenĂŒber ist ein Baumarkt und McDonald's.

Es ist erbĂ€rmlich kalt und regnet, als sich Merle Frohms eineinhalb Stunden lang mit zwei Mitspielerinnen des SC Freiburg immer wieder auf den matschigen Rasen wirft und zwischen Stangen, HĂŒtchen und Torpfosten hin und her hetzt. Vor ein paar Monaten spielte die neue TorhĂŒterin der Frauenfußball-Nationalmannschaft noch vor ĂŒber 77.000 im Wembley-Stadion. Der Trainingsalltag ist meist eine einsame Angelegenheit.

Beim Algarve-Cup in Portugal - die DFB-Auswahl startet am Mittwoch (18.00 Uhr MEZ) gegen Schweden - bestreitet Merle Frohms erstmals ein Turnier als gesetzte Nummer 1. Die langjĂ€hrige TorhĂŒterin Almuth Schult ist schwanger. Merle Frohms war frĂŒher auch ihre Stellvertreterin beim VfL Wolfsburg, ehe sie 2018 in den Breisgau wechselte, um mehr zu spielen. "Ich habe unglaublich gern mit ihr gearbeitet. Es war immer eine UnterstĂŒtzung da, das schĂ€tze ich sehr an ihr. Ich habe damals gemeinsam mit ihr fĂŒrs Mathe-Abi gelernt, dadurch ist ein Freundschaft entstanden", sagt Schult.

Merle Frohms, geboren in Celle, Studentin der Betriebswirtschaftslehre, ist jetzt 25. Bis sie 17 war, spielte sie bei den Jungs in der Bezirksliga mit. "Es war eine ganz andere Athletik, viel schneller, körperbetonter. Ich war am Ende das einzige MÀdchen in der gesamten Liga. Es war eine besondere Herausforderung zu zeigen: Es macht keinen Unterschied, ob da ein MÀdchen oder Junge im Tor steht."

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Danach durchlief Merle Frohms alle DFB-Auswahlteams von der U15 bis U20, hat inzwischen neun LĂ€nderspiele fĂŒr das A-Team bestritten. Beim 2:1-Sieg gegen England im November vor Rekordkulisse in London hielt sie einen Elfmeter. "Merle ist sehr fokussiert, will sich immer verbessern", sagt Freiburgs Torwarttrainerin Elke Walther, die einst auch deren Nationalmannschafts-Konkurrentin Laura Benkarth (inzwischen FC Bayern MĂŒnchen) beim Sportclub förderte.

"Ich hatte nie so den Traum: Boah, ich will mal Nationalmannschaft spielen. Das kam immer irgendwie so. Es war einfach meine Leidenschaft, ich habe es einfach gemacht", sagt Merle Frohms. Doch Fußball ist lĂ€ngst nicht alles im Leben fĂŒr die 1,73 Meter große TorhĂŒterin. Und MĂ€nnerfußball interessiert sie "nicht so". Ein Lieblingsverein in der Bundesliga? "Nee." Ein Vorbild, Manuel Neuer vielleicht? "Nee." Ob sie samstags die Sportschau verfolgt? "Überhaupt nicht. Selber spielen macht mir Spaß. Aber sonst widme ich mich in meiner Freizeit lieber etwas anderem."

Erst ein Mal war sie bei einem Spiel der MĂ€nner des SC Freiburg: Ihr Bruder hatte sie hingeschleppt gegen Schalke 04, weil er Fan der Königsblauen ist. Mit ihrem Clubkollegen Alexander Schwolow hatte sie noch keinen Kontakt, "aber wir arbeiten dran". Die SC-Frauen leben in ihrer eigenen Welt, weit weg vom ProfigeschĂ€ft der MĂ€nner. "Ich verfolg's ĂŒberhaupt nicht", versichert Merle Frohms. "Ich habe auch immer keine Ahnung: Wer gerade wohin gewechselt ist fĂŒr wie viel - da kann ich nicht mitreden."

Dabei ist sie eine Ă€hnlich ballsichere TorhĂŒterin wie Neuer - "ich habe lange Zeit im Feld mitgespielt". Nach dem Viertelfinal-Aus 2019 gegen Schweden bei der WM 2019 ist Merle Frohms und dem DFB-Team die Olympia-Teilnahme in diesem Jahr verwehrt - und das als Goldmedaillengewinner von Rio 2016. Beim Neuaufbau setzt Martina Voss-Tecklenburg auch auf die Freiburgerin. "Merle hat bei ihren Auftritten im Nationalteam bisher immer ĂŒberzeugt. Sie ist eine spielende Fußballerin, die sich etwas zutraut. Eine TorhĂŒterin, die auch mit dem Ball am Fuß unser Spiel schon entwickeln kann."

Gleichzeitig nimmt Martina Voss-Tecklenburg sie auch in die Pflicht: "Ich erwarte von Merle, dass sie sich nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes durchaus als Nummer 1 jetzt auch positioniert." Almuth Schult Ă€ußert sich Ă€hnlich. "Sie muss vielleicht noch ein bisschen mehr Selbstbewusstsein auf dem Platz entwickeln. Sie sollte mehr Vertrauen in ihre FĂ€higkeiten haben, denn eigentlich kann sie sehr, sehr viel", meint die Wolfsburgerin.

Um noch besser zu werden, trainiert Merle Frohms acht Mal in der Woche. Dabei sind zwei Einheiten nur Torwarttraining und einmal Krafttraining am Olympia-StĂŒtzpunkt. An diesem grauen Tag im Schönbergstadion verschwindet sie nass und verdreckt in der Kabine. Manchmal ist eine heiße Dusche so schön wie der Applaus von ĂŒber 77.000 in Wembley.

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