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WM 1974: Erste Heim-WM: Triumph und Begeisterung


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Erste Heim-WM: Triumph und Begeisterung

Von sid
Aktualisiert am 08.06.2018Lesedauer: 3 Min.
Franz Beckenbauer hält den Pokal hoch, daneben Paul Breitner und Sepp Maier.
Franz Beckenbauer hält den Pokal hoch, daneben Paul Breitner und Sepp Maier. (Quelle: imago-images-bilder)
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Die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland zog die Massen in Bann. 20 Jahre nach dem Wunder von Bern sollte wieder der WM-Titel geholt werden.

Genau 20 Jahre und drei Tage nach Fritz Walter (4. Juli 1954) hielt auch sein Nachfolger Franz Beckenbauer (7. Juli 1974) als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft die bedeutendste Trophäe des Fußballs in seinen Händen: Nach 1954 in Bern war Deutschland 1974 in München zum zweiten Mal Weltmeister geworden.

Was vormals Helmut Rahn angefangen hatte, vollendete "Bomber" Gerd Müller mit seinem Tor zum 2:1-Finalsieg gegen die Niederlande. 1974 stand der deutsche Fußball sicherlich auf seinem Höhepunkt: Weltmeister, zuvor schon 1972 Europameister, Bayern München Europapokalsieger der Landesmeister, die Bundesliga galt als beste Liga der Welt.

Ausgerechnet gegen die DDR

Wahrscheinlich war man in jenen Tagen sogar schon etwas zu satt, zu verwöhnt. Alles war zu glatt, zu problemlos gelaufen – trotz der 0:1-Niederlage ausgerechnet gegen die DDR in der Gruppenphase in Hamburg und des Ärgers um den Prämienpoker.

Bei aller Freude war klar zu spüren, dass der Jubel über den WM-Titel 1974 doch merklich hinter der Euphorie über das "Wunder von Bern" von 1954 zurückblieb. War das 3:2 über Ungarn 20 Jahre zuvor eine Sensation gewesen, hatte man diesmal den Sieg erwartet, ihn sogar gefordert.

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Rücktrittswelle nach WM-Sieg

Ein zweiter Platz wäre schon eine Enttäuschung gewesen. Hinzu kam noch am Abend des Finalsieges die kalte Dusche mit den Rücktritten von Gerd Müller und Paul Breitner. Wegen des Ausschlusses der Spieler-Damen vom offiziellen Bankett warfen beide dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) das Nationaltrikot vor die Füße. Auch Wolfgang Overath und Jürgen Grabowski verabschiedeten sich als Weltmeister.

Im Mittelpunkt aber standen unzweifelhaft Trainer Helmut Schön und Kapitän Franz Beckenbauer – wie 1954 Sepp Herberger und Fritz Walter. Das war sicherlich das große Erfolgsrezept: hier ein kluger Kopf außerhalb des Spielfeldes, der Ideen hatte, eine Strategie, dort auf dem Rasen ein brillanter Spieler, den technisches Können, kühle Übersicht und eigene Persönlichkeit zum Weltklassemann formten.

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Der Trainer mit dem verlängerten Arm auf dem Platz – das war das Geheimnis. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Konzept durch die Erfolgsgeschichte der Fußball-Weltmeister. Das begann schon vor dem Krieg 1934 und 1938 mit Vittoria Pozzo und Giuseppe Meazza in Italien, setzte sich fort 1954 und 1974 in Deutschland mit Herberger-Walter bzw. Schön-Beckenbauer, war sichtbar 1958, 1962 und 1970 mit Vincente Italo Feola-Pele und Mario Zagallo-Pele, führte 1966 England zum Triumph mit Alf Ramsey-Bobby Charlton, galt später genauso 1986 für Argentinien mit Carlos Bilardo-Diego Maradona oder 1990 wiederum für Deutschland mit Beckenbauer-Lothar Matthäus.

Unvergessen auch in Ungarn das große Duo Gusztav Sebes-Ferenc Puskas, das zwar 1954 in Bern bitter unterlag, aber vorher eine Erfolgsspur gelegt hatte, die in die Geschichte des Fußballs eingegangen ist. Rinus Michels-Johan Cruyff waren 1974 im WM-Finale bei den unterlegenen Niederländern, die sich noch heute für das beste Team des Turniers halten, ebenfalls ein solches Gespann. Auch 1978 in Argentinien Cesar Luis Menotti und Mario Kempes, als Holland im Finale wieder am WM-Gastgeber scheiterte, oder 1982 in Spanien, als Italien mit Enzo Bearzot und Paolo Rossi den dritten Welttitel gewann.

Organisation in nahezu perfekter Form

Zum vierten Mal hatte sich 1974 in München auch der Heimvorteil ausgewirkt: wie 1930 in Uruguay bei der WM-Premiere, 1934 in Italien, 1966 in England nun auch in Deutschland. 1978 sollte Argentinien und 1998 Frankreich folgen.

Für den deutschen Fußball aber brachte dieser Sieg 1974 noch eine andere Bestätigung, die zwei Jahre vorher schon die Olympischen Spiele 1972 an gleicher Stelle so ausgezeichnet hatte: Wieder einmal sprach die ganze Welt von der vollendeten deutschen Organisationskunst, wieder hatten sich die Gäste in nahezu perfekter Form wohlgefühlt.

Und noch eine Serie hatte sich 1974 fortgesetzt: Wer im WM-Finale das erste Tor schießt, der verliert. Nur selten hat das anders ausgesehen: Diesmal kam schon kurz nach dem Anpfiff die kalte Dusche für den späteren Weltmeister. Der niederländische Star Johan Cruyff wurde schon nach 90 Sekunden im Strafraum von Uli Hoeneß gefoult. Sofort deutete Schiedsrichter John Keith Taylor aus England auf den Elfmeterpunkt: Johan Neeskens ließ sich diese Chance nicht entgehen - 1:0 für Oranje.

Bis dahin hatte noch kein deutscher Spieler den Ball berührt... Doch dann schlugen Paul Breitner und Gerd Müller zu und kehrten den Spieß noch vor der Pause zum 2:1-Triumph für Deutschland um – wie 20 Jahre vorher Max Morlock und Helmut Rahn.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur sid
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