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Fußball - Neymars Spiel: Ein Tor, ein paar Schwalben und viele Tränen

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Unangenehm aufgefallen  

Neymars Spiel: Ein Tor, ein paar Schwalben und viele Tränen

22.06.2018, 20:53 Uhr | dpa

Fußball - Neymars Spiel: Ein Tor, ein paar Schwalben und viele Tränen. Superstar Neymar weiß sich in Szene zu setzen: Nach seiner Schwalbe wartet der Brasilianer auf die Auswertung des Videobeweises.

Superstar Neymar weiß sich in Szene zu setzen: Nach seiner Schwalbe wartet der Brasilianer auf die Auswertung des Videobeweises. Foto: Federico Gambarini. (Quelle: dpa)

St. Petersburg (dpa) - Die Spaghetti-Haare sind kürzer, die Theatralik und das Star-Gehabe sind jedoch weiterhin allgegenwärtig: Als er nach dem Schlusspfiff beim 2:0 (0:0) gegen Costa Rica auf die Knie fiel, die Hände vors Gesicht hielt und schluchzte, zog Neymar wieder alle Blicke auf sich.

Es mag vieles abgefallen sein vom brasilianischen Superstar, doch irgendwie wirkte es wie die perfekte Inszenierung. Wieder einmal. Was dabei beinahe vergessen wurde: Neymar hatte in der siebten Minute der Nachspielzeit zwar sein erstes WM-Tor seit der Vorrunde 2014 erzielt. Doch der Eisbrecher beim wichtigen Sieg für den nun greifbaren Achtelfinal-Einzug war der teuerste Fußballer der Welt gegen leidenschaftlich verteidigende Costa-Ricaner nicht.

Das war wieder einmal der überragende Philippe Coutinho (90.+1), der mit 120 Millionen Euro beim Wechsel von Liverpool nach Barcelona auch nur 100 Millionen billiger war als Neymar, dafür aber zielstrebiger, schnörkelloser und durchaus im Sinne des Fair-Plays agierte. Selbst die sonst vor allem auf Namen achtenden Internet-Wähler kürten ihn und nicht Neymar zum Mann des Spiels. Wie schon beim 1:1 gegen die Schweiz, als der 26-Jährige ebenfalls das Führungstor erzielt hatte.

Neymar war dagegen am Freitag gleich mehrfach unangenehm aufgefallen. Mit einer von mehreren Schwalben an diesem Tag hätte er beinahe einen Foulelfmeter erhalten, den er auch selbst schießen wollte. Doch Schiedsrichter Björn Kuipers revidierte seine Entscheidung nach Ansicht der TV-Bilder. Nach mehrfachem Lamentieren, Diskustieren und Monieren erhielt Neymar schließlich die Gelbe Karte, als er den Ball vor Wut auf den Boden schmetterte. Nach seinem Tor machte er in Richtung Publikum die Kopf-Ab-Geste. In den sozialen Netzwerken wurde der 26-Jährige anschließend als Kind, Schauspieler oder Schwalbenkönig bezeichnet.

Zur Inszenierung passte auch der Instagram-Post, den Neymar offenbar noch aus der Kabine absetzte. "Nicht alle wissen, was ich durchgemacht habe, um es hierhin zu schaffen. Sprechen können sogar Papageien, aber machen können nur die wenigsten", schrieb er: "Die Tränen kamen aus Freude, Ehrgeiz, Kampfgeist und wegen der Lust am Gewinnen. In meinem Leben waren die Dinge nie einfach und sie waren es auch jetzt nicht. Der Traum geht weiter. Oder besser nicht der Traum... sondern das Ziel!!!"

Trainer Tite sah derweil nur das ewige Lamentieren kritisch. "Ich habe vor dem Spiel extra noch gesagt, dass wir uns nicht so oft beschweren, sondern konzentriert bleiben sollen", sagte er. Die sportliche Leistung Neymars fand er aufgrund des Ende Februars erlittenen Mittelfußbruches beachtlich. "Er ist dreieinhalb Monate verletzt ausgefallen. Er ist ein Mensch, er braucht Zeit", erklärte der 57-Jährige: "Aber er nähert sich seinem wahren Leistungsvermögen an. Und er wird es hier sicher noch erreichen."

Die Tränen nach dem Spiel wertete der Coach als Zeichen der Stärke. "In der Seleção zu spielen, macht ihn stolz und viel Spaß. Er hat aber auch großen Druck. Und er hat den Mut, das auch zu zeigen", sagte Tite: "Er ist sehr emotional, und ich respektiere die verschiedenen Charaktere."

Schmunzeln musste Tite, als er auf seinen Jubellauf nach dem 1:0 angesprochen wurde. Der 57-Jährige war weggerutscht und kopfüber hingefallen. "Ich bin vor Freude losgelaufen, dann bin ich gestolpert", sagte er: "Zurück musste ich hinken."

Weniger zum Lachen zumute war den Lateinamerikanern. Vor vier Jahren noch Viertelfinalist, sind sie nun schon nach zwei Spielen ohne Tor und Punkt sicher ausgeschieden. "Der größte Unterschied zu 2014 war, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben", sagte Trainer Óscar Ramírez und versprach: "Wir werden im letzten Spiel gegen die Schweiz trotzdem alles geben. Das gebietet schon unser Stolz."

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