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Nationalmannschaft: Joshua Kimmich – Der neue DFB-Anführer

Der neue DFB-Anführer  

Hallo, ich bin jetzt hier der Chef

Nationalmannschaft: Joshua Kimmich – Der neue DFB-Anführer. Joshua Kimmich: Der Mittelfeldmann mutiert immer mehr zum Leitwolf der Nationalmannschaft. (Quelle: imago images/Jan Huebner)

Joshua Kimmich: Der Mittelfeldmann mutiert immer mehr zum Leitwolf der Nationalmannschaft. (Quelle: Jan Huebner/imago images)

Joshua Kimmich ist schon seit einiger Zeit der Taktgeber und Stratege im DFB-Team. Doch der Sechser vom FC Bayern ist inzwischen noch mehr. Er wird zum Anführer einer neuen Nationalelf.

Es war keine Frage, wer den Strafstoß schießen würde. Fokussiert und entschlossen lief Joshua Kimmich kurz nach dem Pfiff von Schiedsrichter Cüneyt Çakir zum Ball und ging mit ihm in Richtung Elfmeterpunkt. Kein Mitspieler hielt ihn auf und fragte ihn, ob nicht er schießen dürfe. Die Sache war klar.

Wenige Sekunden später stand Kimmich bereit – die Arme in die Hüfte gestemmt, der Blick klar auf den Schiedsrichter gerichtet. Es fehlte nur noch die Freigabe. Minutenlang musste er sich gedulden, wollte Deutschland früh in der WM-Qualifikation gegen Rumänien in Führung schießen. Doch aus dem Strafstoß wurde nichts. Schiedsrichter Çakir nahm seine Entscheidung in der 8. Minute nach Ansicht der Videobilder zurück. Es blieb also vorerst beim 0:0.

Doch Kimmich lamentierte nicht, akzeptierte die Entscheidung und schaltete wieder auf Normalbetrieb um. So, wie es sich für einen Kapitän gehört. 

Ein inzwischen gewohntes Bild

Es war nicht das erste Mal, dass der 26-Jährige die Binde am Arm trug. Sein Debüt feierte er 2017 beim Confed Cup. Damals war ihm die "Aufgabe" aber eigentlich zu groß, erklärte Kimmich vor einem Monat scherzhaft: "Ich musste sie (die Kapitänsbinde, Anm. d. Red.) mit einer Klammer enger machen und habe gesagt, dass bis zum nächsten Mal der Bizeps wachsen muss."

Seitdem lief er zweimal sogar als Kapitän auf. 2019 bei einem Testspiel gegen Argentinien, als Führungsspieler wie Toni Kroos (Verletzung), Thomas Müller (Ausbootung) und Manuel Neuer (Bank) nicht spielten. Und auch beim Debüt von Hansi Flick als Bundestrainer gegen Liechtenstein im September vertrat Kimmich die verletzten Manuel Neuer und Thomas Müller. 

So war es für die 25.000 Zuschauer in Hamburg am Freitag kein ungewohntes Bild mit Kimmich an der Spitze beim Einlaufen der Mannschaften ins Volksparkstadion. Wieder fehlte Neuer verletzt, Müller nahm zunächst auf der Bank Platz.

Kimmich merkte, was der Mannschaft fehlte

In den 90 Minuten lebte Kimmich die Rolle genauso aus, wie sich Coach Flick das wohl auch vorgestellt hatte. Er organisierte das Spiel, gab seinen Teamkollegen Anweisungen und ging auch mit Leistung voran.

Wenn Kimmich etwas auffiel, sprach er es direkt an. (Quelle: imago images/MIS)Wenn Kimmich etwas auffiel, sprach er es direkt an. (Quelle: MIS/imago images)

Der Sechser des FC Bayern hatte mit Abstand die meisten Ballkontakte im DFB-Team (160), der zweitplatzierte Thilo Kehrer hatte 40 weniger, brachte 91 Prozent seiner Pässe an den Mann und war dazu auch noch zweikampfstark (75 Prozent). Kimmich merkte genau, was die Mannschaft brauchte. Mal holte er einen Freistoß heraus, wenn das Spiel hektisch wurde. Mal setzte er einen der schnellen Flügelstürmer in Szene, wenn die deutsche Offensive träge im Umschaltspiel war. Und als in der Nachspielzeit der ersten Hälfte im rumänischen Strafraum kein Teamkollege anspielbar war, nahm er sich auch mal aus der zweiten Reihe ein Herz, auch wenn sein Versuch erfolglos blieb.

"Sauber, Junge"

Kimmich zeigte das, was auch Hansi Flick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel als Schlüssel zum Sieg bezeichnete: Mentalität. Der Rückstand entmutigte ihn nicht, ließ ihn nicht hadern. Er leistete weiter das, was von ihm erwartet wurde – und bereitete mit seinem Eckball auch indirekt das 2:1-Siegtor durch Thomas Müller vor. Kimmich wollte diese drei Punkte um jeden Preis. Das merkte man ihm nach dem Abpfiff an. Während andere Nationalspieler teils regungslos da standen und zurückhaltend mit den Teamkollegen abklatschten, lief der Kapitän mit geballten Fäusten und angespannten Armen auf Leon Goretzka zu und ließ einen Jubelschrei raus.

Zwei, die sich verstehen: Joshua Kimmich (l.) und Leon Goretzka. (Quelle: imago images/Uwe Kraft)Zwei, die sich verstehen: Joshua Kimmich (l.) und Leon Goretzka. (Quelle: Uwe Kraft/imago images)

Er ging auf jeden einzelnen seiner Mitspieler zu, klatschte mit ihnen ab und für Jungstar Karim Adeyemi gab es nach dessen Kurzeinsatz noch ein: "Sauber, Junge".

Auch wenn Kimmich bewusst war, dass Manuel Neuer nach seiner Genesung wieder die Binde am Arm tragen würde, verkörperte er die Rolle, als wäre er in jedem Länderspiel Kapitän. Es ist der nächste Schritt in einer Entwicklung zum zukünftigen Häuptling der Nationalelf.

Zweifellos ist Kimmich schon jetzt einer der Köpfe im Team und vielleicht auch Flicks Schlüsselspieler auf dem Platz. Doch auch sein Wert in der Kabine steigt immer weiter. Deshalb wird der Bundestrainer auch an seinen Aushilfskapitän gedacht haben, als er mit Blick auf das kommende Spiel gegen Nordmazedonien sagte: "Am Montag brauchen wir genau so eine Mentalität wie heute."

Verwendete Quellen:
  • Beobachtungen vor Ort
  • Statistiken zur Partie via Fotmob, Kicker und whoscored.com
  • Übertragung der Partie auf DAZN
  • Pressekonferenz mit Joshua Kimmich am 1. September 2021
  • Pressekonferenz mit Hansi Flick am 8. Oktober 2021
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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