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Weltmeisterlich bescheiden: Als Fritz Walter für immer ging

Von Florian Vonholdt

17.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Fritz Walter: Der größte Moment in seinem Fußballerleben war der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954. Links hinter ihm: Sein Lauterer Mannschaftskollege Horst Eckel.
Fritz Walter: Der größte Moment in seinem Fußballerleben war der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954. Links hinter ihm: Sein Lauterer Mannschaftskollege Horst Eckel. (Quelle: Pressefoto Baumann/imago-images-bilder)
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Am 17. Juni 2002 starb Fritz Walter im Alter von 81 Jahren. Walter stand wie kein Zweiter für Bodenständigkeit und wird heute noch verehrt. Und zwar weit über die Grenzen der Pfalz hinaus.

Als seine geliebte Frau Italia am 14. Dezember 2001 verstirbt, verliert auch Fritz Walter seinen Lebensmut. Nur ein halbes Jahr später geht auch einer der größten Fußballer für immer von dieser Welt. 53 Jahre waren die beiden verheiratet gewesen.

Am 17. Juni 2002, während die WM in Japan und Südkorea läuft, hört das Herz jenes Mannes zu schlagen auf, dem Fußball-Deutschland in den Nachkriegsjahren so viel zu verdanken hat wie keinem anderen. Den Einzug ins Endspiel der Völler-Elf sieht er aus dem Himmel.

Zwei Tage vor Walters Tod gewinnt Deutschland im WM-Achtelfinale gegen Paraguay durch ein Tor des Ex-Lauterers Michael Ballack mit 1:0. Bei diesem Turnier geht aber der Stern eines anderen FCK-Spielers auf, der von Miroslav Klose. In seinem bescheidenen und zurückhaltendem Wesen erinnert er an das große Pfälzer Idol, zu dem auch der junge Miro aufschaut, ihn verehrt. Fünf Tore gelingen Klose in Fernost. Es sind die ersten auf dem Weg zum besten WM-Torschützen der Geschichte. 14 Mal trifft er insgesamt.

Klose trägt Walter "immer im Herzen"

Klose berührte der Tod Walters besonders. Oft hatten sie sich in Kaiserslautern getroffen, sich ausgetauscht. Klose sagte damals: "Er war ein toller Mensch. Ich habe ihn zwar nicht mehr als Fußballer erlebt, aber was er für Kaiserslautern und die Nationalmannschaft getan hat, war großartig. Ich habe einen riesigen Respekt vor ihm und werde ihn immer in meinem Herzen tragen."

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Fritz Walter mit seiner Ehefrau Italia vor einer Fotowand mit dem wohl legendärsten Tor seiner Karriere – dem Hackentreffer, den er für Kaiserslautern 1956 im Spiel gegen Wismut Karl-Marx-Stadt in Leipzig erzielte.
Fritz Walter mit seiner Ehefrau Italia vor einer Fotowand mit dem wohl legendärsten Tor seiner Karriere – dem Hackentreffer, den er für Kaiserslautern 1956 im Spiel gegen Wismut Karl-Marx-Stadt in Leipzig erzielte. (Quelle: Hasenkopf/imago-images-bilder)

20 Jahre ist das nun her. Walters Vermächtnis ist noch immer allgegenwärtig. Sucht man nach Musterbeispielen für Bodenständigkeit, Kameradschaft, Fairness oder Vereinstreue, fällt als Erstes der Name Fritz Walter, der nur von seinen engen Freunden Friedrich genannt wird. Der erste Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, dessen Namen das Stadion in Kaiserslautern seit 1985 trägt. Wenn Fußballer von "Fritz-Walter-Wetter" sprechen, weiß jeder: Es regnet.

Nach Walters Tod, als fehle ihm der Schutzpatron, begann auch der Niedergang "seines" FCK. Der Traditionsverein wurde gar bis in die 3. Liga durchgereicht, verbrachte dort die vergangenen vier Jahre und schaffte erst vor wenigen Wochen die ersehnte Rückkehr in die 2. Bundesliga.

Auf alle Zeiten untrennbar ist Walters Name mit dem WM-Titel von 1954 verbunden. Unvergessen, mit welch tiefer Verneigung, fast entschuldigend, er die WM-Trophäe in Bern vom damaligen Fifa-Präsidenten Jules Rimet in Empfang nahm.

"Er hat sich nie für etwas Besseres gehalten"

Nicht wenige halten das Wunder von Bern für die eigentliche Gründung der Bundesrepublik nach Ende des Zweiten Weltkriegs, verlieh der Erfolg vielen Leuten doch Freude, Lebensmut und neues Selbstbewusstsein. Walters langjähriger Weggefährte Horst Eckel, der Ende 2021 als letzter Held von Bern verstarb, prägte den Satz: "Wir waren wieder wer."

Drei Lauterer Legenden: Werner Liebrich, Fritz Walter (v.l.) feiern mit Horst Eckel dessen 50. Geburtstag im Jahr 1982.
Drei Lauterer Legenden: Werner Liebrich, Fritz Walter (v.l.) feiern mit Horst Eckel dessen 50. Geburtstag im Jahr 1982. (Quelle: Ferdi Hartung/imago-images-bilder)

Doch auf den Erfolg bildete sich niemand etwas ein. Dafür sorgte Walter höchstselbst. Denn, so sagte Eckel einmal über seinen Kapitän: "Er hat sich nie für etwas Besseres gehalten."

Dabei brauchte sich Walter vor niemandem zu verstecken, weder auf dem Platz noch abseits davon. Doch der ewige Lauterer gehörte unter ihnen eher zu den leiseren. Und wurde – wohl gerade deshalb – ihr größter. Auch noch zwei Jahrzehnte nach seinem Tod ist das so.

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  • Jannik Meyer
Von Jannik Meyer
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