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Olympia 2021: Deutsche Spitzensportler um Mihambo und Röhler schlagen Alarm


Die Zukunft des Sports in Deutschland: "Es ist beängstigend"


26.02.2021Lesedauer: 3 Min.
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Weitsprung-Weltmeisterin Mihambo (l.) und Speerwurf-Olympiasieger Röhler: Die deutschen Topathleten leben in Bezug auf die Olympischen Spiele in Ungewissheit.Vergrößern des Bildes
Weitsprung-Weltmeisterin Mihambo (l.) und Speerwurf-Olympiasieger Röhler: Die deutschen Topathleten leben in Bezug auf die Olympischen Spiele in Ungewissheit. (Quelle: Xinhua/Laci Perenyi/t-online/imago-images-bilder)

Im Sommer sollen die Olympischen Spiele stattfinden. Sicher sein können sich die Athleten aber nicht. Bei t-online berichten einige vom Training in Ungewissheit und einem System, das Schaden nimmt.

Olympiasieger Thomas Röhler hat im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie keinen einzigen Wettkampf bestritten – seine Speere lagert er aktuell im Keller. Und trotzdem möchte er im Jahr 2021 bei den Olympischen Spielen im japanischen Tokio eine Medaille gewinnen. Doch wird das auch gelingen?

Die Situation Röhlers steht stellvertretend für die von so vielen deutschen Leichtathleten. Denn es herrscht große Ungewissheit.

Die meisten von ihnen haben das olympische Turnier weiterhin fest im Blick. Sie trainieren – so gut es eben geht. Doch in Tokio herrscht aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin der Notstand. Und Röhler beobachtet bei vielen seiner Kollegen eine gewisse Nervosität aufgrund der unklaren Lage in Japan. "Das macht viele Coaches und Athleten mürbe", sagt er.

Mihambo: "Das ist eine große Umstellung"

Auch Deutschlands Weitsprung-Star Malaika Mihambo ist sich der aktuellen Situation bewusst: "Mit dieser Unsicherheit zu leben, ist das, was wir in der Pandemie lernen müssen. Gerade für Sportler, die bisher immer auf die großen Wettkämpfe hingearbeitet haben, ist das eine große Umstellung ", sagt sie zu t-online. Mihambo ergänzt: "Leistungssport in der Pandemie ist ein wahrer Balanceakt."

Und Mihambo nennt ein weiteres der aktuell zahlreichen Probleme deutscher Olympia-Hoffnungen: "Viel allein zu trainieren ist erst einmal gewöhnungsbedürftig und zerrt auch an manchen Tagen an der Motivation. Letztendlich liegt es aber jeden Tag aufs Neue an mir selbst, das Beste aus der Situation zu machen."

Auch Röhler vermisst es, als Team im Training zu agieren. "Es fehlt das Gemeinschaftliche im Sport, was ich eigentlich so liebe. Die volle Halle, die Kids, die trainieren. Es ist nicht einsam, aber es fühlt sich ungewöhnlich an, wenn die Halle so leer ist."

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Röhler: "Man ist still, weil wir die Lage zu schätzen wissen"

Der Speerwurf-Europameister von 2018 beschreibt einen Gewissenskonflikt: "Was ich relativ schwierig finde, ist der Fakt, dass wir trainieren und so viele Menschen da draußen keinen Sport machen dürfen. Man ist still, man sieht von den Sportlern weniger als gewohnt, weil wir die Lage zu schätzen wissen, aber auch weil wir kein Salz in die Wunde streuen wollen."

Anders als die Spitzensportler müssen viele Kinder und Amateure aufgrund der Corona-Beschränkungen aktuell komplett auf ihren Sport verzichten. Auch deshalb macht sich Röhler Sorgen um die allgemeine Situation und vor allem die Zukunft des Sports in Deutschland.

Röhler erklärt: "Wir haben 2020 schon einen großen Einbruch des organisierten Sports gesehen. Im Sport braucht man eine gesunde Pyramide an Breitensport, Nachwuchssport und Nachwuchsleistungssport – und die Spitze. Wenn dort Generationen Angebote fehlen, dann hat das immer Auswirkungen auf alle Bereiche."

Eine Situation, die auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann beschäftigt. "Es ist beängstigend, was da im Kinder- und Nachwuchsbereich offenkundig wird", sagt er zu t-online. "Es gibt momentan so gut wie keine neuen Mitglieder in den Vereinen. Auf der anderen Seite treten viele aus. Das erleben wir im Breiten- und im Leistungssport. Es wird in den Ligen zu ganz erheblichen Veränderungen kommen. Viele hoffnungsvolle Nachwuchsathleten werden uns verloren gehen. Ganze Jahrgänge werden deutlich geschwächt in die Zukunft gehen."

Röhler: "Es fehlen am Ende auch Talente"

Ein Szenario, das auch Röhler kommen sieht: "Kleine Vereine können keine Wettbewerbe machen. Dementsprechend fehlen am Ende auch Talente. Es fehlt die professionelle Anleitung und eines Tages haben wir einfach keine Topsportler mehr. Wir müssen zusehen, dass das System die Schäden verdaut, die durch den Stillstand entstehen."

Ein Teil der Lösung könnte die Austragung der Olympischen Spiele 2021 in Tokio sein. Denn bessere Werbung für den Sport als ein Großturnier gibt es wohl nicht.

Ob es am Ende wirklich so kommt und sich deutsche Sportfans in diesem Sommer vor dem Fernseher über die herausragenden Leistungen von Mihambo, Röhler und Co. in Japan freuen dürfen, ist jedoch völlig offen.

Klar ist nur eines: Die große Ungewissheit wird bleiben. Zumindest noch eine Weile.

Verwendete Quellen
  • Interview mit Thomas Röhler
  • Eigene Stimme von Malaika Mihambo
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