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Eklat um Tennisstar: Serbiens Präsident kämpft für Djokovic

Von sid, t-online, ak

Aktualisiert am 06.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Novak Djokovic: Der Tennis-Profi ist wohl nicht geimpft.
Novak Djokovic: Der Tennis-Profi ist wohl nicht geimpft. (Quelle: NurPhoto/imago-images-bilder)
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Am 17. Januar starten die Australian Open. Im Rampenlicht schon vor dem Turnier: Novak Djokovic. Der Weltranglistenerste hat massive Probleme mit der Einreise nach Australien. Es geht um seinen Impfstatus.

Die Hängepartie Down Under nahm kein Ende. Auch als in Australien schon der Morgen graute, saß Serbiens Tennisstar Novak Djokovic mit dem falschen Visum immer noch am Flughafen von Melbourne fest. Dann berichteten serbische und australische Medien, dass dem Spieler die Einreise verweigert wurde. Und das wurde wenig später auch von den Behörden bestätigt.

Der australische Grenzschutz (Australian Border Force) erklärte in einem Vierzeiler, dass "Herr Djokovic die Einreisebedingungen nicht erfüllt hat und sein Visum daraufhin annulliert wurde". Nicht-Staatsbürger, die bei der Einreise kein gültiges Visum besitzen oder deren Visum annulliert wurde, "werden festgesetzt und aus Australien ausgewiesen", hieß es in der Mitteilung. Titelverteidigung ade! Angeblich läuft aber noch ein Einspruch der Anwälte.

Telefonat mit dem Präsidenten

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hatte am Mittwochabend auf die Situation reagiert und sich auf die Seite seines Landmannes geschlagen. "Ich habe ein Telefongespräch mit ihm geführt und ihm gesagt, dass ganz Serbien bei ihm ist", schrieb Vucic bei Instagram.

Er fuhr fort: "Unsere Behörden werden alle Maßnahmen ergreifen, um die Belästigung des besten Tennisspielers der Welt in kürzester Zeit zu stoppen. In Übereinstimmung mit allen Normen des internationalen Rechts wird Serbien für Novak Djokovic, für Gerechtigkeit und Wahrheit kämpfen."

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Medialer Aufschrei über Ausnahmegenehmigung

Bevor Djokovic überhaupt einen Fuß auf den fünften Kontinent gesetzt hatte, war dem neuen "Bösewicht" blanke Wut entgegengeschlagen. "Kranke Heuchelei", eine "schallende Ohrfeige" und eine "Beleidigung für jeden Australier" – der mediale Aufschrei über die Ausnahmegenehmigung war gewaltig.

Wie die Zeitung "The Age" berichtete, versuchte Djokovic mit einem Visum einzureisen, das keine medizinischen Ausnahmen für ungeimpfte Personen zulässt. Doch mit genau einer solchen Ausnahmegenehmigung wollte der Titelverteidiger beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres (ab 17. Januar) auf Rekordjagd gehen. Und da die Regierung des Bundesstaates Victoria Unterstützung zur schnelleren Klärung des Problems abgelehnt hatte, wie Sportministerin Jaala Pulford auf Twitter klarstellte, verzögerte sich Djokovics Einreise.

Der Start der ganz offensichtlich ungeimpften Nummer eins der Welt bei den Australian Open ist Down Under längst zu einem Politikum auf allerhöchster Ebene angewachsen. Sogar Australiens Ministerpräsident Scott Morrison ließ öffentlich Zweifel an der Grundlage für die medizinische Ausnahmegenehmigung durchblicken. "Wenn diese Beweise nicht ausreichen, dann wird er nicht anders behandelt als alle anderen und sitzt im nächsten Flugzeug nach Hause", sagte der Regierungschef am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Turnierdirektor: "Keine Sonderbehandlung für Novak"

Damit sprach er seinen Landsleuten, die während der Corona-Pandemie durch zahlreiche strikte Lockdowns und strenge Einreiseregelungen selbst für Einheimische immense Entbehrungen hinnehmen mussten, aus der Seele. "Für Novak Djokovic sollte es überhaupt keine Sonderregelungen geben. Überhaupt keine", sagte Morrison – und brachte damit auch Craig Tiley, Turnierdirektor der Australian Open, in Erklärungsnot.

"Niemand wurde besonders begünstigt, es gab keine Sonderbehandlung für Novak", verteidigte sich Tiley. Schließlich hätten zwei vom Bundesstaat Victoria und Tennis Australia unabhängige medizinische Expertengremien in Unkenntnis von Namen dem Weltranglistenersten die Sondergenehmigung für den Start bei den Australian Open erteilt. Ohne Ausnahmeerlaubnis dürfen dort nur vollständig geimpfte Profis aufschlagen.


Und doch forderte der Turnierboss Djokovic dazu auf, die Hintergründe offenzulegen. "Es wäre sehr hilfreich, wenn Novak erklären würde, auf welcher Grundlage er die Ausnahmegenehmigung beantragt und erhalten hat", sagte Tiley.

Die Kriterien für eine solche Sondererlaubnis sind äußerst streng, sodass eigentlich nur schwer kranke Menschen von der Impfpflicht ausgenommen werden – etwa wegen Herzproblemen oder gravierenden Operationen in jüngster Vergangenheit. Auch eine Corona-Infektion in den vergangenen sechs Monaten berechtigt zu einer medizinischen Ausnahmegenehmigung.

Rätsel um den Impfstatus

Von Djokovic ist öffentlich aber nur eine Infektion aus dem Sommer 2020 bekannt. Seinen Impfstatus hatte der 34-Jährige, der sich in Melbourne zum alleinigen Grand-Slam-Rekordchampion krönen will, nie veröffentlicht.


Das Unverständnis in der australischen Bevölkerung – Zuschauer dürfen übrigens nur vollständig geimpft in die Stadien – über die Ausnahme für den besten Tennisspieler der Welt ist schon jetzt riesig, der Blick in die Gazetten gab ein gutes Stimmungsbild ab. "Regeln sind Regeln – es sei denn, man ist reich und berühmt wie Djokovic", schrieb die Zeitung The Age.

Scharfe Kritik von einigen australischen Medien

Die "Courier Mail titelte" "You must be Djoking" (übersetzt: Das soll wohl ein Scherz sein), und die "Canberra Times" beschrieb die Gefühlslage der Australier: "Entsetzt, vielleicht. Wütend, ja. Frustriert, enttäuscht, angewidert, mit dem Gefühl, dass wir alle gerade eine schallende Ohrfeige bekommen haben."

Der ehemalige australische Tennisprofi Sam Groth sprach in einer Kolumne für "Herald Sun" von "kranker Heuchelei". Djokovics Teilnahme an den Australian Open sei "eine Beleidigung für jeden Australier, der wegen COVID durch die Hölle gegangen ist".

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Und "The West Australian" schrieb Djokovic bereits eine filmreife Rolle für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres zu. "Der Djoker", kommentierte das Blatt, "hat sich in den Joker verwandelt und sich schamlos die Rolle des Bösewichts zugewiesen."

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