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Rodel-Star Felix Loch: "Beim IOC entscheidet Geld. Nicht der Verstand"

INTERVIEWRodel-Star Felix Loch  

Scharfe Kritik: "Beim IOC entscheidet das Geld, nicht der Verstand"

Vom Königssee berichtet Tobias Ruf

03.10.2018, 07:59 Uhr
Rodel-Star Felix Loch: "Beim IOC entscheidet Geld. Nicht der Verstand". Felix Loch ist einer der erfolgreichsten Rennrodler aller Zeiten. Der 29-Jährige gewann drei olympische Goldmedaillen, zwölf WM-Titel und sechs Gesamtweltcups. (Quelle: imago images/Martin Hoffmann)

Felix Loch ist einer der erfolgreichsten Rennrodler aller Zeiten. Der 29-Jährige gewann drei olympische Goldmedaillen, zwölf WM-Titel und sechs Gesamtweltcups. (Quelle: Martin Hoffmann/imago images)

Felix Loch spricht Klartext. Der mehrfache Rodel-Olympiasieger geht mit dem Internationalen Olympischen Komitee scharf ins Gericht. Und macht deutlich, wie davon auch sein Karriereplan abhängt.

Im November geht Felix Loch in seine 13. Weltcup-Saison als Rennrodler. Der dreifache Olympiasieger und sechsfache Gesamtweltcupsieger macht sich im Vorfeld der neuen Saison aber auch Gedanken um die Zukunft des Sports und der Olympischen Bewegung. Im Interview mit t-online.de vertritt der 29-Jährige eine klare Position.

Herr Loch, viele Wintersportler kritisieren das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die Vergabe der Winterspiele an Orte ohne Wintersport-Infrastruktur. Wie stehen Sie zu dieser Thematik?

Felix Loch: Ich teile diese Kritik. Das IOC hat dem Sport mit den Entscheidungen in den vergangenen Jahren keinen Gefallen getan. Bei der Vergabe der Spiele 2018 nach Pyeongchang und 2022 nach Peking standen die finanziellen Interessen seitens des IOC im Vordergrund. Die für den Sport wichtigeren Faktoren wurden aber nicht berücksichtigt.

Welche Faktoren meinen Sie?

Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein haben bei den Entscheidungen des IOC keine Rolle gespielt. Da entscheidet das Geld, nicht der Verstand. Es werden Sportstätten aus dem Boden gestampft, die nach den Spielen keine Verwendung mehr finden. Nehmen wir das Beispiel Pyeongchang. Dort wurde eine neue Bahn extra für Olympia gebaut. Ob auf dieser Bahn aber je noch einmal ein Rennen ausgetragen wird, halte ich für unwahrscheinlich. Und ähnlich wird es auch in Peking sein.

Was wäre denn die sinnvollere Alternative?

Der Sport muss wieder im Vordergrund stehen. Wir haben in vielen Ländern viele Sportstätten, die schon stehen. Und die auch noch regelmäßig in Betrieb sind. Diese sollten wir auf den neuesten Stand bringen. Das wäre eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Kosten für Großereignisse würden deutlich reduziert werden. Die Anlagen wären in bestem Zustand und könnten auch nach Olympia genutzt werden.

Felix Loch (l:) und t-online.de-Reporter Tobias Ruf am Königssee. (Quelle: t-online.de)Felix Loch (l:) und t-online.de-Reporter Tobias Ruf am Königssee. (Quelle: t-online.de)

Können Sie als Sportler auf die Entscheidungen des IOC Einfluss nehmen?

Als Sportler ist man in diesem System gefangen. Wenn ich jetzt sage, dass ich die Spiele in Peking boykottiere, fährt ein anderer hin. Das kann auch nicht der Lösungsansatz sein. Als Athlet arbeitet man lange und hart auf diese Großereignisse hin. Für uns hat der Sport Priorität, nicht der Austragungsort. Daher müssen wir die Entscheidungen von oben akzeptieren und uns leider auch vor Ort den nicht immer sinnvollen Vorgaben anpassen.

Welche Vorgaben sind das?

Es ist uns nicht gestattet, während der Spiele unsere privaten Sponsoren zu präsentieren. Einzig die Sponsoren des IOC dürfen sichtbar sein. Sogar unsere Profile in den sozialen Medien werden während der Spiele stark reglementiert. Das ist in meinen Augen nicht nachvollziehbar, da es dem Sport schadet und auch indirekten Einfluss auf die sportliche Qualität hat.

Inwiefern?

Wir müssen unseren Sport auch über private Sponsoren finanzieren. Und wenn wir diese während der wichtigsten Rennen unserer Karriere nicht präsentieren dürfen, macht das die Suche nach Sponsoren natürlich nicht leichter. Viele Athleten tun sich ohnehin schwer, ihre Karriere zu finanzieren. Da sind solche Einschränkungen eine zusätzliche Belastung.

Haben Sie selbst auch schon Erfahrungen in diese Richtung gemacht?

Zum Glück nicht. Ich bin froh, dass ich verlässliche Partner an meiner Seite habe, die mich konsequent unterstützen.

Trotz all der Kritik bleibt Peking 2022 aber ein Ziel…

Wenn der Körper mitspielt, werde ich auf jeden Fall bis Peking weitermachen. Danach werde ich sehen, wie es weitergeht. Das hängt auch mit dem Austragungsort der Olympischen Spiele 2026 zusammen. Wenn die Spiele an einen traditionellen Wintersportort vergeben werden, will ich meine Karriere bis dahin fortsetzen.

Haben Sie einen konkreten Favoriten für 2026?

Ich würde wahnsinnig gerne in Calgary fahren. Das hätte einen großen Reiz für mich.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der aktiven Karriere?

Konkrete Pläne habe ich noch nicht. Im Idealfall bin ich ja noch einige Jahre aktiv. Vielleicht bleibe ich dem Sport erhalten, vielleicht mache ich aber auch etwas ganz anderes. Jetzt konzentriere ich mich erstmal auf meinen Sport, alles andere wird die Zeit zeigen.

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