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Otto Waalkes über "Der Grinch": "So bösartig ist dieses Wesen gar nicht"

Otto Waalkes über "Der Grinch"  

"Das hat mich gerührt und dazu gebracht, es mal zu versuchen"

30.11.2018, 07:34 Uhr | rix, t-online.de

Otto Waalkes über "Der Grinch": "So bösartig ist dieses Wesen gar nicht". Otto Waalkes: Ab dem 29. November ist der Comedian mit einem neuen Film in den Kinos. (Quelle: imago)

Otto Waalkes: Ab dem 29. November ist der Comedian mit einem neuen Film in den Kinos. (Quelle: imago)

Nach zwölf Jahren Faultier Sid wollte Otto Waalkes jetzt auch dem Griesgram Grinch seine Stimme leihen. Im Interview mit t-online.de hat Deutschlands berühmtester Ostfriese über seine neue Rolle, das ideale Familienbild und die Einsamkeit an Weihnachten gesprochen.

Was wäre die deutsche Comedy ohne Otto Waalkes? Was wäre ein Animationsfilm ohne die Stimme des gebürtigen Ostfriesenjungen? Das dachten sich vermutlich auch die "Grinch"-Macher aus Amerika. Denn die wollten den 70-jährigen Komiker unbedingt für ihren neuesten Film. Doch der hatte zuerst Zweifel an seiner neuen Rolle, wie Otto Waalkes jetzt im Interview mit t-online.de verraten hat. 

"Wow. Kannst du das? Willst du das?", hatte sich der ostfriesische Komiker nach der Anfrage gefragt. Ja, er kann und ja, er will. Und so lieh der Comedian nach zwölf Jahren "Ice Age" jetzt einem anderen Wesen seine Stimme. Die Neuadaption des amerikanischen Kinderbuchklassikers kommt nun als 3D-Animationsfilm auf die Leinwand. "Der Grinch" läuft ab dem 29. November in den Kinos.

t-online.de: Herr Waalkes, nach zwölf Jahren Sid haben Sie jetzt auch dem Grinch Ihre Stimme geliehen. Warum? Wie kam es dazu?

Otto Waalkes: Das hatte mineralogische Gründe, ich brauchte Kies. Nee, es waren zoologisch Gründe: Mäuse! Quatsch! Ich wurde gefragt von dem Verleihchef Chris Meledandri aus den USA, ob ich nicht bei diesem Film mitmachen will. "Do you want to speak the German Voice of the Grinch?" Hä? Grinch? Den grünen Griesgram? Was habe ich damit zu tun? Dann schickten sie mir das Original-Material rüber. Da spricht dann Benedict Cumberbatch den Grinch. Wow. Kannst du das? Willst du das? Immerhin merkte ich, dass das Wesen angenehmer war als im Realfilm mit Jim Carey, da war es ja eher gruselig. In der Animation ist der wesentlich vielschichtiger, da birgt seine raue Schale ein weiches Herz. Das hat mich gerührt und dazu gebracht, es mal zu versuchen. Ich bin zwar kein gelernter Synchronsprecher, habe aber immerhin zwölf Jahre lang das Faultier Sid synchronisiert. Das war auch eher ein Zufall – eigentlich sollte ich das Mammut sprechen. Der Grinch war etwas Neues – eine gute Übung!

Gleich in der ersten Szene ist zu sehen, wie der Grinch aus Frust all seine Vorräte aufgegessen hat. Geht es Ihnen auch manchmal so?

Nein, überhaupt nicht. Ich esse mit Genuss. Ich ernähre mich so, wie ich mich gerade fühle. Ich frühstücke reichlich, mittags esse ich besonders gern, und, wenn's etwas Gutes gibt, auch am Abend, wenn ich Lust habe, mit Freunden auszugehen. Ein Glas Wein trinke ich auch mal zur Gesellschaft, das gebe ich ehrlich zu. Jetzt ist es also raus: Oh, Otto trinkt Wein. Doch ich kann Sie beruhigen: Nicht nur! Auch Faber Krönung, Deinhard Lila, Grappa, Calvados, Tequila, Asbach Uralt, Spätburgunder, Wermut und Pernod – und zwar in dieser Reihenfolge.

Otto spricht den Grinch. (Quelle: imago)Otto spricht den Grinch. (Quelle: imago)

Im Film geht es zum Teil auch um die Einsamkeit, weil der Grinch Angst hat, an Weihnachten allein zu sein. 

Es geht um den Grinch, der den anderen das Weihnachtsfest versauen will. Er wirkt nicht sehr einsam, er hat ja seinen Hund bei sich und noch so ein paar Sachen, mit denen er sich seine Zeit vertreibt. Erst dann stellt sich heraus: So bösartig ist dieses Wesen aber gar nicht. Er entlarvt sich zusehends als gutartig. Selbst die Menschen, die Weihnachten feiern, verachtet er gar nicht so sehr. Am Schluss, wenn es zum Gesinnungswandel kommt, wird endgültig klar, dass er nicht Weihnachten hasst, sondern die Einsamkeit. Er kennt das Alleinsein, weil er im Waisenhaus allein war und mitansehen musste, wie Familien zusammengeführt wurden und alle zusammen Weihnachten feierten – Kein Wunder, dass er Angst vor diesen Tagen hatte, an denen er allein nicht mitfeiern durfte. Das erklärt dann seine ablehnende Haltung diesem besonderen Fest gegenüber.

Wie hätte der Grinch seine Einsamkeit bekämpfen können? Wie gehen Sie mit der Einsamkeit um?

Man muss immer offen sein für Gespräche. Wenn man das Gespräch sucht, findet man es meist auch. Man muss natürlich unter Menschen gehen, sich nicht isolieren, sich nicht zurückziehen, man sollte offen mit den Menschen umgehen, mit Bekannten und Unbekannten! Das ist nicht einfach. Jeder kennt seine Hemmungen und die führen dann zu Kommunikationsbarrieren: "Oh Gott, das darf ich niemals fragen." Das ist falsche Scham, so käme zum Beispiel dies Interview nicht zustande. Manchmal kostet mich das auch Überwindung. Ich bin hier ganz allein reingekommen und plötzlich wollen alle was von mir wissen. Mancher verkriecht sich da und denkt: "Oh Gott, was wollen die alle von mir? Hoffentlich werde ich sie nicht enttäuschen..." Aber das Gefühl vergeht schnell, plötzlich sprudeln die Fragen, und wir werden eine Gruppe, eine große Einheit und keiner ist mehr allein in diesem großen modernen Gebäude mit den vielen digitalen Bildschirmen. Mein Gott, ich hätte Prediger werden sollen! Gerade daher kann es zu einer großen Einsamkeit kommen, wenn man allein immer vor so einer Röhre hockt. Lieber mal ins Kino gehen!

Der Grinch wuchs in einem Waisenhaus auf. Er träumte immer von einer perfekten Familie. Was ist für Sie das Idealbild einer Familie?

Vater, Mutter, Kinder und ein Hund, vielleicht noch eine Katze, ein Karnickel und ein paar Meerschweinchen, Hühner, Löwen, Tiger, Ottifanten – eine Farm mitten in der Stadt. Quatsch. Es gibt kein Idealbild. Wenn zwei sich gut verstehen, reicht das ja schon. Ideal, wenn man einander auch noch vertraut. Hauptsache, dass man nicht allein gelassen wird, wenn es Probleme gibt. Mein Vater hat immer sofort alle Probleme aus der Welt geschafft. "Was ist los? Komm, rede mit mir darüber!" Wir haben kurz drüber geredet und die Probleme waren verschwunden. Mein Vater war in der Beziehung ein Zauberer.

"Der Grinch" läuft ab dem 29. November in den Kinos.

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