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Literatur: Sterbende Schönheit? Plädoyer für Latein

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Literatur  

Sterbende Schönheit? Plädoyer für Latein

13.02.2018, 15:00 Uhr | dpa

Literatur: Sterbende Schönheit? Plädoyer für Latein. Der italienische Literaturwissenschaftler Nicola Gardini beschwört die Schönheit einer "nutzlosen Sprache".

Der italienische Literaturwissenschaftler Nicola Gardini beschwört die Schönheit einer "nutzlosen Sprache". Foto: Paolo Polzella. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Cui bono? Wem zum Vorteil, fragt der Lateiner. Noch heute ist diese Floskel Teil des juristischen Sprachgebrauchs, etwa wenn es um die Suche nach den Nutznießern (und damit womöglich Tätern) eines Verbrechens geht.

Überliefert ist sie vom großen römischen Redner und Anwalt Cicero. Allerdings muss sich in den vergangenen Jahrzehnten das Latein selbst diese Frage immer häufiger stellen lassen. Worin genau liegt ihr Nutzen? Und wie legitimiert sich eine Sprache, von der es so oft heißt, sie sei: tot.

Die einen halten sie für entbehrlich, weil ihr der Bezug zur Praxis fehle. Latein gerät unter Druck, weil zum Beispiel Universitäten für ihre geisteswissenschaftlichen Fächer wie Philosophie oder Geschichte in der Regel keinen Nachweis des Latinums mehr verlangen. In der Schule geht die Zahl derjenigen, die Lateinvokabeln pauken, zuletzt kontinuierlich zurück. Im Schuljahr 2016/17 waren es reichlich 630 000 Jungen und Mädchen, also etwa 7,5 Prozent der Schüler - immerhin noch Platz drei hinter Englisch und Französisch.

Auf der anderen Seite bringen die Verfechter hervor, Latein helfe den Geist und das logische Denken zu bilden - was auch Disziplinen wie der Mathematik zugute komme. Doch auch die Argumentation der Befürworter passt sich in die Nutzen-oder-kein-Nutzen-Diskussion ein.

Abseits davon nähert sich der italienische Literaturwissenschaftler Nicola Gardini nun in seinem jüngst ins Deutsche übersetzten Buch "Latein lebt" der Sprache der Römer. Ihm geht es schlicht um ihre Schönheit. Latein sei keine beliebige Fremdsprache, deren Wert man analysieren könne, sondern Grundlage der westlichen Kultur: "Latein hat die Gesellschaft, in der wir leben, durch seine Werte geprägt. Ohne Latein wäre unsere Welt eine völlig andere."

Der Oxford-Professor, der mit Latein das erste Mal als kleiner Junge über das "Ave Maria" in Berührung kam, verlangt kein stures Übersetzen Wort für Wort, sondern einen bewundernden Umgang. Die Ausdrücke seien, wie er schreibt, "eine Art Aura, ein diffuser Schatten, oder wie auch immer man die nicht fassbare Atmosphäre nennen will, die die Verknüpfung der Zeichen und Laute umgibt".

Die Römer glaubten, dass nicht nur den Ursprung ihres Volkes auf die himmlischen Götter zurückgeht, sondern eben auch der ihrer Sprache: Die Nymphe Carmenta soll einen Teil der lateinischen Buchstaben aus dem griechischen Alphabet geformt haben, die übrigen seien dann von Apollo, dem Gott der Künste, hinzugefügt worden.

Gardinis Buch ist für diejenigen, die sich für Vergils Poetik, Ciceros Syntax oder Catulls Metrik begeistern, aber auch für jene, denen der Anmut rhetorischer Figuren das Herz höher schlagen lässt. Etwa ein Homoioteleuton wie bei "nolens volens" (deutsch "wohl oder übel"), bei dem aufeinanderfolgende Wörter gleichlautend enden. Oder eine Alliteration mit ihrem gleichen Wortanfang wie im bekannten "veni, vidi, vici" Julius Caesars ("ich kam, sah und siegte").

Der Autor nimmt den Leser mit zu Catulls wunderbaren Epigrammen wie "Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris. Nescio." ("Ich liebe und hasse. Warum, fragst du vielleicht. Ich weiß es nicht."). Er zeigt die stilistisch komplexe Architektur einer Cicero-Rede. Oder den fantastisch konstruierten Vers des Quintus Ennius, den der Dichter als Alliterations-Zungenbrecher quasi ins Gesicht des Angesprochenen spuckt: "O Tite tute Tati tibi tanta tyranne tulisti." ("Oh du Tyrann Titus Tatius, du selbst hast dir so Großes angetan!")

In seinen knapp zwei Dutzend Kapiteln geht es Gardini nicht etwa um den regelkonformen Gebrauch von Gerundium und Gerundiv, von Ablativus absolutus oder Plusquamperfekt. Er sieht kein Ziel darin, dass Lateinunterricht vorrangig darauf ausgelegt sein sollte, die Sprache zu gebrauchen. Warum, fragt er, sollten Schüler nicht sofort in die Lektüre der Originalautoren einsteigen, und so - nach seinem Verständnis - von Anfang an die wahre Schönheit des Latein erkennen?

- Nicola Gardini: Latein lebt. Von der Schönheit einer nutzlosen Sprache, Rowohlt, Hamburg, 304 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-498-02539-7.

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