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Paul McCartney ist nicht von allein so genial geworden

  • Marc von L├╝bke-Schwarz
Von Marc von L├╝pke

Aktualisiert am 18.06.2022Lesedauer: 5 Min.
Paul McCartney wird 80: Hier sehen Sie einige der sch├Ânsten Szenen aus seinem Leben. (Quelle: Glomex)
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Die Beatles wurden verdammt, avancierten trotzdem zu Stars. Immerhin befand Boxlegende Muhammad Ali die Pilzk├Âpfe als gar nicht so "bl├Âd". Doch McCartney und Co. waren sogar ziemlich genial.

Das Urteil war kurz, aber grausam. "75 Prozent Publicity, 20 Prozent Frisur und 5 Prozent Getr├Ąller" w├╝rden den Erfolg der Beatles ausmachen, befand einst die "Herald Tribune". Die "Newsweek" war ebenfalls wenig angetan von den akustischen Erzeugnissen der vier Jungs aus Liverpool: "Musikalisch sind sie eine Beinahe-Katastrophe."

Besondere Abscheu erregte die Band aber bei einem gewissen Norman F. Buckley, einem erzkonservativen Gralsh├╝ter in den USA: "Sie sind so unfassbar entsetzlich, so absto├čend unmusikalisch, so grundlegend unempfindlich gegen├╝ber dem Zauber der Kunst." Allein der sp├Ątere Boxgigant Cassius Clay, den die Beatles 1964 pers├Ânlich trafen, gewann dem Quartett etwas Positives ab: "Ihr seid gar nicht so bl├Âd, wie ihr ausseht."

Rekorde ├╝ber Rekorde

So viel Hass auf der einen, so viel Bewunderung auf der anderen Seite: Die Beatles lie├čen eben kaum jemanden unber├╝hrt. Denn die Beatlemania hatte in den Sechzigerjahren fast den gesamten Erdball erfasst. Wie niemand zuvor hatten sie die Wortkombination "Nummer eins" monopolisiert, keine andere Band so oft die Charts angef├╝hrt wie die "Pilzk├Âpfe" ÔÇô was sowohl Singles als auch Alben betrifft. Millionen kauften die Platten, Zigtausende Fans, vor allem weibliche, kreischten sich bei Konzerten die Kehlen heiser.

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Die Beatles im Jahr 1969: Die Trennung der Gruppe war nicht mehr weit entfernt zu diesem Zeitpunkt.
Die Beatles im Jahr 1969: Die Trennung der Gruppe war nicht mehr weit entfernt zu diesem Zeitpunkt. (Quelle: ZUMA/Keystone/imago-images-bilder)

Ex-Beatle Paul McCartney feiert nun am 18. Juni seinen 80. Geburtstag. Wie aber gelang ihm, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr (er ersetzte 1962 den bisherigen Schlagzeuger Pete Best) ├╝berhaupt der Durchbruch, der sie zu den wichtigsten Musikern des 20. Jahrhunderts machte?

In seinem Buch "One Two Three Four. Die fabelhaften Jahre der Beatles" gibt Craig Brown, seines Zeichens britischer Journalist, Satiriker wie ausgewiesener Kenner der Band, Antwort auf diese Frage. Und auf viele mehr, kurzweilig und informativ sp├╝rt der Autor dem Erfolg der Beatles nach.

An guten Bands mangelte es im Liverpool Anfang der Sechzigerjahre wei├č Gott nicht. Gerry and the Pacemakers waren etwa ein hei├čer Tipp, geadelt mit einigen Nummer-eins-Hits. Aber Gerry und Co. waren eben nicht die Beatles, wie Craig Brown schreibt, die einen unschlagbaren Vorteil hatten: "Es gab einen Beatle f├╝r jeden Geschmack." Klingt merkw├╝rdig? Ist es aber nicht.

"Der Schutzheilige aller Versager"

"Laut oder besinnlich, progressiv oder traditionell, ernst oder fr├Âhlich, folky, sexy oder aggressiv", w├Ąren andere Bands laut Brown dieser Zeit an- und aufgetreten. Nicht so die Beatles, die aus vier K├╝nstlern bestanden, die unterschiedlicher nicht h├Ątten sein k├Ânnen. Denn jeder der vier Liverpooler Jungs war charakterlich ganz anders gestrickt. Die einen Fans verehrten besonders Paul, die anderen John, wiederum andere hatten eine Schw├Ąche f├╝r George oder Ringo.

Brown zitiert mit Carolyn See eine jahrzehntelange Anh├Ąngerin der Beatles: "Wer androgyne Sch├Ânheit mochte, nahm Paul; John war f├╝r diejenigen, die Witz und Intellekt sch├Ątzten; George liebte man aufgrund einer schwer fassbaren Eigenschaft, die wir sp├Ąter als Spiritualit├Ąt erkannten; und Ringo war weltweit der Schutzheilige aller Versager."

Das Duo McCartney und Lennon trieb allerdings die Unterschiedlichkeit innerhalb der Band auf die Spitze. Craig Brown greift dazu tief in die Kiste mit Adjektiven: "Paul hatte ein Babyface, war akribisch, heiter, diplomatisch, energisch, melodi├Âs, einnehmend, optimistisch, kontaktfreudig, fr├Âhlich, sentimental, beflissen." Auch Lennons Wesen ist mit nur einem Wort schwer zu beschreiben: "John war kantig, schludrig, larmoyant, schwierig, faul, gereizt, provokant, sarkastisch, pessimistisch, ichbezogen, launisch, cool, brutal."

Was so gegens├Ątzlich klingt, war die perfekte Mischung f├╝r die perfekten Songs. In "Getting Better", 1967 erschienen auf dem legend├Ąren Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club" Band, verk├╝ndete McCartney an einer Stelle, dass schon alles besser werden w├╝rde. So viel ungetr├╝bten Optimismus hielt John Lennon nicht aus. Und hielt im Songtext fest, dass "es nicht schlimmer werden" k├Ânnte.

Flegeljahre einer Jahrhundertband

Fast m├Âchte man angesichts dieser Aussage den Blick auf die Anf├Ąnge der Beatles richten: Wie sie 1960 in Hamburg (noch mit Pete Best und dem fr├╝h verstorbenen Stuart Sutcliffe) auftraten, untergebracht auf wenigen Quadratmetern, daf├╝r mit nackten Betonw├Ąnden, wie Brown es ausdr├╝ckt. Und wo sie gewisserma├čen ihre Flegeljahre auslebten, mit Drogen, Frauen und Provokation.

F├╝r Letztere war insbesondere Lennon wie geschaffen. Einmal pr├Ąsentierte er auf der B├╝hne seinen Allerwertesten, bei einer anderen Gelegenheit hatte er zumindest eine Unterbuxe an ÔÇô daf├╝r konfrontierte er das Publikum mit Klobrille um den Hals mit dem alten Nazi-Gru├č "Sieg Heil". Auch der wesentlich unkompliziertere Paul lie├č es durchaus krachen ÔÇô und verbrachte einmal eine Nacht auf der Polizeiwache. Wenn auch zu Unrecht der Brandstiftung beschuldigt.

Brian Epstein: Der legend├Ąre Manager f├╝hrte die Beatles zum Welterfolg.
Brian Epstein: Der legend├Ąre Manager f├╝hrte die Beatles zum Welterfolg. (Quelle: ZUMA/Keystone)

├ťberhaupt Hamburg, beziehungsweise der wenig erfolgreiche erste Ausflug der Beatles dorthin: Im Dezember 1960 kehrte McCartney zur├╝ck nach Liverpool und nahm wegen vor├╝bergehender Perspektivlosigkeit eine Stelle an. Bei Massey & Coggins, einem Fabrikanten von Kabeln. Guter Lohn, beliebt bei der Chefetage, das Leben des Paul McCartney h├Ątte an diesem Punkt eine entscheidende Wendung nehmen k├Ânnen, schreibt Autor Brown. Statt zum gefeierten Star zu werden, h├Ątte der Beatle auch eine gutb├╝rgerliche Existenz aufbauen k├Ânnen.

Zum Gl├╝ck f├╝r die Musikgeschichte redeten John Lennon und George Harrison McCartney solche Flausen aus. Die Beatles gab es weiterhin. Mit Brian Epstein erhielt die Truppe schlie├člich auch einen Manager, der ihr Manieren beibrachte. Die Zeiten von blankgezogenen Ges├Ą├čen und "Sieg Heils" sollten vorbei sein. Stattdessen gab es Ma├čanz├╝ge und jede Menge Verzicht: Kaugummi, Zigaretten und Schimpfw├Ârter waren vor Publikum fortan tabu, dekretierte Epstein. Zur Sicherheit erhielten die Beatles die Anweisungen schriftlich.

Es fehlte pl├Âtzlich etwas

McCartney wird mit den Benimmregeln sicher besser ausgekommen sein als John Lennon, der Erfolg gab Epsteins Tugendkanon aber Recht: Erst begeisterten die Beatles Gro├čbritannien mit gro├čartigen Songtexten gepaart mit wunderbarer Musik, bald auch den gesamten Erdball. Aber nicht allein das kongeniale Songschreiberduo Lennon/McCartney sorgte f├╝r die Au├čergew├Âhnlichkeit der Gruppe.

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"Ich wei├č, dass ich meine Bissigkeit verloren habe", zitiert Craig Brown aus einem McCartney-Interview von 1980 des Magazins "Time Out". "Man darf nicht vergessen, dass diese Bissigkeit von allen Beatles kam ÔÇô wenn Ringo oder George etwas nicht gefiel, flog es raus." So spielten alle vier eine Rolle beim Erfolg der Band, wenn auch die Urheberschaft "Lennon/McCartney" einem Song schier ├╝berirdische Poesie einhauchte.

Paul McCartney bei einem Auftritt 2022: Bis ins hohe Alter steht der Ex-Beatle auf der B├╝hne.
Paul McCartney bei einem Auftritt 2022: Bis ins hohe Alter steht der Ex-Beatle auf der B├╝hne. (Quelle: UPI Photo/imago-images-bilder)

Es kommt dann fast einer Ironie gleich, dass ausgerechnet der als brav geltende Paul McCartney 1970 den Schlussstrich unter die Beatles zog. Aber nur fast. Eigentlich war es immer McCartney gewesen, der sich den Blick f├╝r die Wirklichkeit bewahrt hatte.

Alistair Taylor, engster Mitarbeiter des 1967 verstorbenen Managers Brian Epstein, beschrieb einmal, wie die einzelnen Beatles mit den monatlichen Finanzabrechnungen verfuhren. Craig Brown zitiert: Lennon schob den "Umschlag zerknittert in die Tasche", w├Ąhrend "George einen kurzen Blick" darauf riskierte. Starr wiederum habe die Abrechnung schlichtweg nicht verstanden. Ganz anders McCartney: "Paul ├Âffnete den Umschlag vorsichtig und verzog sich stundenlang in eine Ecke des B├╝ros, um die Abrechnung in allen Einzelheiten zu studieren."

Einer fand die Beatles-Trennung gut

W├Ąhrend 1970 dann Millionen Fans nach der Beatles-Trennung trauerten, hatte ein Mann Verst├Ąndnis. George Martin, Arrangeur und Produzent, der die Band viele Jahre lang begleitet und einen nicht geringen Anteil an ihrem Aufstieg hatte: "Ich finde, es war v├Âllig richtig, dass sieÔÇÖs getan haben." McCartney wird es ├Ąhnlich sehen. Immerhin schrieb er weiter Musikgeschichte, solo und mit seiner neuen Band Wings.

Umstritten werden die Beatles immer sein, sie haben es sicher auch so gewollt. John Lennon mit seinem Hang zur Aufs├Ąssigkeit ganz sicher. Damit geht es ihnen ├Ąhnlich wie Cassius Clay, den sie 1964 getroffen hatten. Kurze Zeit sp├Ąter bezwang Clay den amtierenden Weltmeister Sonny Liston. Noch im Boxring schrie Clay es heraus: "Ich habe die Welt ersch├╝ttert! Ich bin der Gr├Â├čte aller Zeiten!"

Gleiches k├Ânnten die Beatles in musikalischer Hinsicht von sich behaupten. Paul McCartney w├╝rde dies aber sicher bescheidener ausdr├╝cken. ├ťbrigens, herzlichen Gl├╝ckwunsch, Sir Paul!

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Von Sebastian Berning, Axel Kr├╝ger
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