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Kommentar: Niemand braucht die Monarchie. Oder doch?


Wer braucht schon den König?

  • Peter Schink
Ein Kommentar von Peter Schink

Aktualisiert am 10.09.2022Lesedauer: 3 Min.
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König Charles III.: Er ist das neue britische Staatsoberhaupt. (Quelle: dpa)

Das britische Königshaus bietet viel zu oft Futter für die Klatschpresse. Das verdeckt, warum viele Menschen nicht auf das Königtum verzichten wollen.

Die Bilder aus London sind unbeschreiblich: Zehntausende Menschen trauern um die Queen. Eine Frau, die wie keine andere für Beständigkeit und Kontinuität stand. Sie wollte den Menschen Halt geben, egal wer gerade unter ihr regierte, egal welche Krise gerade durch das Land fegte. Ihre Lebensleistung ist, dass niemand an ihrer Rolle zweifelte. Und daran, dass sie diese auszufüllen vermochte. Das ist viel wert.

Im krassen Gegensatz dazu bewegte sich all die Jahre nahezu das gesamte Königshaus. Die Familie der Queen übt sich bis heute darin, die Yellow Press mit Geschichten zu füttern. Und umgekehrt wollen Menschen in aller Welt über jeden noch so obskuren Skandal lesen. Wer möchte sich nicht gern davon überzeugen, dass auch Royals ganz normale Menschen sind?

Immerhin 292 Millionen Pfund lässt sich Großbritannien die Königsfamilie jedes Jahr kosten, errechnete eine Studie jüngst. Auf der Habenseite stehen etwa 1,8 Milliarden Pfund Einnahmen aus dem königlichen Fonds "Crown Estate" und Merchandisingprodukten. Ein teures Spektakel.

Ein Relikt aus einer vergangenen Zeit

Um Geld geht es aber nicht. Doch worum dann? Tatsächlich ist die Krone zunächst einmal ein Relikt einer längst vergangenen Zeit. Die Demokratie hat die Monarchie als Staatsform auch in Großbritannien faktisch abgelöst. Das Königshaus hat keinen Einfluss auf die politische Lage. Bei der Queen war nicht einmal bekannt, ob sie für oder gegen den Brexit gestimmt hat.

Und doch liebten die Briten ihre Queen. Noch vor Kurzem sprachen sich 67 Prozent der Bevölkerung für eine Beibehaltung der Monarchie aus, 80 Prozent bewerteten die Queen positiv. Königin Elizabeth II. war für die Menschen ein Anker. Jemand, der immer da war, auf den Verlass war. Diese Rolle kann man leicht unterschätzen. Für viele Menschen ist sie wichtig.

Nun muss König Charles III. diese Aufgabe übernehmen. Bislang war er zwar Mitglied der Königsfamilie, aber das Königtum verkörperte nur die Queen. Nun muss Charles III. das Königsamt mit Leben füllen.

Die Monarchie ist mit der Queen verwoben

Man muss kein Prophet sein, um zu sehen: Das wird ihm schwerfallen. Die Diskussion um den Sinn und Zweck der Monarchie wird in den kommenden Jahren zunehmen. Zum einen ist nach 70 Dienstjahren die Monarchie so eng mit der Queen selbst verbunden, dass mit ihr auch die Institution ein Stück weit stirbt. Zum anderen wird Charles genau deswegen nur schwer neu definieren können, wofür die Monarchie steht. Die Menschen werden ihn immer argwöhnisch an den Stil seiner Mutter erinnern. Dabei wird er das Königtum anders verkörpern müssen, weil er ganz anders ist als Elizabeth II.

Eigentlich passt Charles gut in die Zeit. Sein Engagement für eine bessere Welt, für Klimaschutz und Nachhaltigkeit wäre ein wertvoller Beitrag in der aktuellen Krise. Zudem steckt Großbritannien wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch tief in der Krise. Ob Charles das nötige Fingerspitzengefühl dafür aufbringen kann, seinem Land einen Kompass zu geben, wird sich zeigen. In der Vergangenheit gab es da durchaus Zweifel.

Man muss kein Fan des britischen Königshauses sein. Man kann die Monarchie zu Recht als Relikt einer vergangenen Zeit bezeichnen. Rational gesehen braucht niemand einen König. Und doch hat die Monarchie für viele Menschen einen Wert – als beständiger Anker. Nicht alle Menschen brauchen so etwas, doch das schmälert nicht den Sinn für die anderen.

Es ist Charles zu wünschen, dass er das Amt sinnvoll auszufüllen vermag. Das Land könnte ihn als König gebrauchen.

Verwendete Quellen
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