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"War unangenehm, stÀndig nach Kindern gefragt zu werden"

  • Janna Halbroth
Von Janna Halbroth

Aktualisiert am 01.06.2020Lesedauer: 7 Min.
Katharina Wackernagel: Im Interview mit t-online.de verriet sie, warum sie keine eigenen Kinder braucht, um glĂŒcklich zu sein.
Katharina Wackernagel: Im Interview mit t-online.de verriet sie, warum sie keine eigenen Kinder braucht, um glĂŒcklich zu sein. (Quelle: imago images / Future Image)
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Von vielen Frauen wird erwartet, dass sie Kinder bekommen. Doch was, wenn sie sich fĂŒr einen anderen Lebensweg entscheiden? Wenn die Mutterschaft nicht ihr erklĂ€rtes Lebensziel ist? Schauspielerin Katharina Wackernagel erklĂ€rt im t-online.de-Interview, wie es sich anfĂŒhlt, wenn andere ĂŒber die wohl intimste Entscheidung urteilen.

Schauspielerin Katharina Wackernagel hat in ĂŒber zehn Kinofilmen mitgewirkt, war in mehr als 50 Fernsehproduktionen dabei. Seit 2009 ist sie Kommissarin in der TV-Krimireihe "Stralsund". Die Schauspielkunst liegt ihr gewissermaßen im Blut. Schon ihre Großmutter Erika Wackernagel stand auf der BĂŒhne, genauso wie ihre Mutter Sabine Wackernagel. Der Beruf fĂŒllt sie aus.


Jahrgang 1978: Diese Stars wurden im selben Jahr geboren

Moderatorin und Model Sylvie Meis: 13. April 1978
SĂ€ngerin Nicole Scherzinger: 29. Juni 1978
+15

Doch immer wieder muss sich die 41-JĂ€hrige rechtfertigen, weil sie eben "nur" berufstĂ€tig ist. Keine Ehe, keine Kinder und trotzdem glĂŒcklich. Das geht, wie Katharina Wackernagel im t-online.de-Interview erklĂ€rt.

t-online.de: Frau Wackernagel, Sie haben keine Kinder und wollen auch keine. Wie wurde der Wunsch, kinderlos zu bleiben, von Ihrem Umfeld aufgenommen?

Katharina Wackernagel: Es wird von Frauen erwartet, dass sie Kinder kriegen. Selbst von Leuten, die sich als sehr emanzipiert betrachten. Als ich Anfang 30 war wurde ich immer hĂ€ufiger angesprochen und gefragt, wann es denn bei mir so weit ist. Ich bin dann sehr hĂ€ufig auf UnverstĂ€ndnis gestoßen, wenn ich gesagt habe, das steht fĂŒr mich nicht an.

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Warum wollen Sie keine Kinder?

Mein Beruf nimmt so einen großen Raum in meinem Leben ein. Ich hatte nie eine Grundsehnsucht nach einem Kind. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen. Alle meine drei BrĂŒder haben Kinder und ich habe das GefĂŒhl, dass ich trotzdem eine Familie habe. Ich finde die Kinder meiner BrĂŒder toll, ich möchte halt nur selbst keins haben.

Katharina Wackernagel mit ihrem Bruder Jonas Grosch: Die Schauspielerin hat zwei BrĂŒder.
Katharina Wackernagel mit ihrem Bruder Jonas Grosch: Die Schauspielerin hat zwei BrĂŒder. (Quelle: imago images / Tinkeres)

Stört es Sie, diesen Wunsch immer wieder zu erklÀren?

Manchmal finde ich es ganz schön ĂŒbergriffig, wenn mir gerade von Frauen immer wieder gesagt wird, dass Kinder das Beste auf der Welt sind. Das kann ja fĂŒr den einzelnen stimmen, aber ich finde, das kann jeder selbst entscheiden. Eine zeitlang war es fĂŒr mich auch unangenehm, dass ich das immer gefragt wurde. Das geht doch eigentlich keinen etwas an. MĂ€nner wĂŒrden niemals mit 30 gefragt werden, wann es denn mal langsam so weit ist. NatĂŒrlich gibt es da auch keine tickende Uhr. Ich finde, Frauen werden in ein Bild gepresst, das sagt: Ohne Kinder bist du nicht vollstĂ€ndig. Das lehne ich ab. Man kommt in eine Verteidigungshaltung und muss sich rechtfertigen, wenn man diesem Bild nicht entspricht.

Wie stehen Sie zum Älterwerden? Ist es etwas, das Ihnen gefĂ€llt?

Als ich 30 wurde war ich ein bisschen erleichtert. Da hatte ich das GefĂŒhl: ich bin definitiv kein MĂ€dchen mehr. Ich wurde nicht mehr gefragt, ob ich Abitur habe oder eine Schauspielschule besucht habe. Ab diesem Zeitpunkt war ich eine erwachsene Frau. Das fand ich gut. Ich habe aber auch das GefĂŒhl, dass manche Sachen mĂŒhsamer sind. Es gibt zum Beispiel mehr spannende Rollen fĂŒr jĂŒngere Frauen als fĂŒr Ă€ltere Frauen. Das ist schade, denn ich glaube ich bin so viel besser als noch vor zehn Jahren. Ich kann so viel mehr, ich könnte so tolle Rollen spielen und jetzt werden sie weniger. Da schaue ich neidvoll auf die mĂ€nnlichen Kollegen.

Bei denen ist das anders?

Es gibt hĂ€ufig Beispiele fĂŒr Schauspieler, die erst mit Mitte 40 so richtig Karriere gemacht haben und dazu noch kernige Typen wurden. Man darf aber auch nicht vergessen, dass wir im ZDF viele Filme haben, in denen Frauen die Hauptrolle spielen, viele Frauengeschichten. Da möchte ich also auch nicht jammern. Mich bedrĂŒckt nur manchmal die Rollensituation mehr als Falten und graue Haare es je könnten.

Was zeichnet fĂŒr Sie eine starke Frau aus?

StĂ€rke hat viel mit dem Innenleben zu tun. Je selbstbewusster ein Mensch ist und je mehr er selbst an sich glaubt und umso weniger bereit er ist sich anzupassen, umso stĂ€rker wirkt der Mensch auf mich. Das gilt aber fĂŒr alle Menschen, nicht nur fĂŒr Frauen. Mich beeindrucken Frauen, die sich von den erwarteten Bildern entfernen. Ob es jetzt in der Filmbranche ist, in der Politik oder im sonstigen gesellschaftlichen Leben. Es ist immer noch so, dass von Frauen bestimmte Konventionen erwartet werden. Ob es jetzt den klassischen Kinderwunsch angeht oder einfach nur, dass eine Frau sich fĂŒr ihr Äußeres interessieren muss. Da haben MĂ€nner ganz andere Freiheiten. Eine starke Frau ist fĂŒr mich diejenige, die sich aus Konventionen herauszieht und einfach an sich selbst glaubt.

Sind Sie nach diesen Kriterien stark?

Ich passe mich in mancher Hinsicht ganz schön dem System an. Das gehört zu meinem Beruf dazu, sonst kommst du nicht vorwÀrts. Ich möchte drehen und spielen, das ist, was ich liebe und was ich machen möchte. Ich nutze dennoch Gelegenheiten, um auszubrechen und zu rebellieren.

Welche Gelegenheiten sind das konkret?

Ich finde zum Beispiel, man muss nicht jeden Instagram-Shit mitmachen, um dazuzugehören.

Wie meinen Sie das?

Ich habe einen Account und nutze den auch beruflich. Aber ich meine damit, dass ich keine Lust habe, mich davon abhÀngig zu machen, ob das, was ich da veröffentliche auch geliked wird. Ich möchte an meine eigene Vision glauben. Wenn man das nutzt, um eine politische Haltung zu zeigen, oder um Positionen zu beziehen, okay. Aber einfach nur mitzuwirbeln, um da auch vorzukommen, das lehne ich ab.

Sie haben vorhin die Konventionen angesprochen, die von Frauen erwartet werden. Inwieweit beziehen die sich auch auf ihren Beruf als Schauspielerin?

Ich habe zum Beispiel eine Kollegin, die war immer ein sehr zierlicher Typ. Nach der Schwangerschaft hatte sie vielleicht fĂŒnf Kilo mehr und die Agentur hat gesagt, die mĂŒssen runter. Ich frage mich da: Warum? Ist es fĂŒr ihre Rolle wichtig, ob sie fĂŒnf Kilo mehr oder weniger hat? Muss es immer KleidergrĂ¶ĂŸe 36 sein? Ich habe gar nichts gegen diesen speziellen Frauentypen, ich finde nur, es sollte viele unterschiedliche Typen geben. Genauso ist es mit dem Alter. Ich habe mit Anfang 30 schon MĂŒtter von 20-jĂ€hrigen Söhnen gespielt. Das ist doch absurd. Es gab keine Geschichte dazu, dass ich frĂŒh Mutter geworden bin oder Ă€hnliches. Warum muss ich als Anfang 40-JĂ€hrige eine 35-JĂ€hrige spielen? Das stört mich und das bedauere ich, weil es nicht notwendig ist. Das sind ja nur Äußerlichkeiten. Ich verstehe die Angst nicht, dass die Leute Dinge nicht verstehen könnten.

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Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Es wird oft argumentiert, die Leute wollen das so, weil es schon immer so war. Aber die Zuschauer sind nicht so dumm und kleingeistig, wie es ihnen vorgeworfen wird. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, wenn sie nie was anderes sehen, wie sollen sie da wissen, dass sie was anderes wollen. Noch vor ein paar Jahren hĂ€tte keiner eine zehnteilige Serie gemacht. Jetzt sind die Leute gar nicht mehr von Netflix wegzukriegen, weil sie eine Serie nach der anderen ansehen wollen. Das deutsche Fernsehen ist in manchen Bereichen sehr zögerlich und Ă€ngstlich vor den Zuschauern. Ich wĂŒrde sagen: Traut den Menschen mehr zu. Man unterschĂ€tzt das Publikum.

Tochter und Mutter: Sabine Wackernagel ist Vorbild fĂŒr Katharina Wackernagel.
Tochter und Mutter: Sabine Wackernagel ist Vorbild fĂŒr Katharina Wackernagel. (Quelle: imago images / Hartenfelser)

Wer ist Ihr Vorbild?

Meine Mutter ist in vielerlei Hinsicht mein Vorbild. Sie ist der Grund, warum ich Schauspielerin werde wollte. Ich konnte sie frĂŒh ins Theater begleiten und habe sie auf der BĂŒhne gesehen. Ich fand es toll, wie sie sich verwandelt hat und jemand anderes sein durfte. Aber sie ist auch als Mensch ein Vorbild, wie sie das geschafft hat mit drei Kindern, ihrem Beruf und ihren Beziehungen.

Sie waren gerade im neuen Stralsund-Krimi "Blutlinie" zu sehen. Gucken Sie sich ihre Filme hinterher immer selbst an?

Ich gucke meine Filme immer an. FĂŒr mich sind manchmal die Dreharbeiten eineinhalb Jahre her. Wenn ich dann in Interviews darĂŒber sprechen möchte, schaue ich mir das Ganze schon an. Manche Dinge hat man sonst auch einfach anders im Kopf, als es dann geschnitten ist. Außerdem möchte ich sehen, wie der Film geworden ist, ob die Geschichte funktioniert. FĂŒr mich ist das eine Art Hausaufgabe. Manche Filme gucke ich auch, wenn sie ausgestrahlt werden, zusammen mit Freunden oder Familie. Das macht mir Spaß.

Katharina Wackernagel: Im Stralsund-Krimi spielt sie die Rolle von Nina Petersen.
Katharina Wackernagel: Im Stralsund-Krimi spielt sie die Rolle von Nina Petersen. (Quelle: ZDF / Gordon Timpen)
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Was haben Sie fĂŒr ein VerhĂ€ltnis zu ihrer Rolle Nina Petersen aus dem "Stralsund"-Krimi?

Ein gespaltenes. Ich kenne diese Figur schon eine ganze Weile. Wir hatten jetzt 16 gemeinsame FĂ€lle. Ich finde, sie hat eine gute Klarheit. Ihr Ehrgeiz und ihre Verbissenheit gehen mir ein bisschen auf die Nerven. In den ersten Filmen war sie rebellischer und hat sich öfter durchgesetzt. Diese Seite vermisse ich mittlerweile. Bei solchen Reihen ist allerdings auch die Frage: Wieweit dĂŒrfen sich die Charaktere weiterentwickeln.

Wie meinen Sie das?

Da wir kaum eine Horizontale haben und die FĂ€lle immer abgeschlossen sein mĂŒssen, hat sich die Figur in den letzten Jahren wenig entwickelt. Da finde ich, wĂ€re noch Spielraum. Wenn ich Krimis gucke, interessiert es mich sehr, was die Kommissare fĂŒr Leute sind. Das ist ja schon ein seltsamer Beruf. Du stehst auf, gehst ins BĂŒro und wirst dann an einen Tatort gerufen, meistens zu einer Leiche. Du musst dann herausfinden, was passiert ist und denkst dich in ein fremdes Leben ein. Es ist spannend, wenn man sieht, was es mit den Menschen macht, wenn sie in anderes Leben eintauchen. Als Schauspielerin kenne ich das ja, aber als Kommissarin natĂŒrlich nicht. Ansonsten glaube ich aber, dass meine Rollenfigur und ich ein gutes Team sind.

Welche Projekte stehen noch auf Ihrer Wunschliste?

Es ist fĂŒr mich sehr reizvoll, was es momentan an Serien gibt. Comedy, Drama, Krimi: Da wĂ€re fĂŒr mich ĂŒberall etwas dabei. Aus Skandinavien oder auch aus Amerika, sowie Belgien, da habe ich schon vieles gesehen, was mich interessiert. In einer Serie kann man auch eine Figur ganz anders erzĂ€hlen ĂŒber einen langen Zeitraum, ohne ein Korsett, dass sich auf 70 oder 80 Sendeminuten beschrĂ€nken muss. Solche Rollen liegen nicht auf der Straße, aber so etwas wĂŒrde ich mir sehr wĂŒnschen.

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