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Meister der Porträts - Promi-Geburtstag vom 5. Juli 2020: Chuck Close

Meister der Porträts  

Promi-Geburtstag vom 5. Juli 2020: Chuck Close

05.07.2020, 00:03 Uhr | dpa

Meister der Porträts - Promi-Geburtstag vom 5. Juli 2020: Chuck Close. Chuck Close wird 80.

Chuck Close wird 80. Foto: picture alliance / Peter Foley/EPA/dpa. (Quelle: dpa)

New York (dpa) - Aus der Ferne sind die überdimensionalen Porträts von Chuck Close klar zu erkennen. Sie zeigen Gesichter von Künstlerkollegen, Freunden und Familienangehörigen - frontal, als kolossale Mosaiken in einem gitterförmigen Raster. Aus der Nähe aber verschwimmen sie zu psychedelisch anmutenden pixeligen Landschaftsmustern.

Mehr als 200 Mal porträtierte Close so zum Beispiel seinen Freund, den US-Komponisten Philip Glass. Auch von seinem 2008 gestorbenen Maler-Kollegen Robert Rauschenberg gibt es viele solcher Bilder - bestehend aus Zehntausenden Rasterpunkten, an denen Close manchmal monatelang arbeitete. Immer häufiger aber nimmt der Maler, der heute 80 Jahre alt wird, sich selbst als Motiv.

"Ich hatte schon immer mindestens ein Selbstporträt in jeder Ausstellung", sagte der Künstler jüngst der "New York Times". "Aber normalerweise nicht mehr als eins." Dann habe er eine Ausstellung mit vielen Selbstporträts gemacht - und seitdem nur noch solche gemalt. "Ich denke, ich führe gerade eine Unterhaltung mit mir selbst. Vielleicht im Angesicht des Todes, oder was zur Hölle auch immer das ist."

Close gehört zu den bekanntesten, erfolgreichsten und einflussreichsten zeitgenössischen Künstlern der USA. Die "New York Times" feierte ihn einmal als "Meister des modernen Porträts". Aber der Maler ist auch umstritten. 2017 warfen ihm zwei Frauen sexuelle Belästigung vor. Der Künstler habe ihnen gegenüber anzügliche Kommentare gemacht. Close entschuldigte sich. "Wenn ich jemals jemanden verlegen gemacht oder zu Unbehagen gebracht habe, tut es mir aufrichtig leid, das war nicht meine Absicht", sagte er der "New York Times". "Ich gebe zu, ein schmutziges Mundwerk zu haben, aber wir sind alle erwachsen." Seine Karriere aber konnte sich seitdem nicht wieder richtig erholen, mehrere geplante Ausstellungen wurden abgesagt.

Geboren wurde Charles Thomas Close 1940 in Monroe im US-Bundesstaat Washington. Sein Vater war Handwerker und starb, als der Junge elf Jahre alt war. Die Mutter musste Klavierunterricht geben, um die Familie zu ernähren. Aber schon als Kind hatten die Eltern Closes Talent erkannt und ihn auf eine Kunstschule geschickt. Anfang der 60er Jahre kam er über einen landesweiten Wettbewerb an die Sommerakademie von Yale an die amerikanische Ostküste. Dann studierte er an der Kunst- und Architekturfakultät der Elite-Uni. Zu seinen Lehrern dort gehörten Alex Katz und William Bailey. Nach einem Studienjahr in Wien ließ er sich in New York nieder.

Seine Sujets und sein Medium suchte sich Close bewusst gegen den Strom der Kunstbewegung der Metropole Ende der 60er Jahre aus. "Wer malte, war ein Trottel. Und am allerdümmsten war es, Porträts zu machen. Da dachte ich: Na, wunderbar! Ich werde nicht viel Konkurrenz haben." Für ihn sei die Malerei schon immer die magischste aller Künste gewesen: Mit Farbe und Dreck auf einer glatten Oberfläche könne man Erstaunliches erschaffen.

Auch bei der Technik lässt sich Close nicht einengen und experimentiert mit Spritzpistolen, kratzt Farbschichten mit dem Rasiermesser dünn oder benutzt den eigenen Daumen als Stempel - auch nach jenem Tag im Dezember 1988, als ein Blutgefäß platzte und ihn vom Hals abwärts lähmte. "Wer malen will, findet einen Weg, die Farbe auf die Leinwand zu bringen. Und wenn er sie draufspucken muss", sagte Close, der seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen ist, einmal.

In den vergangenen Jahren hat Close sein Leben noch einmal komplett umgekrempelt. "Ich kam zu dem Punkt, an dem ich mich so gefühlt habe, als sei es nicht mehr länger meine Kunstwelt. Es gibt nicht viel Interesse an Malerei", sagte er der "New York Times". Close trennte sich von seiner ersten Ehefrau Leslie Rose, mit der er zwei erwachsene Töchter hat, heiratete kurz darauf die Künstlerin Sienna Shields und trennte sich wieder. Statt in seinem Atelier im New Yorker Künstler-Viertel Soho oder seinem Anwesen in einem schicken Teil von Long Island verbringt er nun viel Zeit in Miami Beach. Auf der dortigen Kunstmesse wirke sein Rollstuhl wie ein "Frauen-Magnet", schwärmte er einmal.

Er könne und wolle nun einmal nicht wirklich erwachsen werden. "Ich habe einen Wettbewerb mit meinen Kindern dazu, wer von uns als erstes erwachsen wird - und sie haben gewonnen", sagte er der "New York Times". "Ich lebe einfach immer noch im Hier und Jetzt. Ich denke nicht über die Vergangenheit nach. Das macht die Menschen um mich herum wahnsinnig." Eine Konstante bleibt aber das tägliche Malen. "Inspiration ist etwas für Amateure. Der Rest von uns macht sich jeden Tag aufs Neue an die Arbeit."

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