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Mieze Katz bei "Grill den Henssler": "Hoffentlich mach ich nichts kaputt"

Interview mit der Mia-Sängerin  

Mieze Katz über liebevolles Kochen, traurige Verluste, ewige Kritteleien und Wunschkonzerte

20.11.2016, 13:40 Uhr | Sabine Gültekin

Mieze Katz bei "Grill den Henssler": "Hoffentlich mach ich nichts kaputt". Mieze Katz kocht am 20. November bei "Grill den Henssler" mit Frank Buschmann und Tim Bendzko um die Wette.  (Quelle: Vox/Frank W. Hempel)

Mieze Katz kocht am 20. November bei "Grill den Henssler" mit Frank Buschmann und Tim Bendzko um die Wette. (Quelle: Vox/Frank W. Hempel)

t-online.de: Du bist ja am 20. November ein zweites Mal bei "Grill den Henssler" zu Gast. Hattest du Angst, dich beim Kochen vor laufender Kamera zu blamieren?

Mieze Katz: 100 pro. Auf jeden Fall. Wie ich damit umgehe, wenn mir auf der Bühne bei einem Konzert ein Missgeschick passiert, das habe ich in den letzten 20 Jahren gelernt. Aber du kannst dir vorstellen, dass ich privat nie auf Zeit koche, kein Kamerateam dabei ist, und auch keine Jury probiert mein Essen. Alles Faktoren, die völlig unbekannt für mich sind und ich hab beim ersten und jetzt auch beim zweiten Mal gedacht: Hoffentlich mach ich nichts kaputt.

Bist du privat eine perfektionistische Gastgeberin, die total aufwändige Gerichte kocht oder geht es bei dir eher entspannt zu?

Eher entspannt. Gutes Essen macht total Spaß, am besten noch mit Leuten zusammen noch gemeinsam schnippeln, keiner guckt auf die Uhr. Das ist was, worauf ich mich immer total freue.

Geht bei dir die Liebe durch den Magen? Also muss ein Mann unbedingt gut kochen können, damit du ihn toll findest?

Es beeindruckt mich auf jeden Fall, wenn ein Mann gut kochen kann. Das ist schon sehr attraktiv.

Erstes Date: Was würdest du für einen Mann kochen, in den du dich gerade verliebt hast?

Ich kann dir eher sagen, was ich nicht so gut finde. Bei den ersten Dates essen ist sowieso so’n Thema. Ich bin dann so aufgeregt, ich kann gar nicht richtig essen. Und ich finde, man sollte so was wie Spaghetti vermeiden, weil einem die Nudeln im ganzen Gesicht 'rumkleben können und so'n ganz grobes Essen finde ich auch ungünstig. Wenn man dann gemeinsam an der Sülze oder am Eisbein herumschneiden muss. Lieber irgendwas kleines Feines.

Aber Kochen für ein erstes Date mit einem Mann ist ja für dich im Moment kein Thema, weil du glücklich verliebt ist, oder?

Ja, das stimmt. Ich bin glücklich verliebt, aber die Liebe geht trotzdem noch durch den Magen. Wenn ich mit Liebe bekocht werde, ist das etwas traumhaft Schönes. Dann kann es auch was ganz Einfaches sein. Kartoffeln mit Quark zum Beispiel, wenn’s mit Liebe gemacht ist, schmeckt‘s.

Fürs Kochen muss man ja einkaufen gehen: Stört es dich, wenn Leute den Inhalt deines Einkaufswagens scannen?

Ich gehöre selber zu denen, die die Einkaufswägen der Miteinkäufer analysieren. Ich finde das total interessant, wie ein Orakel. Ich frag mich: Wo kommen die gerade her? Wofür brauchen die das? Was kochen die? Und ich hab auch nix dagegen, wenn das gleiche jemand mit meinem Einkaufskorb macht. Alle Menschen kochen mit Wasser. Und in jedem Einkaufskorb verbirgt sich eine Story. Man könnte bestimmt Einkaufskorb-Horoskop spielen, und würde irgendwas daraus analysieren können.

Kurz vor Weihnachten wirkst du ja in der Vox-Show "Songs für die Ewigkeit - Tribute to..." mit. Welcher Tod eines berühmten Musikers hat dich in diesem Jahr am meisten berührt?

Diese Show ist tatsächlich etwas ganz Besonderes für mich, weil der Tod, der mich in diesem Jahr am meisten bewegt hat, war der Tod von meinem Bruder. Ich habe nämlich Anfang des Jahres überraschend meinen Bruder verloren. Dieser Verlust überstrahlt natürlich alles. Aber Musik war etwas, was uns sehr, sehr verbunden hat. Ich hab zum Beispiel das erste Mal Depeche Mode mit meinem Bruder in seinem Zimmer gehört. Deshalb war diese Show und das Musik machen mit Kollegen und das Werk von verstorbenen Musikern in die Hand zu nehmen etwas, was ich für oder mit meinem Bruder gemacht habe. Das ist mein Andenken und mein musikalischer Gruß an ihn. In diesem Jahr haben wir wirklich viele Musiker-Kollegen verloren, und du kannst dir vielleicht vorstellen, dass das für mich zum Teil sehr absurd wirkte. Es verging kein Monat, in dem es nicht eine Todesnachricht gab. Völlig verrückt. Ich dachte nur: Immer noch einer, immer noch einer. Ich habe mich intensiv mit Trauer und Verlust beschäftigt. Das sind auch meine Themen in diesem Jahr.

Du hast mal gesagt, dass deine Songtexte wie ein Teil deines Tagebuchs zu lesen sind, und du drückst deine Gefühle immer sehr intensiv aus. Wirst du auch über den Verlust deines Bruders schreiben?

Ich schreibe auf jeden Fall – und so wie ich mich kenne – wird daraus auch ein Lied. Verarbeitet ist das sicher noch nicht. Vielleicht hilft da auch ein Lied. Wir haben schon ein paar Lieder im Programm, die sich mit dem Thema beschäftigen, weil das leider nicht der erste Verlust ist. Ich habe auch gemerkt, dass ich diese Lieder jetzt mit anderen Augen singe. Du kannst auf jeden Fall erwarten, dass ich darüber schreibe, und auf jeden Fall kannst du auch das nächste Mia-Album erwarten. Ich will so etwas teilen. Ich teile mein Leben, meine Gedanken, meine Gefühle. Das ist die Basis der Mia-Texte. Und wir schreiben an der neuen Platte und schauen jetzt erstmal auf zwei neue Sachen, die kommen: Auf unsere Tour im Dezember. Und nächstes Jahr werden wir 20 Jahre alt – und dieses Jubiläum wollen wir mit tollen Konzerten feiern. Wir überlegen, ob wir eine "Best of"-Platte veröffentlichen und sind gerade dabei, das zu organisieren. 20 Jahre zusammen sind etwas ganz Besonderes. Man kann da auch von Familie sprechen. Meine Jungs sind weit mehr für mich als nur Kollegen. Insofern geht der Blick nach vorne, es geht weiter. Ich mach nach wie vor etwas, was ich sehr liebe, und dafür bin ich voll dankbar.

Im Text von "Biste Mode" beschreibst du ja um einen Zufluchtsort. Wenn alle anderen einen gerade kritisieren oder blöd finden, gibt es jemanden, der einen in die Arme nimmt. Ist deine Band für dich so ein Zufluchtsort?

Auf jeden Fall. So hat es auch angefangen. Vor 20 Jahren wollte ich immer überall sein, im Proberaum sein und mit den Jungs Musik machen als nach Hause zu gehen und Hausaufgaben zu machen oder so. Aber über die Jahre haben wir aber auch gemerkt, Musik begleitet Menschen in schwierigen Phasen ihres Lebens und wir sind so ein Kraftort, so ein Hafen für ganz viele Menschen geworden. Und vor allem auch unsere Konzerte. Das ist was, was mich sehr beeindruckt – wie nah wir unseren Fans sind. Wir begleiten sie in schwierigen Situationen und geben Zuspruch, und dann begleiten Lieder wie 'Hungriges Herz' und 'Fallschirm' oder 'Tanz der Moleküle' Menschen auch in ihrem Liebes- und Beziehungsleben. Zu keinem Lied haben wir mehr Post bekommen, die sich um Lieben, Heiraten, Kinder kriegen drehte, als zu 'Tanz der Moleküle'. Mia ist nicht nur ein Kraftort für uns, sondern für alle, die uns begleiten.

Im Text zu "Berg und Tal" singst du den Satz "Der Löwe beißt, der Feuilleton zerreißt mich". Hast du Angst davor, falsch verstanden zu werden? Findest du, dass du von der Presse schlecht behandelt worden bist?

Falsch verstanden oder schlecht behandelt würde ich jetzt nicht sagen, aber oft kritisiert. Das ist ein mir total vertrautes Gefühl. Sowohl Fans, als auch die Presse als auch Freunde und Familie meinen, es ganz oft besser zu wissen als ich. Dieses 'mach doch mal so' aber 'so darfst du es aber nicht machen'. Wenn du es so machst, finden sie dich toll, aber wenn du es so machst, finden sie dich total scheiße. Es ist doch mein Leben. Ich muss doch Erfahrungen, Fehler, Glück für mich herausfinden. Wer kann mir sagen, wie ich mein Leben gestalte, wenn nicht ich? Dafür mache ich Musik, dafür bin ich bei Mia. Ich habe mir bewusst etwas ausgesucht, was Freiheit verkörpert. Darum dreht es ich auch in 'Berg und Tal', weil es wie eine einzige Berg- und Talfahrt ist. Manchmal erreichen dich Kommentare, da denke ich: 'Ja, hab' ich auch schon drüber nachgedacht, bin ich dran, probier' ich gerade was anders aus. Und dann gibt es wieder so eine Zeit, da kommt eine Riesenwelle von 'oh, jetzt macht sie das, jetzt zieht sie das an, wieso sagt sie denn jetzt so was?' Es gab zum Beispiel auch zu dem Lied 'Biste Mode' viele Leute hinter den Kulissen, die gesagt haben, das kannst du nicht machen, du kannst doch nicht berlinern in dem Lied. Kann man nicht veröffentlichen! Und wir haben gesagt:  Doch, wir kommen aus Berlin, die Leute wissen das. Das ist die ganze Zeit eine Gratwanderung. Es ist wichtig zu schauen: Wie sind deine eigenen Bedürfnisse? Was tut dir gut und was nicht?

Stichwort "DSDS", wo du Jurorin warst, und du hast auch mehrere Staffeln "Dein Song" gedreht. Welches Gefühl ist aufregender oder schöner für dich? Für eine TV-Sendung vor der Kamera zu stehen, berühmt zu werden oder auf einer Musikbühne zu stehen?

Ich gehe nicht ins Fernsehen, um berühmt zu werden. Ich denke nicht, 'oh, da kucken jetzt ganz viele Leute zu.' In allererste Linie bin ich Musikerin. Mein größtes Glück empfinde ich, wenn ein Lied entsteht und wenn es dann der Song auf die Bühne schafft. Musik zu machen mit Menschen für Menschen ist etwas ganz Unmittelbares. Das ist magic, deswegen ist es mein Schönstes. Fernsehen ist ein ganz, ganz interessantes Medium. Während meiner Kindheit auf dem Land hatten wir gar keinen Fernseher. Ich bin relativ spät eingestiegen, aber dann so richtig mit nach der Schule hardcoremäßig die ganzen Serien gucken. Ich nutze dieses Medium und finde faszinierend, wie stark es meinungsbildend ist. Außerdem interessiert mich: Wie wird Fernsehen gemacht? Deshalb hab ich Lust, noch ganz viele TV-Studios von innen zu sehen. Das ist meine Triebfeder.

Bei 'Dein Song' – die verstehen sich ja als Kompositions-Wettbewerb und nicht als Castingshow – fühle ich mich richtig zu Hause. Ich hab selbst angefangen, mit 12 zu komponieren, und ich weiß sehr gut, was ich damals brauchte und noch gern gehabt hätte. Deshalb ist es für mich ein ganz großes Glück, mein Wissen und meine Leidenschaft mit ganz jungen Menschen zu teilen. Das ist für mich so inspirierend. Ich möchte es auch am liebsten noch mit 'nem Rollator machen.

Was erwartet denn die Mia-Fans auf eurer Tour, die am 10. Dezember startet?

Die Tour heißt 'Jede Sekunde' und das bedeutet: jede Sekunde genießen. Glücklich sein, tanzen und dazu laden wir ein. Wir spielen unter dem Motto 'Wunschkonzert'. Wir haben so tolle Erfahrungen damit gemacht, wenn wir die Fans gebeten haben, die Set-Liste mitzubestimmen, dass wir Lust hatten, noch mehr in die Köpfe der Fans zu gucken. Wir haben auf Facebook gefragt 'Was wünscht ihr euch für Lieder?' Jetzt sind wir dabei, diese Lieder zu proben und herauszufinden:  Wollen wir das heute überhaupt noch spielen, sind wir das noch? Die Fans sollen auch bei den Konzerten mitbestimmen, welches Lied wir als nächstes spielen. Wir lassen uns also auch überraschen, freuen uns über jeden, der kommt und genießen jede Minute Konzert.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sabine Gültekin.

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