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Der eigentliche Skandal ist das Krisenmanagement des WDR

  • Steven Sowa
Von Steven Sowa

Aktualisiert am 30.12.2019Lesedauer: 4 Min.
WDR-Kinderchor im Tonstudio (Screenshot von YouTube): Nach der Aufnahme des umgedichteten Liedes "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" schlug den Verantwortlichen massive Kritik entgegen.
WDR-Kinderchor im Tonstudio (Screenshot von YouTube): Nach der Aufnahme des umgedichteten Liedes "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" schlug den Verantwortlichen massive Kritik entgegen. (Quelle: /T-Online-bilder)
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Die Empörung über das vom WDR-Kinderchor gesungene Lied "Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau" schlägt hohe Wellen. Dabei zeigt sich der Sender im Umgang mit der Situation mehr als ungeschickt. Eine Chronologie.

Aus "Meine Oma ist ’ne ganz patente Frau" wurde "Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau" und plötzlich stand Deutschland Kopf. Bei Twitter verselbstständigte sich eine Empörungswelle, die am vergangenen Wochenende dazu führte, dass der verantwortliche Sender und dessen Chef, Tom Buhrow, zurückruderten und sich von dem Video distanzierten. So sehr, dass sich Beobachter nun die Frage stellen, ob ein anderer Umgang die Debatte vielleicht nicht derart aus dem Ruder hätte laufen lassen.

Im Interview mit t-online.de: Martin Sonneborn greift Tom Buhrow an

Aber der Reihe nach: Am Freitagabend veröffentlichte WDR 2 auf Facebook ein Video mit dem Titel "Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau". In dem Lied singt ein Dortmunder Kinderchor unter anderem die Zeilen: "Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett, weil Discounterfleisch so gut wie gar nix kostet. Meine Oma ist ne alte Umweltsau." Weiter heißt es: "Meine Oma fährt mit’m SUV beim Arzt vor, beim Arzt vor, beim Arzt vor. Überfährt dabei zwei Opis mit Rollator." Am Ende ist "We will not let you get away with this" (Wir werden euch das nicht durchgehen lassen) zu hören – ein Zitat der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg.

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Nach heftiger Kritik im Netz löschte der Sender das Video. WDR-2-Chef Jochen Rausch entschuldigte sich am Samstag "für die missglückte Aktion". Das "Satire-Video" habe "ganz offensichtlich bei vielen Menschen Gefühle verletzt". Das Wort "Umweltsau" sei unpassend. "Das war nicht so gemeint, ist aber so aufgefasst worden. Der Fehler liegt bei uns, dafür entschuldige ich mich."

WDR stellt sich zu spät hinter seine Mitarbeiter

Vorauseilender Gehorsam oder notwendige Löschaktion? Zum Shitstorm hieß es von Senderseite später einordnend: Mit dem Video wollte die Redaktion den "Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstellt, mit den Mitteln der Satire aufgreifen". Gelöscht war das Video da schon, doch bei YouTube konnte es weiter abgerufen werden, ein aus PR-Sicht sehr unglücklicher Zustand. Die Löschaktion war so Wasser auf die Mühlen der Kritiker – vor allem rechte Aktivisten fühlten sich in ihrer Bewertung bestätigt.

In einer Sondersendung zu dem Song am Samstagabend meldete sich auch WDR-Intendant Tom Buhrow telefonisch zu Wort. Das Video mit dem "verunglückten Oma-Lied war ein Fehler", sagte er. "Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür." Zugleich wies er darauf hin, dass er aus dem Krankenhaus in Siegburg anrufe, wo sein 92-jähriger Vater seit Heiligabend liege. Dieser sei "keine Umweltsau", sondern habe "sein Leben lang hart gearbeitet und versucht, anständig zu leben", sagte Buhrow. Er selbst habe sein ganzes Berufsleben dafür gekämpft, "dass wir Menschen nicht spalten".

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Derweil tobte auf Twitter längst der Mob, mit einem klaren Feindbild: den Machern des Videos. Bilder der WDR-Mitarbeiter kursierten in den sozialen Netzwerken wie Zielscheiben, sie seien schuld daran, dass der "Respekt vor einer ganzen Generation" abhanden komme – so der Tenor. Mit dem Ergebnis, dass vor der Haustür von WDR-Journalist Danny Hollek Demonstranten aufkreuzten, ihn als "Antifajournalisten" verunglimpften und seine "sofortige Entlassung" forderten.

Der WDR zeigte zwar bei der Löschung Handlungsschnelligkeit, doch mit Blick auf den Schutz der eigenen Mitarbeiter gelang das nicht. Als bei Twitter der verantwortliche Mitarbeiter ermittelt war, äußerte sich auch der Sender. Allerdings wurde lediglich seine Rolle beim WDR korrigiert, nicht seine Arbeit legitimiert: "Der Mitarbeiter ist freier Mitarbeiter beim WDR, kein Redakteur", hieß es von dem Twitter-Account WDR Aktuelle Stunde. Dass sich die empörten Kommentatoren ermutigt fühlten, Danny Hollek öffentlich zu beleidigen und schließlich sogar seinen privaten Wohnsitz aufsuchten, dürfte diese Nachricht kaum eingedämmt haben.

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Der Leiter Aktuelles beim WDR, Stefan Brandenburg, sah das später selbst ein und twitterte: "Klarstellung aus gegebenem Anlass: Unsere Freien sind nicht Mitarbeiter 2. Klasse. Sie sind Journalisten und gehören dazu." Und in einem anderen Tweet meinte er: "Bedrohung, Einschüchterung und Diffamierung sind indiskutabel." Doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen, wenige Stunden später standen aufgebrachte Menschen mit Pappschildern in der Straße von Danny Hollek. Dass dieser sich selbst mit einem Tweet am Samstag keinen Gefallen getan haben dürfte, macht das Verhalten des WDR nicht besser. Hollek wandte sich an die Kritiker unter anderem mit den Worten: "Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau."

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Proteste werden "der rechten Szene" zugeordnet

Auch vor dem WDR-Sitz fand am Sonntag eine Protestkundgebung mit einer Teilnehmerzahl im oberen dreistelligen Bereich statt, wie die Kölner Polizei am Abend mitteilte. Zumindest einen Teil der Demonstranten rechnete die Polizei "der rechten Szene" zu. Zeitweise habe es zwischen linken und rechten Teilnehmern verbale Provokationen gegeben, die Beamten hätten die Gruppen aber voneinander getrennt.

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Eine verheerende Bilanz für den kleinen "satirischen Beitrag", wie der WDR sein Video einordnet. Missglückt im Inhalt, verfehlt in der Moderation der Kritik und schlussendlich gescheitert am Schutz der eigenen Leute: "Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau" zeigt, wie schnell ein Sender in den Mühlen der digitalen Erregungskultur zerrieben werden kann – und wie einzelne Journalisten dabei plötzlich zu Freiwild werden können.

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