Interview
Unsere Interview-Regel

Der GesprĂ€chspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

CO2-Kompensation bezahlen – bringt das was?

  • Markus Abrahamczyk
Von Markus Abrahamczyk

Aktualisiert am 07.02.2020Lesedauer: 3 Min.
Auf dem Weg zum Flieger: Verschiedene Unternehmen versprechen, durch eine Zahlung die Flugreise klimaneutral zu machen. Aber erfĂŒllen sie dieses Versprechen?
Auf dem Weg zum Flieger: Verschiedene Unternehmen versprechen, durch eine Zahlung die Flugreise klimaneutral zu machen. Aber erfĂŒllen sie dieses Versprechen? (Quelle: Ralph Peters/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Mit einem Klick ist alles gut: Wer eine Reise bucht, kann ganz einfach sein CO2 mit ein paar Euro kompensieren. Aber wohin fließt das Geld ĂŒberhaupt? Wie seriös sind die Anbieter? Und stimmt ihr Versprechen? Das fragte t-online.de einen Greenpeace-Experten.

Das hat sich Shell sicher anders vorgestellt: Der Sprit-Riese plant einen Öko-Cent, mit dem Autofahrer ihren CO2-Ausstoß ausgleichen können. Mit dem Geld sollen ausgewĂ€hlte Umweltprojekte unterstĂŒtzt werden.


Die wichtigsten Stromer-Neuheiten 2020

BMW iX3 (links): Zugunsten der Reichweite verzichtet BMW bei seinem Elektro-SUV auf einen Allradantrieb.
Opel Corsa e: Der Kleinwagen hat dieselbe Technik wie der Peugeot e-208. Beide Marken gehören zum französischen PSA-Konzern.
+9

Aber statt Applaus gibt es Schelte.

Scheinlösung, TĂ€uschung, ein leeres Versprechen – so lauten die VorwĂŒrfe an den Ölkonzern. Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) etwa stellt auf Anfrage von t-online.de klar: Die Klimakrise lasse sich nicht allein durch das Versprechen lösen, irgendwo auf der Welt BĂ€ume zu pflanzen. Sie warnt umweltbewusste Autofahrer vor einem Trugschluss: "Glauben Sie nicht, deshalb klimaneutral zu fahren oder zu reisen."

Der Klima-Cent mag neu sein – die Idee dahinter ist es aber nicht. Vom Fernbus bis zum Urlaubsflieger bieten etliche Unternehmen die sogenannte CO2-Kompensation an.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Deutschland hat sich in eine gefÀhrliche Lage manövriert
Wladimir Putin 2012 im Kanzleramt in Berlin.


Schafft sie wirklich reine Luft – oder nur ein reines Gewissen? Und wie seriös sind die Anbieter? Warum die CO2-Kompensation keine ganz so saubere Sache ist, wie viele Urlauber sich erhoffen, erklĂ€rt Greenpeace-Experte Benjamin Stephan im GesprĂ€ch mit t-online.de.

t-online.de: Wer einen Flug oder eine Busfahrt bucht, fragt sich vielleicht: CO2-Kompensation bezahlen – ja oder nein? Was sagt der Experte?

Benjamin Stephan: ZunĂ€chst sollte man ĂŒberlegen: Ist diese Reise ĂŒberhaupt nötig? Viele Dienstreisen etwa lassen sich durch Videokonferenzen ersetzen. Wer dennoch reisen muss, kann seine CO2-Emissionen möglichst gering halten. In Europa ist der Nachtzug hĂ€ufig eine gute Alternative zum Flug. Erst, wenn es keine Alternativen gibt und ein Flug unumgĂ€nglich ist, kann eine CO2-Kompensation eine sinnvolle Rolle spielen. Ansonsten ist die Zahlung nichts anderes als ein moderner Ablasshandel.

Man kauft sich frei von seinen SĂŒnden.

Genau. Man macht alles wie bisher, will sich mit der eigenen Verantwortung nicht auseinandersetzen und gibt lieber ein bisschen Geld fĂŒr Klimaprojekte. Ein grĂŒnes Feigenblatt, hinter dem sich aber auch Unternehmen gerne verstecken – zum Beispiel, wenn eine Airline verspricht, alle FlĂŒge zu kompensieren.

Klingt aber erst mal gut. Was ist denn das Problem daran?

Das Problem ist: Durch den CO2-Handel gerĂ€t die eigentliche Herausforderung aus dem Blickfeld. Wir mĂŒssen weg von fossilen Brennstoffen. Wir brauchen eine Energieversorgung, die vollstĂ€ndig auf erneuerbaren Energien basiert. Kompensationsmodelle bremsen diesen Umstieg. Sie suggerieren den Kunden, dass alles so bleiben kann. Und sie nehmen den Druck von den Unternehmen. Beispiel Luftfahrt: Statt auf klimaneutrale E-Fuels (synthetische Kraftstoffe) umzustellen, setzen Airlines auf Kompensationshandel. Die Politik könnte sie aber zu saubereren Kraftstoffen verpflichten. In kĂŒrzester Zeit wĂŒrde so ein Markt entstehen, die Preise fĂŒr bislang teure E-Fuels wĂŒrden sinken und man wĂŒrde wirklich Emissionen einsparen. Kompensationsmodelle sind ein Grund dafĂŒr, dass das nicht passiert. Sie erwecken den Eindruck, Fliegen wĂ€re unproblematisch. Das aber ist falsch.

Wie seriös sind aktuelle Anbieter?
Das hat die Zeitschrift "Finanztest" bereits im Jahr 2018 ĂŒberprĂŒft. Deren Experten testeten sechs der grĂ¶ĂŸten Anbieter auf dem deutschen Markt unter anderem darauf, wie gut sie das CO2 tatsĂ€chlich kompensieren. GeprĂŒft wurde auch, wie transparent sie beispielsweise darĂŒber informieren, wohin das Geld fließt.
Vier der sechs Anbieter im Test konnten beinahe rundum ĂŒberzeugen. Diese Anbieter sind Atmosfair, Klima-Kollekte, Primaklima und Myclimate Deutschland. Dort ist Ihr Geld demnach in guten HĂ€nden. Hier finden Sie den kompletten Beitrag.

Weil die Zertifikate das CO2 nicht kompensieren, obwohl ihre Anbieter genau das versprechen?

Zumindest kann man sich da nicht immer sicher sein. FrĂŒhere PrĂŒfungen im Auftrag der EU zeigten beispielsweise, dass viele Projekte einige der nötigen Kriterien verfehlen – ihre Wirkung auf den Klimaschutz wurde zu positiv bewertet. Und der Verbraucher selbst kann kaum einschĂ€tzen, ob die Klimaschutz-Projekte der Anbieter wirklich die versprochenen Effekte haben. Deshalb fanden sich in diesem Bereich in den vergangenen zwei Jahrzehnten, seit CO2-Kompensation aufgekommen ist, viele schwarze Schafe. Sie verschwinden aber meist relativ schnell vom Markt. DafĂŒr sorgt das Strafrecht.

Man weiß ja noch nicht einmal, ob beispielsweise die versprochenen BĂ€ume wirklich gepflanzt werden – und wie lange sie dann stehen bleiben.

Richtig. Ein weiteres Problem: Bei Aufforstungsprojekten kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten mit den Menschen vor Ort. Außerdem wurde nicht immer darauf geachtet, einen Wald mit sinnvollen Baumarten zu pflanzen. Oft wĂ€hlte man Arten, die möglichst schnell viel CO2 binden. So entstehen aber Monokulturen, was wiederum zu weiteren Problemen fĂŒhrt. Wenn wir an die WaldbrĂ€nde im Amazonas und Australien denken, wird auch klar, dass es nicht gesichert ist, dass ein Wald auch dauerhaft die Emissionen bindet. Mit sinnvollen Projekten, die zum Beispiel den Ausbau erneuerbarer Energien fördern, kann eine – ergĂ€nzende – CO2-Kompensation dennoch eine gute Sache sein. Es darf nur nicht die einzige gute Sache bleiben.

Weitere Artikel


Herr Stephan, vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
CO2EuropaGreenpeace
Auto-Themen

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website