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Wie Smart-TV-Geräte ihre Nutzer ausspionieren

t-online, Alena Hecker

05.02.2019Lesedauer: 3 Min.
Ein Mann trägt einen LCD-Fernseher auf der Schulter: In den USA gehört die Verwertung von Nutzerdaten zum Geschäft mit "smarten" Fernsehern.
Ein Mann trägt einen LCD-Fernseher auf der Schulter: In den USA gehört die Verwertung von Nutzerdaten zum Geschäft mit "smarten" Fernsehern. (Quelle: Jorge Adorno/Reuters-bilder)
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Smart-TV-Geräte verraten das Fernsehverhalten ihrer Nutzer – pausenlos und unbemerkt. In den USA gehört der Weiterverkauf der Zuschauerdaten bereits zum Geschäft auf dem Fernsehmarkt. Passiert das auch in Deutschland?

Smarte Fernseher sammeln pausenlose Informationen über ihre Nutzer. Fernsehsender können dadurch zum Beispiel beobachten, wie lange Leute ein Programm schauen und wann sie es wieder verlassen. "Das ist ein Fass ohne Boden", sagt Peter Siering, der für das Computer- und Technikmagazin c’t untersucht hat, welche Informationen Smart-TV-Geräte preisgeben, mit wem sie kommunizieren und welchen Einfluss man darauf nehmen kann.


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"Es ist schon verblüffend, dass ein Fernseher, wenn man ihn einrichtet, mit 50 Servern im Internet Kontakt aufnimmt." Bereits beim Sendersuchlauf registrierten die Technikexperten eine Kommunikation zwischen Fernsehgerät und Server, danach ging das digitale Geplaudere munter weiter: "Jeder Druck auf der Fernbedienung wurde übertragen, jeder Zugriff aufs Internet."

Das bedeutet der rote Knopf auf der Fernbedienung

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Besonders anfällig für verräterische Signale ist das, was den Fernseher so smart macht: Mit dem Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV) lassen sich per Rundfunk übertragene Programme durch interaktive Inhalte ergänzen – etwa, um Mediatheken zugänglich zu machen, Programminformationen anzubieten oder, im Fall der Shopping-Kanäle, auch für Bestellungen.

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Nutzer erkennen HbbTV-Angebote an einem Hinweis im Fernsehbild, dass weitere Informationen über das Betätigen des roten Knopfes abrufbar seien.

Besonders negativ fielen bei der c’t-Untersuchung die Programme der ARD auf, die ein gemeinsames HbbTV-Angebot nutzen: "Wenn man per rotem Knopf tiefer einsteigt, übertragen sie jeden Tastendruck an den HbbTV-Server. Das sollte es den Betreibern erlauben, individuelle Benutzersessions nachzuspielen."

"Nicht verfolgen" keine Option

Richtig gegensteuern kann der Fernsehzuschauer nicht. Zwar bieten die meisten Fernsehgeräte die Möglichkeit, Privatsphäre-Einstellungen zu verändern, aber nur in sehr begrenztem Maße. So fanden die c’t-Tester heraus, dass die gewählte Option "Nicht verfolgen" keinen sichtbaren Einfluss zeigte. "Hier setzen sich die Anstalten offenbar über den Wunsch des Nutzers hinweg."

Das Problem der permanenten Datenübertragung bei smarten Fernsehgeräten ist nicht neu, aber weitgehend unbekannt. "Bei einem Smart-TV gehen die Leute nicht davon aus, dass Daten erfasst und weitergegeben werden", so der Internetexperte Jörg Schieb in einem Blogeintrag zum Thema. "Ich bin sicher: Den meisten Smart-TV-Zuschauern dürfte das weder geheuer, noch Recht sein."

Datenverkauf bald auch in Deutschland?

In den USA ist das Sammeln, Auswerten und Weiterverkaufen der Nutzerdaten mittlerweile das eigentliche Geschäft bei Smart-TVs. Während Fernsehgeräte immer günstiger werden, verdienen Hersteller mit dem Verkauf der Nutzerdaten.

Dass das in Deutschland ohne weiteres möglich sein wird, bezweifelt Michael Gundall, Fernsehexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: "Die deutschen Datenschutzgesetze sind da relativ streng." Bei der Nutzung von Smart-TV-Geräten empfiehlt er die Nutzungsbedingungen nicht ungelesen zu akzeptieren, sondern nach Möglichkeit einzuschränken. Abgesehen davon müsse sich jeder selbst die Frage stellen, ob er die Vorteile von Smart-TV in Anspruch nehmen wolle oder nicht.

Smarte Alternative fĂĽr mehr Datenschutz

Eine Alternative wäre auch, sich gar nicht erst ein smartes TV-Gerät zuzulegen, sondern beim alten Fernseher zu bleiben, der den Onlinedienst HbbTV noch nicht unterstützt. Serienjunkies, die Angebote wie Maxdome, Prime oder Netflix nicht missen wollen, bekommen mithilfe von TV-Sticks oder Streamingboxen Zugang zum Internet.

Ganz ohne die Übertragung geht es zwar auch dabei nicht. Aber zumindest Apple wirbt damit, nur so viel zu erfassen, wie auch wirklich nötig ist. Und bei TV-Sticks von Google oder Amazon kann man sich trösten, dass man immerhin weiß, an wen die Daten weitergegeben werden.

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