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Handheld wird 30: Wie der Game Boy die Massen begeisterte

Handheld wird 30  

Wie der Game Boy die Massen begeisterte

19.04.2019, 23:59 Uhr | Andrej Sokolow, Ali Vahid Roodsari, dpa, avr, t-online.de

Handheld wird 30: Wie der Game Boy die Massen begeisterte. Der Game Boy: Vor 30 Jahren brachte Nintendo das Gerät auf den Markt und machte damit das Videospielen unterwegs salonfähig. (Quelle: imago images/Andrea Warnecke)

Der Game Boy: Vor 30 Jahren brachte Nintendo das Gerät auf den Markt und machte damit das Videospielen unterwegs salonfähig. (Quelle: Andrea Warnecke/imago images)

Die Geschichte des Game Boys reicht 30 Jahre zurück. Die erste mobile Spielekonsole ist nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen beliebt. Doch woher kam der Erfolg?

Spiele auf dem Smartphone gehören heute zum Alltag – vor 30 Jahren wurde der erste Schritt gemacht. 1989 Nintendo brachte in Japan den Game Boy heraus, seine erste mobile Spielekonsole. Aus heutiger Sicht ist es ein klobiger Klotz mit lachhaften technischen Daten.

Damals war es eine Revolution, die Videogames aus Spielhallen und – damals auch noch nicht so verbreiteten – Konsolen am heimischen Fernseher herausholte. Nintendo erreichte mit dem Game Boy nicht nur Kinder, sondern – dank Spielen wie "Tetris" – auch Erwachsene. Über mehrere Generationen hinweg wurden knapp 120 Millionen Geräte verkauft.

Game Boy gewann gegen Konkurrenz

Der Game Boy war nicht die einzige Mobil-Konsole auf dem Markt. Auch Rivalen wie Sega und Atari brachten eigene Geräte heraus. Der Atari Lynch erschein beispielsweise wenige Monate nach dem Game Boy. Das Gerät hatte sogar einen Farbbildschirm. Doch der Game Boy gewann – unter anderem, weil Nintendo so schlau war, seine Ambitionen zu zügeln und den damaligen Stand der Technik nicht auszureizen.

 (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

Der LCD-Bildschirm des Game Boy war schwarz-weiß statt farbig und hatte keine Hintergrund-Beleuchtung. Im Dunklen spielen konnte man damit also nicht – es sei denn, Nutzer kauften spezielles Zubehör. Die Auflösung lag lediglich bei 160 zu 144 Pixeln. Zum Vergleich: Jedes einzelne App-Symbol auf dem Display eines heutigen iPhone wird mit 180 zu 180 Pixeln angezeigt. Die Einschränkungen führte aber zur Freude der Nutzer für eine lange Batterielaufzeit von knapp 15 Stunden.

Wechsel-Kartuschen waren Neuheit

Vater des Game Boy war Gunpei Yokoi. Er kam bereits in den 1960er Jahren zu Nintendo und musste sich zunächst mit der Wartung der Spielkarten-Druckmaschinen beschäftigen – das war das traditionelle Kerngeschäft der Firma. Nebenbei dachte sich Gokoi Spielzeug aus. Schon eine seiner ersten Erfindungen – der ausstreckbare Greifarm "Ultra Arm" – wurde zum Hit.

Gokoi stand auch hinter dem Vorläufer des Game Boy – einem kleinen Gerät mit dem Namen Game & Watch, das einfache Spiele enthielt. Nintendo verkaufte mehr als 40 Millionen Stück davon, Game & Watch hatte aber einen großen Nachteil: Nutzer konnten die Spiele nicht wechseln, sondern sie waren fest einprogrammiert. Der Game Boy mit seinen Wechsel-Modulen behob dieses Problem.

Der Game Boy brauchte "Tetris"

Nintendo war klar, dass die Mobil-Konsole ein attraktives Spiel als Zugpferd brauchte – und der Konzern fand es hinter dem Eisernen Vorhang. Das von dem Moskauer Programmierer Alexej Paschitnow entwickelte "Tetris", bei dem der Spieler von oben herabfallende Blöcke in verschiedenen Formen schnell einbauen muss, passte perfekt zur Game-Boy-Technik – und taugte auch als unverbindliche Unterhaltung für unterwegs.

 (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

Die damals für die Vermarktung zuständigen Sowjet-Bürokraten hatten zwar schon "Tetris"-Lizenzen in den Westen verkauft. Aber Nintendo wurde schnell klar, dass die neue Gerätekategorie der Mobil-Konsolen davon nicht abgedeckt war. In einem abenteuerlichen Verhandlungsmarathon in Moskau sicherten sich die Japaner die Rechte. Die Kinder des "Tetris"-Erfinder Paschitnow bekamen Nintendo-Konsolen.

"Tetris" war genau das Spiel, das der Game Boy brauchte. Das einfache Spielprinzip war für alle Nutzer zugänglich – auch Nicht-Gamer. Schon bald war das Straßenbild voll von Kindern und auch Erwachsenen, die mit dem Game Boy in der Hand herumliefen. Und 1996 erschienen die ersten Teile der "Pokémon"-Spielereihe, die dem Game Boy einen neuen Hype bescherten. Daneben zählen noch "Super Mario Land" und "The Legend of Zelda: Link’s Awakening" zu den beliebtesten Game-Boy-Spielen.

Mit dem Game Boy Color liefert Nintendo ein Gerät in Farbe

Bis der erste Game Boy in Farbe erschien, dauerte es aber noch eine Weile. 1996 veröffentlichte Nintendo den Game Boy Pocket – eine leicht verbesserte und deutlich kleinere Version des Game Boy. Und 1997 erschien der Game Boy Color: Nintendos erste Handheld-Konsole in Farbe. Eine Besonderheit des Geräts war, dass es alte Game-Boy-Spiele nachkolorien konnte. Das funktionierte so gut, dass manche Nutzer vermuteten, dass die alten Game-Boy-Spiele im Grunde in Farbe entwickelt worden waren.

Daneben gab es noch unzähliges Zubehör für den Game Boy. Beispielsweise Lampen, die Nutzer an den Bildschirm befestigen konnten und die Spielen im Dunkeln ermöglichten. Auch gab es Lupen oder sogar eine Kamera mit Mini-Drucker: Nutzer konnten mithilfe des Game Boy ein Foto von sich machen und mit dem Drucker ausdrucken.

Die letzte Handheld-Konsole von Nintendo mit dem Namen Game Boy erschien 2005: der Game Boy Micro. Danach ersetzte der Nintendo DS das System. Der zeichnete sich unter anderem durch zwei Bildschirme mit Touch-Funktion aus.

Game-Boy-Vater Gokoi war an diesen Entwicklungen nicht mehr beteiligt. Er erfand für Nintendo Mitte der 90er Jahre noch eine erste Konsole mit einer VR-Brille. Doch der "Virtual Boy", bei dem die Brille auf dem Tisch steht statt wie heute auf dem Kopf getragen werden sollte, floppte. Wohl unter anderem, weil die Optik mit roten LED zu primitiv und anstrengend für die Nutzer war. Gokoi verließ Nintendo, um eine eigene Firma zu gründen – und starb 1997 bei einem Verkehrsunfall.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
  • Magazin "retro Gamer" Ausgabe 2/2019
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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