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"Trumps Hass wird jetzt unkontrollierbar"

Von Laura Stresing, Daniel Schreckenberg

Aktualisiert am 09.01.2021Lesedauer: 1 Min.
Donald Trump am Telefon: Twitter wird für den Noch-Präsidenten nun erst einmal ausfallen.
Donald Trump am Telefon: Twitter wird für den Noch-Präsidenten nun erst einmal ausfallen. (Quelle: Susan Walsh/dpa-bilder)
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Donald Trump verliert seinen Twitter-Account. Zu viel Hetze, begründet die Tech-Firma den drastischen Schritt gegen den Noch-Präsidenten der USA. Doch ist der überhaupt richtig?

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump hat mit einer Twitter-Sperre seine wichtigste Kommunikationsplattform verloren. Der Kurznachrichtendienst teilte am Freitagabend mit, Trumps Konto @realDonaldTrump werde dauerhaft gesperrt. Grund sei das "Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt" nach dem Sturm des Kapitols in Washington durch seine Anhänger.

Während Kritiker dem Republikaner vorwerfen, seine Unterstützer angestachelt zu haben, reagiert das Trump-Umfeld entsetzt auf die Sperrung: "Diktatorische Regime können Twitter Accounts haben, Völkermorde begehen und Homosexuelle töten (...), aber der Präsident der Vereinigten Staaten soll dauerhaft gesperrt werden", schreibt etwa Donald Trump Jr., der Sohn des Präsidenten.

Auch in der t-online-Redaktion wird die Sperrung von Trumps Twitter-Account kontrovers diskutiert. Lesen Sie unser Pro & Kontra.

Pro
Laura Stresing

Rauswurf verhindert Radikalisierung

Wie geht man mit jemandem um, der sich wiederholt daneben benimmt? Man wirft ihn raus. So einfach ist das.

Deplatforming nennt man das im Fall der sozialen Medien. Und es wirkt. Das zeigt nicht nur eine kürzlich veröffentlichte Studie zum Umgang mit rechtsextremen Netzwerken, sondern auch die Erfahrung im echten Leben. Sobald man die Schreihälse und Störenfriede aus den Klassenzimmern, Plenarsälen und Online-Kommentarspalten entfernt, wird die Debatte nicht nur deutlich sachlicher – sie wird überhaupt erst wieder möglich.

Trumps Twitter-Bann war notwendig und längst überfällig. Natürlich werden er und seine Anhänger nicht aufhören zu zetern. Sollen sie ruhig machen, aber bitte nicht mehr in virtuellen Räumen, in denen sich Menschen zivilisiert unterhalten wollen.

Das Internet ist groß und bietet Platz für jede noch so abseitige Meinung. Und ja, auch das gibt Anlass zur Sorge. Die "Trumpisten" können auf andere Plattformen ausweichen und dort ihre Verschwörungen weiterspinnen. Das sollte man im Blick behalten. In den unbewachten Randzonen des Internets braut sich oft Gefährliches zusammen. Dort regiert das Chaos, das Abseitige und Extreme. Das ist keine Welt, in der sich die konservative Mitte wohlfühlt. Dort geht nur hin, wer schon radikalisiert ist.

Diese Radikalisierung wiederum lässt sich nur im Mainstream verhindern. Sobald Facebook, Twitter und YouTube klare Grenzen aufzeigen, setzt ein Dominoeffekt ein. Google, Apple, Twitch – alle haben ihre Konsequenzen aus den Ereignissen vom Mittwoch gezogen. Es geht darum, dem Hass den Nährboden zu entziehen. Dafür braucht es aber auch eine starke Zivilgesellschaft. Aufrechte Bürger, die Verstöße an Betreiber und Behörden melden, Täter bloßstellen, Opfern beistehen und den Hetzern klarmachen: Ihr seid hier nicht erwünscht!

Und was Trump angeht: Ohne das Megafon der sozialen Medien schrumpft seine Stimme zu dem zusammen, was sie schon immer war – das verzweifelte, wahnwitzige, einsame Geschrei einer Minderheit. Hoffentlich muss sich das bald niemand mehr anhören.

Kontra
Daniel Schreckenberg

Trumps Hass wird jetzt unkontrollierbar

Nach mehr als 57.000 Tweets ist Schluss. Der Kurznachrichtendienst Twitter hat den privaten Account von Donald Trump gesperrt – und dem Noch-Präsidenten ein wichtiges Sprachrohr genommen. Nach all den Fake-News und der Hetze, die Trump dort seinen 88 Millionen Followern tagtäglich präsentierte, scheint die Entscheidung richtig zu sein. Doch das ist falsch.

Denn leider haben Trumps Vertraute recht, wenn sie kritisieren, dass Twitter mit der Sperrung undemokratisch reagiert hat. Twitter versteht sich selbst als demokratisches Werkzeug – und hätte damit auch Menschen wie Donald Trump aushalten müssen.

Das heißt allerdings nicht, dass man ihm alles durchgehen lassen darf. Stattdessen hätte Trump von Twitter schon viel früher kontrolliert, moderiert und mit Warnhinweisen versehen werden müssen. Denn Trump hetzt nicht erst seit seiner Lügen über einen angeblichen Wahlbetrug und seinem Aufruf zum Sturm auf das Kapitol.

Twitter ist ein Milliarden-Unternehmen – auch Trumps Postings haben den Tech-Konzern reich gemacht. Auf einen Account mit dieser Reichweite (und Macht) schon von Beginn an ein Team von erfahrenen und objektiven Moderatoren anzusetzen – das wäre die richtige Lösung gewesen. Jetzt ist Trumps Account verschwunden, aber sein Hass verschwindet damit nicht. Seine fanatischen Fans sind damit auch nicht aus der Welt. Vielmehr wird sich der Brandstifter andere Kanäle wie Telegram oder Parler suchen, vielleicht gründet Trump sogar sein eigenes (soziales) Netzwerk. Dort wird er weiter wüten – und seine Lügen werden unkontrollierbar sein.

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Wer hat recht?

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