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Cybermobbing quÀlt auch Erwachsene

Von dpa
28.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Hart getroffen: Erwachsene rechnen meist nicht damit, Mobbingopfer zu werden, wissen Experten.
Hart getroffen: Erwachsene rechnen meist nicht damit, Mobbingopfer zu werden, wissen Experten. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Stuttgart (dpa/tmn) - Lange Zeit wurde Cybermobbing in erster Linie mit Jugendlichen in Verbindung gebracht. Doch auch Erwachsene sind betroffen - und sollten das Problem nicht allein zu lösen versuchen.

"Wenn man ein Opfer von Cybermobbing wird, egal wie alt man ist, sollte man sich Hilfe suchen", rĂ€t Sebastian Seitner vom Landesmedienzentrum Baden-WĂŒrttemberg. Es handele sich um ein gesellschaftliches Problem, befeuert von der AnonymitĂ€t und Schnelligkeit im digitalen Raum.

Auf Plattformen wie Facebook oder Twitter kann man Mobbing melden. Dort sei man angewiesen, die EintrÀge zu löschen, sagt Seitner. Dies sei klar geregelt. Handelt es sich um schwerwiegende Drohungen und Beleidigungen, sollte man aber auf jeden Fall auch Anzeige erstatten, also zurPolizeigehen.

VorfÀlle dokumentieren

DafĂŒr ist es wichtig, den Vorfall genau zu dokumentieren, mit genauer Uhrzeit, Internetadresse und am besten auch mit Screenshots. Diese könnten auch dann als Beweis dienen, wenn zum Beispiel die Beleidigung oder Drohung spĂ€ter wieder gelöscht oder abgeĂ€ndert wird.

Peter Sommerhalter vom Verein"BĂŒndnis gegen Cybermobbing"ist der Ansicht, dass viele Erwachsene nicht gelernt hĂ€tten, mit Angriffen im Internet umzugehen. Viele seien ĂŒberrascht von der IntensitĂ€t, mit der man teilweise im Internet angefeindet wird.

Bei Frauen spielten im Zusammenhang mit Cybermobbing neben Stalking oft auch sogenannte Rachepornos eine Rolle. Einvernehmlich aufgenommene, intime Fotos oder Videos wĂŒrden dabei vom Ex-Partner vorsĂ€tzlich ins Netz gestellt oder auf anderen Wegen veröffentlicht.

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Offener Umgang

Bei solchen VorfĂ€llen kann es sinnvoll sein, offen mit der Problematik umzugehen, rĂ€t Sommerhalter und nennt ein Beispiel: "Eine betroffene Dame hatte mehrfach den Arbeitsplatz gewechselt, da ihr Ex-Partner immer wieder Nacktbilder von ihr per Mail an ihre Arbeitskollegen verschickt hatte." Schließlich habe sie das GesprĂ€ch mit ihrem Chef, ihrer Arbeitsgruppe und der Gleichstellungsbeauftragten der Firma gesucht, "um zu erklĂ€ren, was ihr geschieht, und dass sie sich dies nun nicht mehr gefallen lĂ€sst."

Mobbing und Cybermobbing hinterließen eine Spur in der Seele und könnten ein ganzes Spektrum von Problemen verursachen, sagt der Psychiater Ahmad Bransi, Ärztlicher Direktor der Oberberg Fachklinik Weserbergland. "Wir wissen, dass Menschen, die Opfer von Cybermobbing sind, VerĂ€nderungen in ihrer LebensqualitĂ€t empfinden, in ihrer Stimmungslage und in ihrer seelischen Gesundheit."

Bei Erwachsenen Ă€ußere sich dies unter anderem durch Krankmeldungen, ArbeitsunfĂ€higkeit, KĂŒndigungsbereitschaft und durch Depressionen. Auch PersönlichkeitsverĂ€nderungen könnten eine Folge sein.

Wird man allein damit fertig?

Bei Kindern sei das Bewusstsein geschĂ€rfter dafĂŒr, dass man sie unterstĂŒtzen muss, erklĂ€rt Bransi. Aber bei Erwachsenen denke man fĂ€lschlicherweise, dass sie mit ihren Problemen schon allein fertig wĂŒrden. "Aber das ist hĂ€ufig nicht so. Denn wenn jemand gemobbt wird, auch per Cybermobbing, braucht diese Person Hilfe."

Vor allem wenn das Mobbing ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum angehalten hat, kann es sein, dass eine seelische Störung bestehen bleibt, warnt Bransi. Das Internet vergisst nichts. Zum Beispiel eine Diffamierung, die nicht gelöscht werden kann, könne zu realen Angststörungen, Selbstzweifeln oder in ganz schlimmen FĂ€llen sogar zum Suizid fĂŒhren.

Scham und SchuldgefĂŒhle

Viele Menschen schĂ€mten sich dafĂŒr, gemobbt zu werden und fĂŒhlten sich irgendwie schuldig, erklĂ€rt Bransi. Er rĂ€t dazu, mit dem eigenen Umfeld darĂŒber zu sprechen, was einem widerfĂ€hrt - auch um etwas gegen das GefĂŒhl der Hilflosigkeit und Isolation zu unternehmen. Der Hausarzt könne ein erster Ansprechpartner sein, falls jemand zunĂ€chst keine psychologische Hilfe in Anspruch nehmen kann oder möchte.

Die Sozialpsychologin und Cyberpsychologie-Expertin Catarina Katzer aus Köln erklĂ€rt, dass es bislang viel zu wenig direkte Beratung fĂŒr erwachsene Opfer von Cybermobbing gebe. FĂŒr soziale Netzwerke schlĂ€gt sie einen SOS-Button vor, der direkt zu einem Ansprechpartner und einem Hilfsangebot fĂŒhrt. Außerdem fehlten in vielen Unternehmen und Organisationen ein aktives PrĂ€ventionsmanagement und eine direkte Anlaufstelle fĂŒr Opfer von Cybermobbing. Das Problem werde bislang eher verdrĂ€ngt, da solche Konfliktsituationen oft als Versagen der Personalpolitik oder MitarbeiterfĂŒhrung betrachtet wĂŒrden.

Service:

www.buendnis-gegen-cybermobbing.de
www.cyberbullying-germany.de
https://www.polizei-beratung.de/opferinformationen/cybercrime/
https://www.polizei-beratung.de/opferinformationen/stalking/
www.hilfetelefon.de

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