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Corona | Impf-Simulator: Wie lange es jetzt dauert, bis alle geimpft sind


Wie lange es jetzt dauert, bis alle geimpft sind

Von Tim Blumenstein

Aktualisiert am 18.03.2021Lesedauer: 3 Min.
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Eine Lehrerin einer Förder- und Oberschule in Hannover wird mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft: Mit einem neuen Tool kann man ausrechnen, wann das Ziel der deutschen Impfkampagne erreicht ist.
Eine Lehrerin einer Förder- und Oberschule in Hannover wird mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft: Mit einem neuen Tool kann man ausrechnen, wann das Ziel der deutschen Impfkampagne erreicht ist. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa-bilder)
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Der Impfstopp für das Präparat von Astrazeneca hat der deutschen Impfkampagne einen schweren Schlag versetzt. Wie lange wird es nun dauern, bis alle geimpft sind? Ein Simulator zeigt verschiedene Szenarien.

Mit dem Impfstopp für das Vakzin von Astrazeneca droht die deutsche Impfkampagne erneut ins Stocken zu geraten. Millionen bereits gelieferter Impfdosen können nicht verabreicht werden, Hunderttausende Termine fallen aus und das Vertrauen der Bevölkerung in den Wirkstoff schwindet.

Dabei gab es kürzlich noch Grund für vorsichtigen Optimismus: Nach einem holprigem Start und Lieferschwierigkeiten nahm die Zahl der Impfungen zuletzt zu. Allein in den vergangenen sieben Tagen wurden in Deutschland über 1,7 Millionen Impfdosen verabreicht.

Impfkampagne verlangsamt sich ohne Astrazeneca

Nun muss das Impftempo erneut zurückgefahren werden. Wie genau sich ein dauerhafter Wegfall des Astrazeneca-Vakzins auf die deutsche Impfkampagne auswirken würde, lässt sich mit dem Impfsimulator des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) ausrechnen. Dafür bezieht das Tool verschiedene Faktoren wie Liefermengen der Impfstoffe, Kapazitäten der Impfzentren und Praxen oder Impfbereitschaft der Bevölkerung in die Berechnung mit ein. Als Ergebnis gibt der Simulator zum Beispiel aus, zu welchem Zeitpunkt ein bestimmter Anteil der Bevölkerung vollständig geimpft wäre.

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Nimmt man an, dass die aktuell zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson ohne Ausfälle pünktlich geliefert werden und bestmöglich an die Impfzentren sowie Arztpraxen verteilt werden, könnten bis Ende Juli 75 Prozent der Erwachsenen über 18 Jahren in Deutschland geimpft sein – so hoch ist laut einer RKI-Studie in etwa die Zahl der Impfwilligen. Stünde Astrazeneca weiterhin als Impfstoff zur Verfügung, könnte dieses Ziel bereits Anfang Juli erreicht werden.

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Diese Szenarien setzen allerdings einen idealtypischen Verlauf der Impfkampagne voraus. Etwaige Lieferengpässe der Hersteller, Probleme bei der Verteilung der Impfstoffe sowie andere unvorhersehbare Faktoren können in diesen Simulationen nicht berücksichtigt werden.

Astrazeneca-Stopp vor allem für Risikogruppen problematisch

Die errechnete Verzögerung von drei bis vier Wochen durch den Astrazeneca-Stopp ist laut dem Vorstandsvorsitzenden des ZI, Dominik von Stillfried, insbesondere bei den Risikogruppen problematisch. Dem ZDF sagte er: "Es geht nicht nur darum, wann Herdenimmunität erreicht ist, sondern wann die Risikogruppen zwei und drei einen ersten Schutz erhalten."

Ohne Astrazeneca wären etwa Menschen der dritten Risikogruppe, also jene über 60 Jahre oder mit Vorerkrankungen, erst Ende Mai vollständig geschützt und bis dahin einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf ausgesetzt.

Arztpraxen spielen zentrale Rolle

Für einen schnellen Verlauf der Impfkampagne wird es deswegen auch entscheidend sein, die großen Mengen an Impfstoff möglichst zeitnah zu verimpfen. Zwar sind die 433 deutschen Impfzentren, in denen bisher überwiegend gespritzt wird, vielerorts noch nicht voll ausgelastet. Doch spätestens ab Mitte April dürften – auch ohne Astrazeneca – die gelieferten Impfdosen die Kapazitäten der Zentren übersteigen, wie der Impfsimulator zeigt. Ohne die Miteinbeziehung der rund 50.000 Arztpraxen in Deutschland wird es ab diesem Zeitpunkt kaum möglich sein, einen Impfstau zu verhindern. Millionen Impfdosen würden ungenutzt gelagert werden.

Nimmt man etwa die Arztpraxen im oberen Beispiel bei sonst gleichbleibenden Parametern aus der Modellierung heraus, verschiebt sich das Impfziel von Ende Juli um zwei Monate auf Ende September. Eigentlich hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, den Arztpraxen ab April das Impfen flächendeckend zu erlauben. Über den genauen Starttermin und die zur Verfügung gestellten Impfstoffmengen wollte man am Mittwoch beraten. Aufgrund des Astrazeneca-Stopps wurde die Entscheidung allerdings vertagt.

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Impfung für alle erst Weihnachten

Mit dem Simulator lassen sich auch andere Szenarien durchspielen, die so nicht in der deutschen Impfstrategie vorgesehen sind. Geht man beispielsweise davon aus, dass die Arztpraxen nicht impfen dürfen und nur 90 Prozent der bestellten Impfdosen geliefert werden, würde es selbst mit Astrazeneca bis Ende November dauern, bis jeder Mensch in Deutschland über 18 Jahren eine erste Impfung erhält. Vollständig durchgeimpft wären in diesem Fall alle erst zu Weihnachten.

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Selbst wenn man dieses Szenario mit 100 Prozent der bestellten Liefermengen berechnet, kommt man zum gleichen Ergebnis. Das zeigt: Nicht allein die Liefermengen entscheiden über das Impftempo. Entscheidend sind auch die begrenzten Kapazitäten der Impfzentren. Erst mit Hilfe der Hausärzte kann der "Impfturbo" gezündet werden.

Bei den verschiedenen Simulationen wurden folgende Faktoren vorausgesetzt:

Es werden keine Impfdosen für Zweitimpfungen zurückgehalten.
Es wird mit 50.000 Arztpraxen gerechnet, die an fünf Tagen pro Woche täglich 20 Impfungen durchführen.
Es wird mit 433 Impfzentren gerechnet, die täglich jeweils 789 Impfungen durchführen.
Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung laut den Angaben der Ständigen Impfkommission.

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Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • ZDF.de: "Wie sich die Impfkampagne jetzt verzögert"
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