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Mobilfunk-Firmen schlie├čen Funkl├Âcher

Von dpa
Aktualisiert am 22.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Die Aufschrift "Kein Netz" ist auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons zu sehen.
Die Aufschrift "Kein Netz" ist auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons zu sehen. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa./dpa)
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Bonn/D├╝sseldorf (dpa) - Deutschlands Telekommunikationsbranche kommt beim Schlie├čen von Funkl├Âchern auf dem Land etwas voran.

Die Deutsche Telekom und Vodafone gaben am Dienstag ein Zwischenergebnis f├╝r eine Kooperation bekannt: Als Folge dieser Zusammenarbeit verschwanden seit Sommer 2021 im Bundesgebiet mehr als 2000 "graue Flecken". Mit "grauen Flecken" ist gemeint, dass dort nur einer der drei deutschen Netzbetreiber funkt - Kunden der anderen beiden haben dort keinen 4G-Empfang. Es geht je zur H├Ąlfte um Standorte von der Telekom und von Vodafone. Wer also zum Beispiel das Vodafone-Netz nutzt, hat deutschlandweit nun gut 1000 Funkl├Âcher weniger.

Die beiden Firmen setzen dabei auf das sogenannte Network Sharing, bei dem sie sich gegenseitig auf die Antennen lassen. Bis Sommer 2022 wollen sie 1000 weitere graue Flecken schlie├čen.

Laut Bundesnetzagentur umfassen die grauen Flecken noch 6,44 Prozent der Fl├Ąche Deutschlands. Dieser Wert ist vom Januar. Das waren 0,36 Prozentpunkte weniger als im Oktober 2021. Der Fortschritt d├╝rfte gr├Â├čtenteils auf das Konto der Zusammenarbeit zwischen Vodafone und Telekom gehen. Die Unternehmen selbst machen keine Fl├Ąchenangaben - es bleibt also unklar, wie gro├č die Landesfl├Ąche ist, die wegen der im Sommer 2021 gestarteten Freischaltung nicht mehr grauen Flecken zuzuordnen ist. Sch├Ątzungsweise d├╝rfte es mehr als ein Prozent sein.

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Den Schulterschluss hatten die Telekom und Vodafone schon 2020 bekanntgegeben. Das Bundeskartellamt hatte damals aber Bedenken - daraufhin k├╝ndigten die beiden Firmen an, Antennen auch f├╝r Telef├│nica (O2) zu ├Âffnen, und aus dem Zweierpakt wurde ein Dreierb├╝ndnis mit Kooperationen zwischen diesen drei Unternehmen. Das wiederum gl├Ąttete die Sorgenfalten der Bonner Wettbewerbsh├╝ter.

Bei den Kooperationen mit Telef├│nica ist man noch nicht so weit. Ein Telef├│nica-Sprecher sagte, dass in den kommenden Monaten die ersten Standorte im Rahmen von Kooperationen aktiviert w├╝rden. Insgesamt gehe es um etwa 2000 eigene Antennen-Standorte - ein Teil davon an die Telekom und ein Teil an Vodafone.

Im Gegenzug bekommt Telef├│nica Zugriff auf die gleiche Anzahl von Antennen-Standorten der Konkurrenz. Die Zahlen sind allerdings nicht eins zu eins vergleichbar mit den Graue-Flecken-Zahlen von Vodafone und Telekom, weil in den Angaben von Telef├│nica auch neue Standorte in sogenannten wei├čen Flecken inkludiert sind, wo bisher gar kein Netzbetreiber pr├Ąsent ist - das Schlie├čen wei├čer Flecken geht auf eine andere Branchenzusammenarbeit zur├╝ck. Die Zahlen von Vodafone und Telekom beziehen sich nur auf die grauen Flecken.

Manager der Provider zeigten sich ├╝ber die Fortschritte ihrer Kooperation zufrieden. Man schaffe mehr Netz f├╝r Deutschland und sei dabei "voll auf Kurs", sagte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Sein Pendant bei der Telekom, Srini Gopalan, betonte, dass man Kooperationen sehr ernst nehme.

Verbrauchersch├╝tzer werteten die Fortschritte positiv, ├Ąu├čerten aber auch Kritik. Felix Flosbach von der Verbraucherzentrale NRW wies darauf hin, dass Verbraucher, die in einem Dorf mit bisher nur einem Handynetz lebten, bei der Wahl ihres Netzbetreibers schon seit langem keine Auswahl h├Ątten. "Bessere Angebote anderer Anbieter kommen f├╝r sie nicht in Frage - sie sind also in einer schwachen Position." Die Anti-Funkl├Âcher-Allianz der Mobilfunkbranche sei eine gute Nachricht f├╝r Verbraucher - "aber es ist bedauerlich, dass das nicht schon viel fr├╝her geschehen ist". Zudem gebe es bei der Fl├Ąchen-Abdeckung zwar Fortschritte, aber die Branche h├Ątte noch viel zu tun.

Auch die wei├čen Flecken - also Gegenden ganz ohne 4G-Netz - sollen allm├Ąhlich von der Landkarte verschwinden. Laut Bundesnetzagentur sind das noch rund vier Prozent der Landesfl├Ąche. Hierbei kooperieren die Telekommunikationsfirmen ebenfalls - sie lassen bis zum Jahr 2024 neue Funkmasten bauen, an denen sie alle ihre Antennen h├Ąngen k├Ânnen.

Warum machen die Wettbewerber ├╝berhaupt gemeinsame Sache? Fakt ist, dass ihre Netzabdeckung dadurch ein St├╝ckchen ├Ąhnlicher wird. In einem Dorf mit bisher nur einem Handynetz verliert der Betreiber dieses Netzes sein Alleinstellungsmerkmal und die Dorfbewohner k├Ânnten zur Konkurrenz wechseln, wenn deren Netz auch verf├╝gbar ist. Solche Effekte d├╝rfte es zwar geben, sie fallen aber wohl nicht sehr stark ins Gewicht. Viel wichtiger ist, dass die Firmen durch die B├╝ndelung ihrer Ausbaukr├Ąfte hohe Kosten sparen und bei der Erf├╝llung von staatlichen Ausbau-Auflagen schneller vorankommen als zuvor.

Es gibt noch einen weiteren Grund zur Hoffnung, dass es zuk├╝nftig weniger Funkl├Âcher gibt als heute. Denn eine Anfang 2021 gegr├╝ndete "Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft" des Bundes startete unl├Ąngst ihren ersten F├Ârderaufruf - f├╝r ein Funkloch im Bayerischen Wald liegt nun F├Ârdergeld bereit, damit dort ein Mast errichtet wird.

Zahlreiche weitere Funkl├Âcher will die Bundesgesellschaft mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro F├Ârdergeld schlie├čen. Die Einrichtung ist f├╝r die Funkl├Âcher zust├Ąndig, bei denen die Mobilfunkbranche den Ausbau nicht selbst schultern will. Besagter F├Ârderaufruf macht Hoffnung, dass selbst die "schwierigen F├Ąlle" unter den Funkl├Âchern angegangen werden. Er machte aber auch deutlich, dass der Kampf gegen die "Keine Verbindung"-Anzeige auf dem Handydisplay eine langwierige Sache ist: Der Funkmast, der in der bayerischen Marktgemeinde Lam entstehen soll, wird fr├╝hestens Ende 2023 fertiggestellt werden.

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