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LTE in der U-Bahn: Berlin auf dem Weg zum schnellen Netz im Tunnel

LTE in der U-Bahn  

Berlin auf dem Weg zum schnellen Netz im Tunnel

24.08.2018, 15:32 Uhr | Karolin Rothbart, dpa-AFX

LTE in der U-Bahn: Berlin auf dem Weg zum schnellen Netz im Tunnel. Dicht gedrängt steigen Menschen aus einer U-Bahn im Bahnhof am Alexanderplatz: Die Berliner U-Bahn wird ans LTE-Netz angeschlossen.  (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)

Dicht gedrängt steigen Menschen aus einer U-Bahn im Bahnhof am Alexanderplatz: Die Berliner U-Bahn wird ans LTE-Netz angeschlossen. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

In der U-Bahn mal schnell ein Video streamen – dazu braucht es ein gut funktionierendes Mobilfunknetz. Am schnellsten ist derzeit der LTE-Standard, den es bereits im Untergrund mancher deutscher Städte gibt. Nun soll endlich auch die Hauptstadt versorgt werden.

Wer morgens in die Berliner U-Bahn steigt, dem bietet sich oft ein kurioses Bild: Der Zug ist voll, aber es ist still. Die Köpfe der Leute sind nach unten geneigt, die Augen aufs Smartphone gerichtet. Bei der Einfahrt in den Tunnel ändert sich was: Ein paar Köpfe gehen nach oben. Die Blicke sind genervt – das Internet ist weg. Die Köpfe gehen zur Seite. Hat der Sitznachbar etwa eine Verbindung? Wie kann das sein?

So wie draußen an der Oberfläche, hängt auch die Verbindung im U-Bahntunnel oft vom Anbieter ab. In den meisten U-Bahn-Systemen Deutschlands gibt es bislang nur für Kunden bestimmter Mobilfunkunternehmen ein flächendeckendes LTE-Netz.

Statista-Grafik: Deutschland hat eines der langsamsten Mobilfunknetze in Europa.  (Quelle: t-online.de/Statista)Statista-Grafik: Deutschland hat eines der langsamsten Mobilfunknetze in Europa. (Quelle: Statista/t-online.de)

Die vierte Mobilfunkgeneration LTE oder 4G ist der derzeit neueste Datenübertragungsstandard. Eine LTE-Verbindung ist in der Regel spürbar schneller als die dritte Generation (UMTS) und EDGE (2.5G).

21 LTE-Basistationen für 120 Kilometer Netz

"Aktuell haben wir im Berliner Untergrund 21 LTE-Basisstationen", erklärt Alexander Hausmann. Der 51-Jährige arbeitet als Funknetzplaner für Sonderprojekte beim spanischen Mobilfunkbetreiber Telefónica. In Deutschland ist der Konzern vor allem über seine Kernmarke O2 bekannt. Und zuständig für den Ausbau des LTE-Netzes im 120 Kilometer langen Berliner U-Bahn-System.

"O2-Kunden haben schon die volle LTE-Abdeckung", sagt Hausmann. Für Smartphone-Besitzer, die in den Netzen der Telekom oder von Vodafone  surfen, soll es das laut Planung demnächst auch geben. Bis zum ersten Quartal 2019 soll der gesamte Innenstadtbereich laut Planung für alle drei Mobilfunkbetreiber fertiggestellt sein. Vieles hänge noch von den Verhandlungen mit der BVG ab.

Hamburg, München, Frankfurt und Hannover versorgt

In manchen Teilen Deutschlands ist man da schon weiter. Von den 13 Städten mit einem U-Bahn-Netz haben vier eine volle LTE-Abdeckung: In Hamburg, München und Frankfurt am Main wurde das Netz unter der Federführung von Vodafone ausgebaut, in Hannover kooperiert das Unternehmen zusätzlich mit der Telekom. Welcher Betreiber in welcher Stadt die Verantwortung trägt, hängt meist davon ab, wer dort zuerst mit der Versorgung begonnen hat.

Statista-Grafik: LTE-Verfügbarkeit nach Regionen.  (Quelle: t-online.de/Statista)Statista-Grafik: LTE-Verfügbarkeit nach Regionen. (Quelle: Statista/t-online.de)

In dem Raum unterhalb vom Hermannplatz im Norden des Berliner Bezirks Neukölln ist es warm. Hier stehen vergleichsweise viele LTE-Stationen, auch für die anderen Betreiber. "Den südlichen Bereich von der U8 und einen kleinen Teil der U7 haben wir schon fertig", sagt Hausmann. In der Gegend lässt es sich daher für alle, die mit der U-Bahn fahren, schon besonders gut im LTE-Netz surfen.

Datenhungrige Fahrgäste

Es ist der Datenhunger der Fahrgäste, der den Ausbau im Untergrund für Hausmann zur "Lebensaufgabe" gemacht hat. "Das Ganze hört ja nie auf", sagt er. "Mit der Zeit werden es immer mehr Stationen." Nach O2-Zahlen hat sich der Datenverkehr im U-Bahnnetz in den vergangenen drei Jahren verzwölffacht. Pro Tag werden demnach mehr als 4 Terabyte durch die Schächte gejagt – so viel wie etwa 800 Filme in HD-Auflösung.

Und wo sich jetzt alles noch um LTE drehe, stünden die Versteigerungen der Frequenzen für die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) schon vor der Haustür. Der künftige Standard verspricht ein Vielfaches der Übertragungsgeschwindigkeit von LTE. Vodafone-Sprecher Volker Petendorf zufolge wird 5G in der U-Bahn aber keine allzu große Rolle spielen. "Für die Nutzung von Smartphones braucht man das eigentlich nicht", sagt er.

Empfang ist in der Bahnsteigmitte am besten

Und wie ist es mit WLAN? Seit 2016 gibt es das an vielen Berliner U-Bahnhöfen kostenlos – laut BVG ist die Verbindung meist in der Bahnsteigmitte am besten. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen alle 173 Bahnhöfe mit WLAN ausgestattet haben. Manche wünschen sich WLAN aber auch in den Zügen. So etwa der Landesverband der CDU. "Ich bedauere, dass das bislang noch nicht umgesetzt wurde", sagt der Abgeordnete und verkehrspolitische Sprecher, Oliver Friederici. "Das gibt es ja auch schon in anderen Städten wie Seoul oder Moskau. Es wäre nicht schlecht, wenn es das auch bei uns gäbe."

Andere halten den Ausbau von kostenlosem WLAN wiederum nicht für notwendig. "Innerhalb der nächsten Jahre wird sich die Mobilfunkverfügbarkeit in Deutschland weiter verbessern und die Preise für viel Datenvolumen auch weiter fallen", ist Tim Grams überzeugt. Grams arbeitet im Social-Media-Team der Deutschen Bahn und hat sich einen Namen als "Bloggender Bahner" gemacht. Ihm zufolge könne man sich das Geld für WLAN auch sparen, weil die Netze sowieso nicht die Geschwindigkeit erreichen würden, wie ein einzelner Mobilfunkzugang.

WLAN in vollen Zügen

Beim Fahrgastverband Pro Bahn würde man sich WLAN in den Zügen grundsätzlich schon wünschen. "Es wird immer Leute geben, die sich die teuren Verträge nicht leisten können", sagt der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Auch für Touristen aus dem entfernten Ausland, die nicht vom freien EU-Roaming profitieren, wären mit einem WLAN gut bedient. Allerdings brauche man dafür auch eine entsprechende Netz-Infrastruktur. "Es muss erstmal was da sein", betont Naumann. "Nichts verstärkt immer noch nichts."

In Berlin gilt es für Alexander Hausmann, dieses Nichts auf der unterirdischen Bahnstrecke auszufüllen. Dabei sind die Herausforderungen vielfältig: "Man hat ja nur zwei bis drei Stunden pro Nacht Zeit", sagt er. "Da muss dann auch noch der An- und Abtransport vom Werkzeug mit einberechnet werden. Und außerdem fahren nachts ja auch die Arbeitszüge von der BVG durch die Tunnel."

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Verwendete Quellen:
  • dpa

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